Glosse Übrigens zum Valentinstag

Von 
Waltraud Kirsch-Mayer
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… verbinden wir den 14. Februar mit dem Valentinstag samt Liebesgaben, die mal floral blühen, dann wieder „parfümig“ duften oder süß munden. Als Herzensbotschaft ein edles (Stoff-)Taschentuch zu überreichen beziehungsweise symbolträchtig zu drapieren – das dürfte am Sonntag wohl niemandem in den Sinn gekommen sein. Eigentlich schade. Schließlich haben unsere Vorfahren das handliche Textil zum schicklichen Schäkern statt schnöden Schneuzen genutzt. Ach, waren das noch Zeiten, als eine Dame ihr Taschentuch wie zufällig fallen ließ, um einem Galan nonverbal Kontaktaufnahme zu ermöglichen. Und als noch das hohe (Minne-)Lied gesungen wurde, da pflegten Ritter das Mini-Linnen ihrer Angebeteten als Treue- und Tapferkeitspfand an der eigenen Turnierlanze zu befestigen. Obendrein boten Taschentücher den Stoff für große (literarische) Dramen: Shakespeares Othello-Tragödie wäre undenkbar, wenn nicht Desdemona ihr verziertes Modeaccessoire schicksalsträchtig verloren hätte. Nicht zu vergessen all die Tränen, die in Hollywoodfilmen mal im Leid, dann wieder im Glück publikumswirksam abgetupft wurden. Es gibt also viele Gründe dem mythenreichen Taschentuch am Tag der Verliebten eine Renaissance zu bescheren. Es muss ja nicht unbedingt ein Fazinetel sein, wie einst mit Gold bestickte oder Perlen besäumte Prachtexemplare hießen. Nur bitte schön keine Papiertaschentücher in ach so praktischer Klebeverschluss-Verpackung! Schließlich verschenkt man am Valentinstag ja auch keine Plastik-Rosen! Waltraud Kirsch-Mayer

Freie Autorin