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Erfahrungsbericht

Mitarbeiterin der Schwetzinger Zeitung on Tour: Poetry-Slam-Wettbewerb in der Schweiz

Laura Kaltschmidt, Reporterin dieser Zeitung, ist bei einem Poetry-Slam-Wettbewerb für Jugendliche in der Schweiz. Sie berichtet über ihre Erfahrungen und schildert ihre Eindrücke aus den vier Tagen - von 22. bis 25. September.

Von 
Laura Kaltschmidt
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Laura Kaltschmidt auf der Bühne beim u20 Poetry Slam in St. Gallen. © Kaltschmidt

Schwetzingen/Leimen/St. Gallen. Laura Kaltschmidt ist 19 Jahre alt, kommt aus Leimen, ist Studentin und Freie Mitarbeiterin dieser Zeitung. Sie liebt Poetry Slam und war Teilnehmerin beim u20 Poetry Slam – der Dichterwettstreit der Jugendlichen in St. Gallen. Kaltschmidt berichtet über ihre Anreise, den Weg zum Event und wie weit sie es geschafft hat:

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"Mama ich habe ein Gedicht geschrieben", ist ein Satz, den meine Mutter schon in der Grundschulzeit von mir zu hören bekam. Nicht nur für die Zeitung zu schreiben ist Teil meines Lebens, auch privat flogen mir sich reimende Worte schon immer zu. Andere behaupten von mir, die notwendige Bühnenpräsenz hätte ich auch. So war der Weg zum Poetry Slam nicht mehr weit.

Poetry Slam ist eine moderne Dichtkunst bei der Künstler ihre selbstgeschriebenen Texte ohne Hilfsmittel auf die Bühne bringen und performen. Das Publikum ist die Jury. An diesem Wochenende treten 70 Poeten aus sechs Nationen in St. Gallen in der Schweiz gegeneinander - oder viel mehr miteinander - an. Die Vorrunden des internationalen deutschsprachigen Wettbewerbs begannen am Donnerstagabend, 22. September, in drei Locations des friedlichen Örtchens. Drei Tage am Stück werden hier die Fetzen - oder eher die Worte fliegen - um den Poet der Poeten der deutschen Sprache auszuerküren. Die Heidelberger Gruppe "WordUp!" nominierte mich - vollkommen unterwartet - für den freien Startplatz, den ich zwar überrascht, aber ohne Zögern dankend annahm.

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Anreise von Leimen nach St. Gallen

Mit der Bahn ging es für mich über Österreich in die Schweiz, die Anreise klappte super. Drei Länder in vier Stunden erlebte ich dabei. Es war meine erste Reise vollkommen alleine, aber vor Ort hatte jeder einen persönlichen Ansprechpartner.

Die Nominierung

Wie kam ich überhaupt zu diesem Event? Dazu kann ich gar nicht mehr viel sagen. WordUp in Heidelberg hatte einen Startplatz zu vergeben und hat gefragt, ob ich Interesse habe. Da habe ich natürlich ja gesagt.

Halbfinale - ja oder nein?

Nach sechs Minuten war in der Vorrunde mein Auftritt vorbei. Nach dieser vorgegebenen Zeit ertönt eine Rassel.  Wer nach dieser Zeit nicht fertig ist, wird vom Moderator quasi von der Bühne hinuntergeschoben. Für mich hat es dann leider nicht für den Einzug ins Halbfinale gereicht. Aber die Erfahrung war es allemal wert.  Hier zu sein ist schon so überraschend gewesen als eher unbekannte Poetin! Und die Wahrscheinlichkeit war ja auch sehr gering, weiterzukommen. Zudem hängt das Weiterkommen sehr von der restlichen Gruppe ab, in die man gelost wird. Und auch vom Publikum und deren Alter. Es kann ja eh nicht jeder gewinnen und alle hier sind so talentiert, dass es jeder verdient hätte, wirklich!

Die Couch steht bereit für die Moderatoren. Der Poet selbst darf am Bühnenbild nichts verändern. © Kaltschmidt

Man kann eigentlich sagen, auf dieses Event zu kommen ist eines der größten Ziele eines deutschsprachigen Poeten. Es ist beinahe das einzige seiner Art, bei dem so viele Länder und Facetten der deutschen Sprache aufeinandertreffen. Wie bereits gesagt, 70 Poeten aus sechs deutschsprachigen Nationen... Im Internet wird das Event beschrieben mit folgendem Sinn:  "Den Besten der Besten auserküren" - die meisten haben sich sogar durch den Sieg bei anderen Meisterschaften qualifiziert, bei mir war es ja eher Zufall.

So funktioniert die Vorrunde

Ich bin durch ein simples Losverfahren in Vorrunde drei gerutscht, Schauplatz: eine kleine goldige Bar in St. Gallen mit einem tollen Publikum.

Die zehn Teilnehmer der jeweiligen Vorrunde werden - ebenfalls per Los - in zwei Gruppen eingeteilt. Aus beiden Gruppen haben zwei Personen die Chance ins Halbfinale einzutreten. Die Bewertung übernimmt das Publikum (so können wir immer sagen: "Es liegt immer am Publikum und nicht am Text"). Meistens entscheiden die Moderatoren anhand der Applaus-Lautstärke, wer für den Besten gehalten wurde. Hier wird allerdings - ich vermute um Diskussionsbedarf zu meiden - mit Punktetafeln bewertet, welche zuvor an Personen im Publikum verteilt werden, die keinen der Slammer kennen. Um parteiische Wertungen zu vermeiden, wird die höchste sowie niedrigste Wertung nicht mit eingerechnet. Bei sieben verteilten Tafeln kann man also 50 Punkte erreichen. Obwohl ich davon über 41 Punkte erreichen konnte, hat es um ein sehr kurzes Haar nicht für das Halbfinale gereicht. Trotzdem darf ich die nächsten Tage hier bleiben, tolle Leute treffen und die anderen Auftritte besuchen.

Der weitere Verlauf

Nachdem ich am Donnerstagabend in der Vorrunde ausgeschieden bin stand mir kein Auftritt mehr bevor. Zwar hätte ich große Lust gehabt, nochmal einem tollen Publikum gegenüber zu stehen, aber eine große Enttäuschung spürte ich trotzdem nicht.

Tagsüber hatten wir freie Zeit zur Verfügung, konnten aber auch Angebote wie einen Schreibworkshop oder eine Stadtführung wahrnehmen. Die Organisatoren haben großartige Arbeit geleistet. Nach einem frühen Abendessen fanden dann am Freitag die Halbfinals sowie ein Team-Slam und am Samstag das große Finale statt. Beide Events waren gut besucht und brodelten vor guter Stimmung auf, hinter und vor der Bühne. Die Punkteverteilung hielt sich ausschließlich im oberen Drittel auf, sodass das Rennen an jedem Abend unglaublich knapp ausging, so auch im Finale.

Yannik Noah geht aus dem Wettbewerb als Sieger hervor. © Kaltschmidt

Der große Gewinner des Events, Yannik Noah (auf dem Foto) aus Würzburg, angetreten für die Fränkische U-20-Meisterschaft, hat sich seinen Sieg mehr als verdient. Er erhielt neben einem Pokal eine Qualifikation für die U-20-Meisterschaften in Wien im November. Aufhören dieses Hobby zu verfolgen, wird nach diesem Wochenende bestimmt keiner. Im Gegenteil: Viel eher ist die Motivation gestiegen und es konnten neue Kontakte in andere Städte - sogar Länder - geknüpft werden. Wer noch nie einen Poetry Slam erlebt hat, sollte sich die nächste Veranstaltung auf keinen Fall entgehen lassen.

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