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Der Macht der Kommunikation

Matthias Mühleisen über eine beeindruckende Begegnung

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Kommentar von
Matthias Mühleisen
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Ein Mantra, das ich immer wieder zu hören bekomme, ist: „Man muss reden mit den Leuten.“ Ob an der Tankstelle nach dem Weg zu fragen oder im Geschäft dem mutmaßlich ausverkauften Sonderangebot nachzuspüren ist – stets werde ich zur Kommunikation aufgefordert, statt mich selbst durchzuschlagen. Seit Kurzem sehe ich diesen Appell in einem neuen Licht.

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Man stelle sich die Situation vor: Da kauft ein Mann ein Auto in einem Land, dessen Sprache er ebenso wenig spricht wie das in den meisten Fällen hilfsweise taugliche Englisch und strandet nach rund 200 Kilometern nach Einbruch der Dunkelheit auf einem Parkplatz mitten auf dem Land, weil der Neuerwerb technisch nicht so einwandfrei ist, wie vom Verkäufer versprochen – kein anheimelndes Szenario. Wohl dem, der in dieser Situation nicht verzweifelt – sondern einfach auf die nächstbesten Mitmenschen einquatscht.

Das hat Papi, so heißt unser Kandidat aus Frankreich, der in Angola geboren wurde, auch getan, als er mir vor die Kühlerhaube springt. Die Autobahnpolizei hat ihm ein Taxi organisiert, das ihn zur Tank- und Rastanlage brachte, und den Rat gegeben, den Audi Q 7 (Baujahr 2008) am besten wieder dem Händler in Nürnberg zu überbringen. Wie gut, dass in der Waldstraße ein Abschleppdienst parkt . . .

Dessen Fahrer spricht kein Französisch, so komme ich ins Spiel. Er bedauert, dem unglücklichen Autokäufer nicht helfen zu können, weil er nur im Auftrag von Versicherungen unterwegs ist, verweist aber auf den ADAC, der vermitteln könne. Wo ich das schon übersetzt habe, könne ich doch auch den Verkehrsclub anrufen?

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Die Dame gibt mir die Nummer eines Dienstes in Kronau. Derweil bittet Papi, die Heizung im Auto hochzudrehen – er habe so lange in der Kälte gestanden. Die 280 Euro, die der freundliche Servicemann ins Spiel bringt – wohlgemerkt zum Transport vom Parkplatz nach Hockenheim-Talhaus, nicht nach Nürnberg – sind meinem Beifahrer zu teuer. Das Auto über Nacht allein lassen will er auch nicht. Ob ich ihn nicht zu dem Parkplatz bringen könne?

Na klar kann ich, also mithilfe von Google Maps den Standort ausfindig gemacht und los geht’s. Unterwegs vermisst Papi plötzlich sein Telefon (oje, hoffentlich muss ich nicht zurück in die Waldstraße fahren) und nimmt mal meins, um sich anzurufen. Es brummt in seiner Jackentasche. Nach zwei Fehlversuchen – bei Nacht sehen alle Parkplätze gleich aus – stehen wir vorm Audi und ich wünsche viel Glück.

Nach einem Kilometer leuchtet das Display meines Mobiltelefons auf mit einer französischen Nummer: Papi hat auf der Suche nach seinem Handy die Mappe mit den Unterlagen des Wagens und seinen Papieren rausgekramt und vorm Beifahrersitz liegen lassen . . . Ich verspreche, sie ihm morgen zu bringen, heute Nacht wird er sie wohl nicht mehr brauchen.

Weitere Telefonate am nächsten Morgen bringen auch keine Abschleppangebote nach Nürnberg nach Papis Vorstellungen. Ich bringe ihn zur Tank- und Rastanlage, dort will er sich nach anderen Möglichkeiten umsehen. Gerne, aber ohne mich. Kein Problem, meint er. Mein Telefon klingelt noch mehrfach bis zum Nachmittag: Lauter Leute, die Papi helfen wollen, ihn aber nicht so gut verstehen. Doch irgendwann bleibt es still. Da ist wohl einer mit der Gabe der Kommunikation ans Ziel gekommen.

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Redaktion Redakteur im Bereich Hockenheim und Umland sowie Speyer

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