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Vielleicht etwas zu gut gemeint

Benjamin Jungbluth über den großen Aufwand beim Abriss

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Kommentar von
Benjamin Jungbluth
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Sie war eine feste Ortsmarke, nur überragt vom Turm der Kirche St. Sebastian: Die alte Tabakscheune im Ortskern, die stets an ein wichtiges Kapitel der Ketscher Geschichte erinnerte. Auch wenn das markante Gebäude schon seit langem nicht mehr genutzt wurde und zusehends verfiel: Für viele Ketscher wird mit ihrem Abriss ein kleines Stück Heimat verloren gehen. Doch immerhin fällt sie für ein wichtiges Ziel. Denn die Erweiterung der Alten Schule ist dringend nötig, von ihr werden Generationen profitieren. Bis es so weit ist, wird eine anstrengende Zeit vergehen, denn die umfangreichen Arbeiten im laufenden Schulbetrieb werden ihren Tribut fordern. Wie immer bei Großprojekten sind Nachbarn und unmittelbar Betroffene nicht zu beneiden.

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Ein wenig skurril mutet der riesige Aufwand an, der beim Abriss betrieben werden muss. Damit wir uns nicht falsch verstehen: Arten- und Naturschutz sind wichtig, denn ein blindes Bauen ohne Rücksicht war noch zu keiner Zeit sinnvoll. Doch ein wenig scheinen die Verhältnisse dann doch durcheinander zu geraten.

Denn die Tabakscheune ist weder Brut- noch Winterquartier, sondern nur im Sommer ein Aufenthaltsort für die zu dieser Jahreszeit mobilen Fledermäuse und Rauchschwalben. Ausweichquartiere in der Nähe sind bereits geschaffen worden. Bei mehreren Besichtigungen war aktuell kein einziges Tier zu finden. Das bewusste Vergrämen und das stückweise Arbeiten werden auch letzte verborgene Nachzügler – falls vorhanden – vertreiben. Ein „Rettungsraum“ im Rathaus komplettiert das Angebot. Ob jemals ein Tier davon Gebrauch machen wird, ist unwahrscheinlich. Vielleicht wären einige der hier verbrauchten und nur endlich vorhandenen Ressourcen bei anderen Projekten zielführender gewesen – aber (Bundesnaturschutz-) Gesetz ist eben Gesetz.

Freier Autor Freier Journalist für die Region Heidelberg, Mannheim und Rhein-Neckar. Zuvor Redakteur bei der Schwetzinger Zeitung, davor Volontariat beim Mannheimer Morgen. Neben dem Studium freie Mitarbeit und Praktika u.a. beim Mannheimer Morgen, der Süddeutschen Zeitung, dem SWR und der Heidelberger Studentenzeitung ruprecht.

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