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Der Bentley vor der Tür

Jürgen Gruler steckt voller Klischees und Vorurteile

Veröffentlicht
Kommentar von
Jürgen Gruler
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Geht es Ihnen manchmal auch so, dass Sie sich vor sich selbst schämen? Da steht ein weißer großer Bentley vor unserem Kundenforum in der Carl-Theodor-Straße und die Alarmanlage hupt und piept ganz laut. Drei Männer um die 30 – Typ Bodybuilder – mit üppigen Goldketten um den Hals versuchen eine gute Stunde lang, das Malheur zu beseitigen und den Wagen wieder still zu bekommen. Als ich am Auto vorbeigehe, sehe ich, dass er ein russisches Kennzeichen hat – und schon beginnt mein Kopfkino.

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Es läuft ein Film, über den ich am Ende selbst lachen muss: Der Wagen kann ja nur geklaut sein. Oder er gehört einem Oligarchen, der in Putins Ungnade gefallen ist und nun am Ketscher Anglersee leben muss. Das Einzige, was er noch mitnehmen konnte, ist dieser Bentley und die Kreditkarte einer Schweizer Bank. Zum Glück ist er nach Deutschland gefahren und nicht nach Italien. Denn hier wird nicht so schnell das schöne Auto beschlagnahmt. Womöglich sind es Zuhälter, die in Menschenhandel verwickelt sind . . .

Jetzt ist mein Verstand so richtig mit mir durchgegangen. Der Film macht Pause, so langsam werde ich wieder klar. Wahrscheinlich ist das nur ein ganz normaler Familienvater, der in Russland als kreativer Kopf etwas Geld gemacht hat und der seinen ganzen Stolz, eben diesen Bentley, samt seiner Frau und den Kindern nach Deutschland gerettet hat, um frei zu sein von Putins Bevormundung.

Man kann halt manchmal nicht raus aus seiner Haut, aus den Klischees und Vorurteilen, die einen immer wieder einholen.

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Chefredaktion Jürgen Gruler ist Chefredakteur der Schwetzinger Zeitung.

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