Eine Sache der Erziehung

Gert Häusler macht sich Gedanken über unser Verhältnis zu Tieren

Von 
Gert Häusler
Lesedauer: 

Unser Verhältnis zu Tieren ist ganz unterschiedlich, es reicht von Respekt vor sehr großen Tieren bis zur Panik oder Ekel bei manch kleinen. Werden die nützlichen Spinnen oft furchtsam betrachtet, lösen Kakerlaken oder Mistkäfer Unbehagen aus. Auf der anderen Seite findet sich eine Vielzahl geliebter und entsprechend verhätschelter Haustiere. Neben dem nicht immer so leicht zu erfüllenden Mädchentraum vom eigenen Pferd stehen häufig Kaninchen und Goldhamster auf dem Wunschzettel.

AdUnit urban-intext1

Homeoffice und eingeschränkte Kontakte machen Haustiere auch bei Erwachsenen immer beliebter. Die Tierheime warnen – wie früher in der Weihnachtszeit – vor Spontanentscheidungen. Erfahrene Tierbesitzer wissen, dass ein tierischer Gefährte nicht nur pure Freude, sondern auch Pflichten mit sich bringt. Regelmäßiges Gassigehen bei Wind und Wetter und oft nachtschlafender Zeit oder besorgte Besuche beim Tierarzt, wenn das Tier krank ist.

Hundebesitzer erfahren zudem bei gemeinsamen Stunden in der Hundeschule, dass Mensch und Tier oftmals erheblichen Lernbedarf im Zusammenleben haben.

Jeglicher Schule und Erziehung abgeneigt sind Lieblingstiere ganz anderen Kalibers: Die Katzen! Ihre „Besitzer“ sind nicht unbedingt sicher, wer wen ausgewählt hat. Es ist nicht selten, dass sich eine Katze gezielt ihren Menschen erobert. Das kann im Tierheim ebenso sein wie durch Zulauf in grünen Wohngegenden.

AdUnit urban-intext2

Dort taucht so ein pelziger Geselle irgendwann mal kurz auf und schaut sich etwas um. Gefällt ihm, was er sieht, kommt er in aller Vorsicht unregelmäßig wieder, bis er sicher ist, dass ihm keiner was tut. Die Besuche werden nun häufiger und länger.

Es ist dann nur noch ein kurzer Schritt, bis die Katze den von ihm ausgewählten Menschen „geknackt“ hat. Steht draußen das erste Schälchen mit Futter, ist es geschehen. Die Besuche werden regelmäßig, ihre neue Familie wird nach allen Regeln der Kunst umgarnt. Nach kurzer Zeit kennt sie ihre Gewohnheiten und meldet sich pünktlich und lautstark, bis es selbstverständlich ist, dass ihr Katzenmenü auch drinnen serviert wird. Nach und nach erobert sie sich diverse Plätze und zeigt den Mitbewohnern wo es langgeht.

AdUnit urban-intext3

Ein Verhältnis „Herrchen oder Frauchen“ so wie bei Hunden sind keine Kategorien für Katzen. Sie holen sich ihre Schmuseeinheiten, wenn ihnen danach ist, können aber gleich wieder kratzbürstig sein. Sind sie keine reinen „Stubentiger“, verschwinden sie auch mal länger und bringen bei der Rückkehr gelegentlich eine Maus als Präsent mit. Und wie ist das bei Ihnen – erziehen Sie oder werden Sie erzogen?

Freier Autor Gert Häusler schreibt gern Kolumnen über Alltägliches.