Kleine Ode an die Stoffunikate

Katja Bauroth über den medizinischen Schutz, der Alltagsmasken verdrängt

Von 
Katja Bauroth
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Alltagsmasken sind zu Begleitern geworden, zu Accessoires, die modisch auf Kleidung abgestimmt werden, oftmals sind es liebevoll genähte Unikate. Eine Kollegin fiel mit einem solchen besonders auf, gefertigt von der Oma: „Draußen nur Kännchen“ ist darauf gestickt – ein absoluter Hingucker und Schmunzler. Denn: Die junge Kollegin wusste nicht, das dieser Satz tatsächlich in der Gastronomie eine Bedeutung hatte, teilweise sogar noch hat. Da musste so ’ne olle Gurke wie ich tatsächlich „Aufklärungsarbeit“ leisten. Cafés mit Außenbedienung nahmen früher Outdoor-Kaffeebestellungen „nur im Kännchen“ entgegen. Heutzutage trifft man diese Vorgabe auch noch vereinzelt an.

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Sei’s drum – die Maske ist lässig. Nur leider trägt sie die Kollegin nicht mehr im Büro – jetzt ist FFP2-Pflicht angesagt. Die selbst genähten Mund-Nase-Bedeckungen müssen den neuesten Regierungsvorgaben weichen. Jetzt, wo monatelang wie irre genäht wurde, Ehrenamtliche Bettlaken, T-Shirts und sonst was zu tragbarer Gesichtskleidung zurechtgestutzt haben, Supermärkte und Geschäfte damit Einnahmequellen schufen, die Masken durch Aufdrucke zum individuellen Ausdruck von Stimmung wurden, den Lieblingsverein oder -musiker des Trägers plakativ aufzeigten – jetzt müssen sie den langweiligen FFP2- oder OP-Masken weichen – zumindest in Supermärkten, Öffis, Arztpraxen und am Arbeitsplatz.

Dabei hatten anfangs die Wissenschaftler noch beschwichtigt, die Stoffmasken tun ihr Ding. Logisch: Herrschte ja auch ein Mangel am medizinischen Atemschutz, der nun unter anderem in China eingekauft wird, bekanntermaßen dem Ursprungsland für den Grund, warum wir Masken jetzt überhaupt im Alltag tragen.

Darüber sollte man besser nicht bei einem Kännchen Kaffee nachdenken . . .

Ressortleitung Katja Bauroth ist Redaktionsleiterin der Schwetzinger Zeitung/Hockenheimer Tageszeitung.