Wahlen und Deutungen

Gert Häusler über den allgegenwärtigen Nonsens in Politik und Alltag

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Gert Häusler
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Dunkel war’s, der Mond schien helle, schneebedeckt die grüne Flur, als ein Wagen blitzeschnelle, langsam um die Ecke kam. Drinnen saßen stehend Leute, schweigend ins Gespräch vertieft, als ein totgeschoss’ner Hase auf der Sandbank Schlittschuh lief“. So geht es über viele Strophen weiter – Nonsens in einer sehr entspannten Form. Ein klassisches Gedicht mit vielen, im Laufe der Zeit immer wieder veränderten Strophen. Über die ursprüngliche Herkunft sind sich die Experten nicht einig. Christian Morgenstern, gar Goethe oder doch sächsischer „Volksmund“?

Gleichwohl – Nonsens begegnet uns im öffentlichen Raum tagtäglich und nicht nur von mehr oder weniger talentierten Unterhaltungskünstlern. In der Politik verlieren politische Diskussionen durch Nonsens-Behauptungen oft erheblich an Glaubwürdigkeit. Beispiele sind stets auch Wahlen, nämlich dann, wenn die Ergebnisse so lange hin und her gewendet werden, bis sie der jeweiligen Gruppierung passen. Jüngst zu beobachten in unserer Nachbarstadt Heidelberg bei der OB-Wahl. Da wurde dem Kandidaten, der mit 45,89 Prozent der Stimmen (bei neun Kandidatinnen und Kandidaten) vorne liegt, doch glatt gesagt, die Stimmung sei gegen ihn und für einen Wechsel. Dieses Zurechtbiegen wirft eher kein gutes Licht auf diejenigen, die sich zu solchen Behauptungen versteigen.

Vermutlich werden aber daraus keine langwierigen Schlammschlachten. Im Gegensatz zu den „Midterms“ in den USA, den Zwischenwahlen zum Senat und dem Repräsentantenhaus. Da stehen sich in einer aufgeheizten Stimmung die unversöhnlichen politischen Lager gegenüber. Manchem ist dabei keine unsinnige und aufhetzende Behauptung zu abwegig, um den Gegner niederzumachen. Der Schritt zur Gewalt bei nicht „passenden“ Ergebnissen ist dann, wie schon einmal, nicht mehr weit. Wir werden mit dem Nonsens der schlimmeren Art und den unkalkulierbaren Folgen daraus wohl auf absehbare Zeit leben müssen. Dunkel war’s…

Freier Autor Gert Häusler schreibt gern Kolumnen über Alltägliches.