Wortdiebe

Gert Häusler über Auseinandersetzungen im demokratischen Sinn

Von 
Gert Häusler
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Noch ist nicht abzusehen, was vom 45. Präsidenten der USA bleiben wird. Nachwirkungen hat sicher der von Regierungschefs in Demokratien nicht gekannte, brutale Umgang mit der Sprache. Der Ton in der Politik ist von jeher nicht besonders sanft. Doch dieser besondere Stil von Donald Trump war verstörend: Einerseits das Eigenlob, für das kein Superlativ zu groß war, andererseits die aggressive, bösartige Sprache für alle, die ihm nicht ergeben waren.

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Die Methode, Hass zu schüren, ist nicht neu: „Sperrt sie ein“, schrien Trumps Anhänger bereits im ersten Wahlkampf, wenn er verunglimpfend den Namen seiner Gegenkandidatin Hillary Clinton nannte. In ihrem Buch „Im Wahn – die amerikanische Katastrophe“ (Verlag C.H. Beck) beschreiben die Autoren Brinkbäumer und Lamby den Weg zu einer erschreckend gespaltenen Gesellschaft. Der hat allerdings schon Jahre zuvor begonnen. Die neue Dimension ist der Wegfall jeglicher Skrupel. Offensichtliche Lügen werden als alternative Fakten, kritische Fragen oder neutrale Berichte als Fälschung und Angriff auf die Demokratie bezeichnet.

Die Autoren schildern ein System von professionellen Helfern, die fortlaufend eine Freund-Feind-Stimmung erzeugen. Dabei ist Framing (Rahmung) eine der Methoden, wie ein Sachverhalt oder eine Lüge umgebogen und neu erzählt wird. Damit entsteht ein Angriff auf andere, etwa auf die Medien.

Diese Entwicklung kann uns in Deutschland nicht unberührt lassen. Auch in unserem Land wird inzwischen gezielt gehetzt, Andersdenkende persönlich angegriffen, fremdes Eigentum zerstört und kritische Berichterstattung als Lügenpresse verhöhnt. Problemsituationen wie Zuwanderung, Corona, Umweltschutz und lokale Missstände werden immer wieder auftauchen. Sie erfordern ein kritisches und professionelles Hinterfragen – von Journalisten. Und das wird zunehmend wichtiger.