Abenteuer Fernwärme – es lebe die Bürokratie

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Über die Schwierigkeiten, einen Fernwärmeanschluss zu bekommen und die bürokratischen Hürden dabei schreibt dieser Leser:

Ein neuer Fernwärmeanschluss im Realitätscheck – so wird das nichts mit der Energiewende. Die Voraussetzungen sind exzellent, direkt vor dem Haus verläuft eine Fernwärmeleitung der MVV. Was uns aber bisher fehlte, das ist der Hausanschluss.

Also stellten wir den Antrag: 35 Seiten inklusive Hausanlage, Lageplan und vielem mehr wurden am 28. Juli eingereicht. Nach drei Wochen kommt das Angebot, Vertragspartner ist die MVV Netze, diese verlegt lediglich die Zuleitung zum Haus: Kosten 6800 Euro. Für alles andere ist die MVV selbst zuständig, also für die Übergabestation Taurus mit einer Lieferzeit von 34 Wochen, weil Teile aus China kommen: Kosten 16 900 Euro inklusive einer Demontage der Zentralheizung.

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Die MVV rät uns, Zuleitung und Hausanschluss in zwei Teile zu trennen, die vorherige Demontage der Buderus-Zentralheizung wäre dann selbst zu organisieren. Das Angebot einer Fachfirma aus Mannheim (Kauf der Übergabestation inklusive Demontage Altanlage) ist genauso teuer, der Handwerker verlangt aber 50 Prozent Vorauszahlung.

Der Kunde geht also mit rund 8600 Euro in Vorleistung. Bei 14 Wochen Lieferzeit für die Leitungsverlegung und 34 Wochen für die Übergabestation, der Eigenübernahme der Demontage kann man sich gut vorstellen, wie man als eigener Projektleiter das Abenteuer Fernwärme angeht. Abgesehen von den Kosten, insgesamt zirka 20 300 Euro abzüglich eines von 45 auf 35 Prozent reduzierten Fördersatzes, landet der Interessent bei schlanken 14 500 Euro – zuzüglich der Ungewissheit mit den Handwerkern, der Koordination der Arbeiten und der ganzen Demontage der - Altanlage. Warum kann man nach der One-Shop-Philosophie nicht einen Antrag stellen, der Versorger übernimmt als Gernalunternehmer die Koordination und wickelt alles ab? Hier muss sich meines Erachtens dringend was ändern, sonst wird das nichts mit der Energiewende. Der Fernwärmeanschluss ist für uns zu umständlich und letztlich zu teuer, wir haben seit zehn Jahren Photovoltaik auf dem Dach und sind an Fernwärme interessiert. Jetzt warten wir erst ab, bis eine geordnete Abwicklung möglich ist, bis dahin haben wir den Antrag zurückgestellt.

Ach ja: Die Rechnung über die Förderunterstützung über 399 Euro von FEBIS haben wir trotz zurückgestelltem Antrag inklusive Mahnung schon auf dem Tisch liegen. Hoffentlich sehen die ein, dass ohne Antrag auch keine Förderung abzuwickeln ist.

Gernot Lempert, Brühl