Mit der Kirche ums Dorf

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Gert Häusler
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Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht? Der leicht spöttische Spruch umschreibt ebenfalls Situationen, in denen vermeidbare Umwege gegangen werden. Früher stand die Kirche mit dem weithin sichtbaren Kirchturm im Zentrum einer Gemeinde. Sah man ihn, war es nicht weit zum Gasthaus, der alteingesessenen Bäckerei. Metzger und der „Tante-Emma-Laden“ bildeten weitere lockere Anlaufstellen für tägliche Begegnungen. Am Stammtisch blühten Klatsch und Tratsch ebenso wie in den Geschäften. Diese über Generationen vertraute Vielfalt findet man inzwischen immer seltener. Bäcker und Metzger haben keine Nachfolger, Sparkassen- oder Volksbank-Filialen als oftmals noch einzige Bank am Ort, werden zunehmend geschlossen. Selbst die klassische „Wirtschaft“ gibt es in vielen Orten nicht mehr.

Der tiefgreifende Wandel hat längst auch die Kirchen erfasst. Wie fast täglich zu lesen ist, befinden sie sich in „langfristigen strategischen Überlegungen“. Das bedeutet, dass Kirchengemeinden zusammengelegt, Mitarbeiter eingespart und die Kirchenimmobilien auf den Prüfstand gestellt werden. Dies ist in vielen Fällen schmerzhaft. Man darf sich dennoch nichts zurechtträumen und die Ursachen sind vielschichtig: Wenn die Bankfiliale aber von wenig bis fast gar keinen Kunden mehr aufgesucht wird, junge Menschen Handwerksberufe meiden und Kirchen die Mitglieder abhandenkommen, dann nützen die bestgemeinten Initiativen, Unterschriftenlisten und Bürgermeisterworte nichts mehr.

Wer also noch „lebende“ Bereiche vor Ort erhalten will, der soll hingehen, sie intensiv nutzen und dabei Mitnutzer finden, denn die wirkliche Abstimmung erfolgt „mit den Füßen“. Sonst werden nicht nur Sprichwörter aussterben.

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Freier Autor Gert Häusler schreibt gern Kolumnen über Alltägliches.