Mannheim: Lesen.Hören weckt Lust auf Lyrik Lyrik hilft, das Warten zu verkürzen

Von
Helga Köbler-Stählin
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Die Lyrikerin Monika Rinck posiert für den Fotografen. Die Berliner Autorin hat am 27.10.2019 den Roswitha-Literaturpreis 2019 der Stadt Bad Gandersheim erhalten. © picture alliance/dpa

Mannheim. „Komplizen“ gab es beim Literaturfestival Lesen.Hören schon 14 Mal. Drei Wochen lang füllte sich jeweils zwischen Februar und März die Halle der Alten Feuerwache in Mannheim. Interessierte kamen, wollten Literatur hören, Autoren sehen. Aber in diesem 15. Jahr wird es dauern, weil Corona, der Übeltäter, noch immer nicht festgesetzt ist. Deshalb ist der Juli angedacht. Bis dahin ist die Zeit lang, dachten sich die Macher und begeisterten sich schon mal für eine neue Idee. Die Dichterin Monika Rinck hat sie eingebracht und drei Helfershelfer haben sich ihr angeschlossen. „Schließfachlyrik“ heißt die Aktion, in der für die Dauer des sonst stattfindenden Festivals Gedichte in Tresoren ausliegen.

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Komplize werden ist erwünscht, und einen Safe zu knacken ist hier erlaubt. Code eingeben, Hebel drehen, und schon öffnet sich das „Schließfach“, das bei der Buchhandlung Böttger, bei Bücher Bender und, ebenfalls in Mannheim, bei der Buchbinderei Schrimpf leicht zu finden ist. Zum angedachten Themenabend darf daraus erbeutet werden, was dem Programmpunkt ähnelt. Statt über Bücher des Lebens zu reden wie es eingangs getan werden sollte, ist das Freitagsgedicht des türkischen Poeten Cemal Süreya den „Vier Jahreszeiten“ gewidmet. In Synonymen aus der Natur beschreibt er das Einst und Jetzt, Freude und Schmerz. Ein Adressat ist nicht zu erkennen, wohl aber einer der gehört werden will. So wie Odile Kennel, die deutsch-französische Dichterin.

Anstelle von „Blümchen und Bienchen“, dem 2. Thementag, bekennt sie sich im Samstagsgedicht ganz ungehemmt zur Lust. „Schreib doch mal was über Erotik“, könnte fast den Tresor sprengen. „Prall. Knall. Loch“, so heftig ungeniert sind die Worte. Das „Kollektiv Junge Literatur Mannheim“ hat dieses und alle folgenden Gedichte ausgewählt. Auch „an einen verborgenen“ von Max Czollek, der in Berlin lebt, den am Sonntag verteilten Text. Als eine Hommage an Bert Brecht ist das angekündigt und ist gleichfalls eine ans Leben. Das Gedicht stellt lyrische Fragen an die Gesellschaft und an Komplizen aus Zeiten „da Freude herrschte“ . . . Noch bis zum 7. März können Leserinnen und Leser täglich ab 12 Uhr ein neues Gedicht aus den Schließfächern entnehmen.

Wie schon gesagt: alle in Mannheim - bei der Buchhandlung Böttger, Sennteichplatz 2, Tresor Nr. 5 (Code 1551); bei Bücher Bender, Q4, 2 (Code 1515), aber nur während der Abholzeiten; sowie bei der Buchbinderei Schrimpf, Waldhofstr. 8 (Code 926). 

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tog
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