Das Interview Britta Habekost spricht über ihren neuen Mannheim-Krimi

Von 
Jörg-Peter Klotz
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Mannheim. Schriftstellerin Britta Habekost spricht über ihren zweiten Mannheim-Fall „Eine dunkle Lüge“. Außer-dem dreht sich das Interview um perfekten Einsatz von Lokalkolorit, den Reiz von Regionalkrimis, „normale“ Ermittler und die Fortsetzung der Reihe „Elwenfels“ mit Ehemann Chako.

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Frau Habekost, Ihr zweiter Roman um die Ermittlerin Jelene Bahl ist sehr abgründig verschachtelt, sie legen geschickt falsche Fährten und überraschen den Leser mehrfach intensiv. Legen Sie sich vor dem Schreiben eine Art Matchplan zurecht, um den roten Faden nicht zu verlieren?

Britta Habekost: Ich habe glücklicherweise gelernt, mich nur noch dann an einen Roman zu setzen, wenn ich vorher ein plausibles Storyboard ausgearbeitet habe, einen soliden Plot mit genug Spielraum und ohne logische Sollbruchstellen. Das ist manchmal ziemlich anstrengend, muss aber sein, damit dann das letztendliche Romanschreiben schön fließen kann.

Der letzte Satz des Vorgängerromans „Ein dunkles Spiel“ leitet zum neuen Buch über - mit klassischer Cliffhanger-Technik wie in TV-Serien. Das scheint am Ende von „Eine dunkle Lüge“ wieder der Fall zu sein, oder?

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Habekost: Ja, ich mag es, wenn sich gewisse formale Muster durch die Bücher ziehen. Auch wenn dieser Cliffhanger nicht ganz so fies ist wie der im ersten Band. Ich will die Leser dadurch sehen lassen, dass da viel Potenzial ist, um die Geschichte weiterzuerzählen. Dieser Gedanke „Was wäre wenn?“ ist auch für mich sehr reizvoll, denn wer weiß - vielleicht wird es ja einen dritten Teil geben?

An einer Stelle schreiben Sie von den „üblichen sozialen Tanzbewegungen“. Soll die Lektüre helfen, hinter die im Miteinander üblichen Fassaden zu blicken?

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Habekost: Oh, ich hoffe doch nicht, dass Menschen Krimis brauchen, um hinter die Fassaden des sozialen Miteinanders zu blicken. Aber natürlich helfen solche Geschichten, sich immer wieder daran zu erinnern, dass wir alle unsere Abgründe haben. Und die dazu passenden Masken.

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Generell gefragt: Was macht Regionalkrimis eigentlich so erfolgreich?

Habekost: Ich könnte mir vorstellen, dass es die relativ kleine Welt ist, in der sie spielen. Das schafft Identifikation und etwas Nahbares. Man bekommt dadurch das Gefühl, dass so etwas auch in der näheren Umgebung geschehen könnte, dass man die beschriebenen Figuren vielleicht kennt. Gerade diese überschaubare Welt einer bestimmten Region, die so vielen Menschen vertraut ist, ist doch das, was uns vor dem Angesicht großer Verbrechen reizt und herausfordert.

Sie haben mal sinngemäß gesagt, dass im Regionalkrimi das Lokalkolorit der Hauptdarsteller sein muss. Wie gelingt das?

Habekost: Ich denke, in dem man sich als Autor immer wieder fragt: Was könnte hier in dieser Region passieren, was in einer anderen Region nicht passieren könnte und wenn doch dann völlig anders. Wie ist die Stimmung hier, das Lebensgefühl? Und dafür dann die richtigen Worte finden.

Was reizt Sie persönlich an diesem Genre? Sie könnten ja genau so gut versuchen, als Nachfolgerin Stieg Larssons die Welt zu erobern.

Habekost: Das klingt nach einem faszinierenden Gedanken und hoffentlich werden meine nächsten Romane, die alles andere als regional sind, eine andere, eine größere Welt erobern. Der erste davon wird im Herbst bei einem Randomhouse-Verlag erscheinen und der zweite ist auch schon in Arbeit.

Sie sind ja gelernte Schwäbin, leben in Bad Dürkheim. Trotzdem treffen Sie Mannheims Lokal-Spirit erstaunlich gut, auch den düsteren Teil. Wie gelingt Ihnen das - waren Sie vielleicht eine der regelmäßigen Besucherinnen der Partyreihe "Super Schwarzes Mannheim" im MS Connexion?

Habekost: Oh bitte, erinnern Sie mich nicht daran, in einem Club zu tanzen. Es erscheint gerade so unendlich weit weg. Aber im Ernst, ich war schon einige Jahre nicht mehr im MS Connexion. Und diese Grufti-Düsternis spielt ja keine Rolle mehr in diesem Roman. Der düstere Teil, den ich beschreibe, den findet man in jeder Großstadt und auch auf jedem Dorf. Es ist eher ein düsterer Blick auf die urbanen Ecken, als ein tatsächlich düsteres Bild.

Jelene Bahls Chefin an der neuen Dienststelle in Ludwigshafen scheint homosexuell zu sein. Das deuten Sie zumindest dezent an. Soll das eine Hommage an den hiesigen „Tatort“ und Lena-Odenthal-Darstellerin Ulrike Folkerts sein?

Habekost: Nein, eine Hommage an die guten neuen Zeiten …

An dem Ludwigshafen-„Tatort“ lässt Ihr Mann auf der Bühne kein gutes Haar …

Habekost: Das ist ja auch sein Job und gerade bei diesem Thema spricht er vielen Menschen dieser Region aus der Seele.

Ist die Odenthal-Reihe auch für Sie ein Beispiel für schlecht eingesetztes Lokalkolorit?

Habekost: Leider ja. Wenn ich auch zugeben muss, dass ich ihn nicht anschaue. Ich lese aber regelmäßig die Kritiken und mir wird immer wieder bewusst, dass das mit dem guten Lokalkolorit vielleicht gar nicht gewollt - oder gekonnt - ist. Lokalkolorit kann man nicht einfach nur fragmentarisch als Duftnote einsetzen. Entweder ganz oder gar nicht.

„Dunkel“ und abgründig sind ja heutzutage fast alle Hauptfiguren in Krimis quer durch alle Formate. Könnte man heute mit einer Kommissarin, die glücklich mit langweilig-normalem Mann, zwei gesunden Kindern, Hund und zwei Glas Wein in der Woche im abbezahlten Einfamilienhaus lebt, keinen Blumentopf mehr gewinnen? Die Vorstellung scheint fast radikal, oder?

Habekost: Diese Vorstellung ist sehr reizvoll, weil sie so ungewöhnlich erscheint. Ich bin mir sicher, das wird eines Tages der Renner auf dem Literaturmarkt: Glückliche Protagonisten ohne dunkle Seelenkammern. Aber solche Figuren brauchen dennoch einen inneren Twist, sonst wird´s unrealistisch. Wir alle haben irgendwo Dunkelheit in uns, die Frage ist nur, warum man das als Krimischreiber so ausschlachten muss.

Also ist Normalität für Sie als Autorin nicht vollkommen reizlos?

Habekost: Nein gar nicht. Im Gegenteil. Ich würde mich gerne mal an einem Krimi versuchen, in dem der Ermittler beispielsweise genau weiß, was Glück bedeutet und dieser Suche auch aktiv nachgeht, trotz der schrecklichen Aspekte seines Jobs.

Sehr glücklich können Sie und Ihr Mann mit dem Erfolg Ihrer gemeinsamen Regionalkrimi-Reihe sein. Wie geht es mit der „Elwenfels“-Serie des Ehepaars Habekost weiter? Der vierte Band steht vor der Tür.

Habekost: Im Mai erscheint ja jetzt erstmal der lang erwartete vierte Band und dann sind wir zuversichtlich, dass der Piper-Verlag auch noch zu einem fünften Teil bitten lässt.

Nach dem Verlagswechsel wurden die ersten drei Teile wiederveröffentlicht. Dabei kam es zu Verwirrung und Doppelkäufen, weil neue Titel gewählt wurden. Warum eigentlich?

Habekost: Weil ein Verlag wie Piper in anderen Dimensionen denkt als unser alter Verlag. Da wird ein nationales Publikum angesprochen, das laut Verlagsmarketing auf eine bewährte Optik in der Covergestaltung und der Titel-Charakteristik anspringt. Piper ist deswegen so erfolgreich, weil sie ihre Leser ganz genau kennen. Und wenn „Elwenfels“ nach deren Maßstäben zu sehr nach Fantasy klingt, wird es eben schweren Herzens in den Untertitel verschoben und dafür ein griffiger Titel verwendet, mit dem auch ein Bayer oder ein Nordrheinwestfale etwas anfangen kann. Die Geschichten sind ja dieselben geblieben und sind voll mit dem Lebensgefühl unserer Region.

Wenn Sie das Tanzen schon so sehr vermissen, wie sehr fehlen Ihnen Lesungen?

Habekost: Es gibt, abgesehen vom Reisen, gerade nichts was mir und Chako derart fehlt wie ein Live-Publikum, das lacht und zuhört. Da wurde echt eine Lebensader abgeklemmt. Aber wir hoffen einfach, dass zumindest dieser Sommer wieder leichter wird für alle Menschen in der Kulturbranche und für alle anderen auch.

Seit 2016 erfolgreich mit „Elwenfels“ und „dunklen“ Mannheim-Krimis

  • Britta Habekost wurde 1982 in Heilbronn geboren, wuchs in Ludwigsburg auf und studierte in Stuttgart Geisteswissenschaften. 2008 zog sie ins pfälzische Bad Dürkheim.
  • Als freischaffende Autorin hat sie in mehreren Genres, teilweise unter Pseudonym, Romane publiziert.
  • Seit 2016 veröffentlicht sie gemeinsam mit ihrem Mann, dem Kabarettisten Christian „Chako“ Habekost, die erfolgreichen pfälzischen Regionalkrimis der „Elwenfels“-Reihe.
  • Der vierte Band „Weingartengrab: Ein Elwenfels-Krimi“ soll am 3. Mai im Piper-Verlag erscheinen.
  • Die Habekosts planen dazu wie gewohnt Lesungen: 19 Mai, Schatzkistl Mannheim. 21 Mai, Schloss Edesheim. 8. Juli, Villa Meixner Brühl.
  • 2016 erschien Britta Habekosts erster in Mannheim angesiedelter Kriminalroman „Ein dunkles Spiel“.
  • Die Fortsetzung „Eine dunkle Lüge – Der zweite Fall für Jelene Bahl“. erscheint als Book-on-Demand bei Dotbooks print (online und in jeder Buchhandlung bestellbar). 352 Seiten, 14 Euro (Ebook:5,99 Euro). 

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