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Salierbrücke

Salierbrücke: Weg nach Speyer bald wieder frei

Von 
Jürgen Gruler
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Der Weg über die Salierbrücke mit Blick auf den Speyerer Dom. © Brinner

Speyer/Hockenheim. Die Zusammenarbeit zwischen Behörden und Journalisten knarzt manchmal ganz schön. In diesem Fall kann man die Sache fast schon putzig nennen. Am Dienstag haben wir beim Regierungspräsidium in Karlsruhe nachgefragt, ob es stimmt, dass die Salierbrücke am 22. November für den Verkehr freigegeben wird. Und falls der Termin nicht stimme, solle man doch den richtigen nennen. Am Mittwoch antwortete die dortige Pressesprecherin, dass sie den genannten Termin nicht bestätigen könne, man aber zu gegebener Zeit einen Termin nennen werde. Schon am Donnerstag, nachdem morgens unsere Zeitung berichtet hatte, dass die Brücke weitgehend fertig ist, sich das RP aber weiterhin ziere, einen Öffnungstermin zu nennen, war dann die Zeit herangereift und mittags um 13 Uhr kam die gute Nachricht, dass am Mittwoch, 24. November, die Verkehrsfreigabe erfolge. Da lagen wir also mit unserer Vermutung tags zuvor gar nicht so schlecht.

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Wie zu befürchten war, lobt sich das Regierungspräsidium für die Freigabe vor dem zuletzt versprochenen Freigabetermin „noch dieses Jahr“ dann auch kräftig selbst. In der Pressemitteilung heißt es: „Durch Optimierungsmaßnahmen seitens des Regierungspräsidiums Karlsruhe kann die Brücke nun bereits am 24. November für den Verkehr freigegeben werden.“ Und dann wird sogar Regierungspräsidentin Sylvia M. Felder zitiert: „Wir sind sehr froh, dass es uns gelungen ist, die Maßnahme Salierbrücke noch vor Jahresende abschließen zu können. Wir hoffen, dass wir damit bei den vielen von der Baustelle betroffenen Bürgerinnen und Bürgern sowohl in Baden-Württemberg als auch in Rheinland-Pfalz zu einer entspannten Weihnachtszeit beitragen können.“

Pleiten, Pech und Pannen

Dabei haben sich das Regierungspräsidium und die beteiligten Baufirmen bei der Sanierung der Brücke wahrlich nicht mit Ruhm bekleckert – es war ein Projekt voller Pleiten, Pech und Pannen. Schon die zuerst veranschlagte Bauzeit, die im Februar 2021 enden sollte, war bei der Bekanntgabe als über Gebühr lang empfunden worden. Da werden neue Brücken schneller gebaut als die hier saniert, schimpften Bürger bei einer Infoveranstaltung. Die Speyerer Geschäftsleute und Gastronomen sahen ihre badische Kundschaft auf immer verloren. Mit einem Pendelbus, den dann auch noch die Kommunen und Kreise bezahlen mussten, und dem Bau eines Parkplatzes auf badischer Seite steuerte man dagegen.

Dann begannen 2019 die Arbeiten, aber wochenlang war kein Arbeiter auf der gesperrten Brücke zu sehen. Mit dem Grund rückte das RP erst spät heraus: Im Zuge des ersten Bauabschnitts kam es aufgrund von Schadstofffunden sowie Abweichungen zwischen den Bestandsplänen und der tatsächlichen Bausubstanz zu Änderungen im ursprünglichen Bauablauf und damit verbunden zu zeitlichen Verzögerungen. So wurde unter anderem PCB im Bereich der Gehwege, der Vorlandbrücke und den Schutzeinrichtungen der Strombrücke gefunden. Die Abweichungen bei der Bausubstanz in Verbindung mit den Schadstofffunden führten zu umfangreichen Umplanungen, wodurch das Bauende um rund ein Jahr in das Frühjahr 2022 verschoben werden musste. Und es wurde fast doppelt so teuer wie geplant. Uns sagten Experten, dass man mit PCB bei Brückenbauten aus dieser Zeit hätte rechnen müssen und offensichtlich sei, dass die Voruntersuchungen nicht fachgerecht durchgeführt worden seien.

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Bis dann die Baufirma genügend Schweißer verpflichtet hatte und endlich alles rundlief, waren Monate ins Land gezogen. Mit einer Brückenbegehung war dann 2020 der Silberstreif am Horizont erreicht worden, die südliche Brückenhälfte war fertig. Aber: Untersuchungen zeigten, dass fehlerhafter Straßenbelag geliefert worden war, der wird jetzt gerade abgefräst und nochmals neu aufgebracht – auf Kosten der Lieferfirma.

Pünktlich zum Weihnachtsgeschäft in Speyer soll der Verkehr ab 24. November wieder fließen. Da freut sich OB Stefanie Seiler natürlich: „Wir sind froh, dass die Brücke noch in diesem Jahr geöffnet werden kann. Nach der langen Bauphase ist dies eine große Erleichterung für die Pendlerinnen und Pendler, die jahrelang einen Umweg in Kauf nehmen mussten. Aber auch für unseren Einzelhandel und Gastronomie sowie alle, die von diesem fehlenden Verbindungsstück beider Rheinseiten betroffen waren, bedeutet der Abschluss der Sanierung einen enormen Zugewinn. Nun wird in den nächsten Tagen abgestimmt, wie die ersehnte Wiedereröffnung der Salierbrücke gestaltet werden kann.“

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Chefredaktion Jürgen Gruler ist Chefredakteur der Schwetzinger Zeitung.

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    Unser Leser Dieter Beil aus Altlußheim ist regelmäßig mit dem Rad über die Salierbrücke Richtung Speyer und wieder zurück unterwegs. Er findet es toll, dass wir an der Sanierung dranbleiben und auch immer wieder Missstände in Planung und Bauausführung aufdecken: „Vielen Dank, dass Ihre Zeitung regelmäßig über die Sanierung der Salierbrücke berichtet und Sie die notwendigen kritischen Worte dazu beitragen“, schreibt er an die Redaktion. Und er macht gleich auf etwas aufmerksam, das er jetzt selbst entdeckt hat, dabei geht es um den eigentlich schon fertigen Rad- und Fußweg auf der Südseite der Brücke. „Die Fahrbahn soll nun nach dem Einbau eines fehlerhaften Asphalts teilweise nochmals erneuert werden. Wie sieht es mit dem einseitig schon fertiggestellten Rad- und Fußweg aus? Auch hier könnte nach meinen Feststellungen Handlungsbedarf bestehen. Der Asphalt sieht auf der baden-württembergischen Seite heller aus als direkt überm Fluss. Der hellere Belag weist zahlreiche Risse auf. Ich habe die Befürchtung, dass Wasser und Frost dort bald einen neuen Sanierungsfall schaffen könnten. Können Sie für eine Klärung sorgen“, fragt Beil. {element} Die Sprecherin des Regierungspräsidiums Clara Reuß, der wir die Anfrage gestellt haben, hat jetzt geantwortet. Sie schreibt: „Im Gehwegbereich gibt es Abschnitte mit unterschiedlicher Farbgebung, da es sich um zwei Bauwerke aus verschiedenen Baustoffen handelt. Die Strombrücke (im Bild dunkler) besteht vollständig aus Stahl. Hier ist im Gehwegbereich zusätzlich zum Korrosionsschutz noch ein rutschhemmender Belag aufgebracht worden, der die Verkehrssicherheit für die Fußgänger gewährleistet. Die Vorlandbrücke (im Bild heller) besteht aus Stahlbeton. Hier bewegen sich die Fußgänger im Gehwegbereich direkt auf dem Konstruktionsbeton der sogenannten Brückenkappen. Grundsätzlich gibt es kein Stahlbetonbauteil ohne Risse. Im Falle der neuen Kappen der Salierbrücke sind die angesprochenen Risse kurz nach der Betonage aufgetreten und entsprechen in ihrer Regelmäßigkeit der Lage der Querspannglieder des Bauwerks. Bisher konnten seit ihrem Auftreten keine Veränderungen festgestellt werden. Folglich besteht kein Grund zur Sorge. Dennoch werden die Risse natürlich weiter beobachtet“, so Reuß. {furtherread} Im Gehwegbereich des ersten Bauabschnittes seien also derzeit keine Belagsarbeiten erforderlich oder geplant, folglich müsse der Geh- und Radweg auch nicht gesperrt werden, so Reuß weiter. Hoffentlich bleibt das auch so. Wir bleiben jedenfalls weiter dran.

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