Einkaufszettel in Papierform

Katja Bauroth über neue Herausforderungen durch die Alltagsmasken

Von 
Katja Bauroth
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Es ist schon irgendwie ein komisches Bild, wenn man durch die Stadt geht, vor allem jedoch zum Einkaufen oder mit den Öffis fährt: Man schaut nur noch in vermummte Gesichter – Alltagsmasken in allen möglichen Farben und Varianten. Inwieweit das wirklich sein muss, darüber kann sich jeder selbst seine Gedanken machen und darüber wird auch ausreichend genug diskutiert. Jetzt ist es aber so und da müssen wir durch. Alle zusammen. Und da müssen wir eben auch hinnehmen, dass plötzlich der kleine vierjährige Nachbar, der eigentlich ganz gern zum Spielen vorbeigeschaut hat, in Gebrüll ausbricht, wenn man freundlich „Hallo“ von der einen Straßenseite auf die andere ruft – eben durch die Alltagsmaske.

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Und wir müssen uns wieder daran gewöhnen, Einkaufszettel in Papierform mit der Hand zu schreiben. Warum? Ich sage nur: Gesichtserkennung. Eine Freundin schilderte mir ihr Dilemma: Sie ist begeisterte Thermomix-Köchin. Das Gerät sagt ja auch gleich, was man für Zutaten zum Zubereiten der Gerichte benötigt und schickt diese sogar als Einkaufsliste direkt aufs Smartphone. Nun steht besagte Freundin im Supermarkt – vorbildlich wie alle anderen auch mit Mund-Nase-Maske. Sie zückt, wie sonst bei den Einkäufen auch üblich, ihr Smartphone. Denn dort ist die Einkaufsliste hinterlegt. Sie schaut auf das Display – doch die Bildschirmsperre verschwindet nicht. Sie hält das Gerät in allen möglichen Winkeln vor ihr Gesicht – nichts passiert. Klar: Das Handy erkennt sie nicht. Sie hat ja die Maske auf. Was tun? Luft anhalten und Maske schnell runterziehen? Was, wenn das jemand sieht?

Wie sie letztlich das Problem gelöst hat, wollte sie mir nicht erzählen. Soweit mir jedoch bekannt ist, musste die Familie am Abend nicht hungern.