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Geschichte und Geschichten

Gert Häusler macht sich Gedanken über die kleinen Unterschiede

Veröffentlicht
Kommentar von
Gert Häusler
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Neulich meinte eine Freundin über eine Erzählung, dass die jetzt aber „sehr frei“ wiedergegeben sei. Doch ebenso wie Märchen beruhen „Geschichten“ häufig auf einer ebenfalls ungefähren Erzählung. Von unseren eigenen Erlebnissen wissen wir zudem, dass die Erinnerung vieles verklärt. Deswegen sprechen ja seit Urzeiten die Älteren immer wieder davon, dass früher alles besser war. Ob das jemals so gestimmt hat, sei mal dahingestellt. In privaten Erzählungen mögen die Unterschiede zwischen Dichtung und Wahrheit vielleicht nicht so wichtig sein, zumal wenn sie gut wiedergegeben sind. Die dauernden Aufschneider sind eh hinlänglich bekannt.

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Kritisch und durchaus gefährlich kann es aber im politisch-öffentlichen Bereich werden. Nicht erst seit einem ehemaligen Präsidenten wurde deutlich, wie gezielt man Fakten nach Belieben manipulieren kann. Auch „Denker“ aller Richtungen versuchen Geschichte umzudeuten. Autoritäre Führer und Diktatoren haben dies schon seit jeher betrieben. Was früher Desinformation hieß und heute in der Medienwissenschaft als „Framing“ bezeichnet wird, bedeutet einfach: Ereignisse in einen „Rahmen“ stellen, der nur die eigenen Schlussfolgerungen und Handlungen zulässt.

Zum Rahmung solcher Bilder gehört auch, dass man zu Beispiel Ergebnisse von Wahlen schon vorbeugend anzweifelt, wenn man befürchtet, diese zu verlieren. Auch wissenschaftliche Erkenntnisse, die nur gelten wenn sie in die eigene Geschichtserzählung passen, gehören in diese Kategorie. Solche Kampagnen, die bis in die tiefsten Tiefen des Internets geführt werden, sind irgendwann kaum noch einzufangen. Die dadurch verursachte Radikalisierung von Gedanken und Taten richtet sich im Extremfall, wenn sie kippen, nicht nur gegen andersdenkende Mitbürger und Politiker, sondern auch gegen die Auftraggeber und Meinungsbildner selbst. Da hilft nur frühzeitig genau hinzuschauen, bei „Verschwörern“ ebenso wie bei den „Offiziellen“. Das ist eine grundlegende Sicherheitsfrage für die künftige Stabilität unserer Gesellschaft.

Baron Münchhausen konnte sich noch an den eigenen Haaren mitsamt Pferd aus dem Sumpf ziehen. Beim „Lügenbaron“ wusste man jedoch immer, dass er nur ein begnadeter Erzähler schöner Geschichten war und die konnte man dann „so“ auch glauben.

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Freier Autor Gert Häusler schreibt gern Kolumnen über Alltägliches.

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