Wirklich alles Abzocke?

Gert Häusler will nicht alles über einen Kamm scheren

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Gert Häusler
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Zu den dauernden Reiz-Begriffen gehören die „Abzocker“. Manche sehen das schon beim Glühwein und der Bratwurst auf dem Weihnachtsmarkt so – von Bier- und Hendl-Preisen auf dem Oktoberfest ganz zu schweigen. In „preisunruhigen“ Zeiten schauen denn auch viele genauer hin.

Abzocke ist jedoch nicht gleich Abzocke. Es macht schon einen Unterschied, ob Notlagen ausgenutzt werden oder ob man sich durch sein eigenes Verhalten „abgezockt“ fühlt. Die Verbraucherzentralen berichten aus einer Vielzahl von Erfahrungen, in denen Drucksituationen für weitaus überhöhte Rechnungsbeträge – meist noch in bar oder per Karte kassiert – ausgenutzt wurden. Die Wohnungsöffnung wegen verlorener oder vergessener Schlüssel oder die ausgerechnet am Feiertag verstopfte Toilette gehören zu den Klassikern. Manche Schädlingsbekämpfer, die nicht nur überhöhte Rechnungen stellen, sondern auch noch unfachmännisch arbeiten, fallen ebenfalls in diese Kategorie.

Andere Abzocker rechnen mit Unwissen und Leichtgläubigkeit. Nebenverdienste ohne Anstrengung, dafür mit Vorweggebühren und erfundene Rechnungen per E-Mail mit Inkassoandrohung, zählen zu den fiesen Methoden. Diese meldet man am besten gleich bei Verbraucherzentrale und Polizei, nur so lassen sie sich eindämmen.

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Anders liegen die Fälle, die gerne in „sozialen“ Medien und an Stammtischen als Abzocke verteufelt und als grundsätzliche Eingriffe in irgendwas aufgeblasen werden: Die Blitzer und das Parken. Wer in einem geschwindigkeitsbeschränkten Bereich durch einen Blitzer und oft trotz Hinweis auf Radarkontrollen geblitzt wird, muss die Schuld eigentlich bei sich selbst suchen. Hielte man sich an die Begrenzungen, würden die Blitzer ja kein Geld bringen und eher überflüssig sein. Beschmieren oder beschädigen ist da sicher keine Lösung. Ähnlich ist es mit dem Parken. Wer ist nicht schon mal bewusst ein Risiko eingegangen und hat ohne Parkschein, im Halteverbot oder „ganz kurz“ irgendwo geparkt? Wird man dann „erwischt“ muss man sich eben an die eigene Nase fassen.

Wir alle erleben, dass soziales Verhalten im Straßen -und Parkverkehr nicht gerade ausgeprägt ist. Die von Dauerparkern blockierten öffentlichen und privaten Kurzzeitparkplätze sind besonders ärgerlich. Auf Parkdecks von Supermärkten kreisen entnervt Kunden, weil erkennbare Lang-Parker sich früh die Plätze sicherten. Da ist es bestimmt im Sinne aller Einkaufenden, wenn kostensparende (und kostenlose) Regelungen per Parkscheibe durchgesetzt werden. Zumal die Zeit für einen konkreten Einkauf im jeweiligen Markt dann auch ausreichend ist.

Statt also in unseren aufgeregten Zeiten nur über „die anderen“ oder gar „die da oben“ herzuziehen, wäre es manchmal ganz gut, über das eigene Verhalten nachzudenken.

Freier Autor Gert Häusler schreibt gern Kolumnen über Alltägliches.