Migranten als Gewinn für das ganze Land

Von 
Till Börner
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Als bekannt wurde, dass die Gründer des Mainzer Biotechnologieunternehmens Biontech Ugur Sahin und Özlem Türeci heißen, gab es den ein oder anderen überraschten Blick. Die türkischen Wurzeln des Ehepaares waren oft das zentrale Thema. Dass die Erfinder des ersten weltweiten Corona-Impfstoffes nicht Maier oder Müller heißen, sollte allerdings gar keine so große Überraschung sein. Denn laut einer Studie des Mannheimer Instituts für Mittelstandsforschung gab es in Deutschland 2019 mehr als 790 000 Selbstständige mit ausländischen Wurzeln – und damit rund eine Viertelmillion mehr als 2005. Das ist eine Bereicherung für alle.

MM-Volontär Till Börner. © Bernhard Zinke
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Wenn viele der Gründer lediglich aus der puren Enttäuschung heraus, weil sie in ihrem Angestelltenverhältnis keine Aufstiegsmöglichkeiten sehen, ihr Glück in der Selbstständigkeit suchen, wird dadurch vor allem eines klar: dass Menschen mit Migrationshintergrund auf der Karriereleiter benachteiligt werden. Es ist allerdings anzunehmen, dass sehr viele der 790 000 Gründer diesen Schritt bewusst und aus voller Überzeugung gegangen sind. Denn bemerkenswert ist, dass jedes vierte dieser Unternehmen im Bereich der wissensorientierten Dienstleistungen tätig ist. Sprich: Menschen mit Migrationshintergrund eröffnen Arztpraxen oder Forschungseinrichtungen.

Aber auch wer nicht in der Krebsforschung tätig ist oder einen Impfstoff gegen ein Virus entwickelt, ist für den Standort Deutschland unverzichtbar. Gründungen – vom Gemüsehändler bis zum App-Entwickler – sind für die Erneuerung und Wettbewerbsfähigkeit einer Volkswirtschaft unverzichtbar. Denn die Start-ups von heute sind die erfolgreichen Unternehmen von morgen. Und Migranten gründen in Deutschland überdurchschnittlich häufig und stellen mindestens 3,4 Millionen Arbeitsplätze. Mit ihrem verstärkten Außenhandel stützen sie den deutschen Export. Und Imbisse oder Obst- und Gemüseläden sind wichtige Elemente gegen Innenstädte, die zunehmend aussterben.

Die Wirtschaft profitiert vom Können und den Innovationen der Migranten. Beratung und Zugang zu finanziellen Mitteln sind unabdingbar – und sollten weiter ausgebaut werden. Denn wenn Menschen mit Migrationshintergrund aus schwer nachvollziehbaren Gründen in Deutschland keine Unterstützung finden, suchen sie ihr Glück woanders. Ugur Sahin und Özlem Türeci sind das beste Beispiel für erfolgreiche Gründer mit ausländischen Wurzeln.

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