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Absurde Debatten

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Zu den Preisanstiegen in allen Bereichen und den Entlastungsvor-schlägen wird uns geschrieben:

An absurden Diskussionen und skurrilen Schnapsideen herrscht derzeit echt kein Mangel. Neuester Einsparvorschlag: Man solle beim Duschen pinkeln, um Wasser zu sparen. Wir sollten doch aber statt zu duschen den Waschlappen nehmen. Ja, es ist an Lächerlichkeit nicht mehr zu toppen, was grad an Säuen durch unsere Dörfer getrieben wird.

Aktuell erklärt der schrägste Komiker dieser Republik die roten Apothekenzeichen zum Nazisymbol, die weg müssten. Als vor Jahren ein Schwetzinger Apotheker das internationale grüne Apothekerkreuz anbrachte, musste er es entfernen, weil Paragrafenreiter hierzulande ständig im Galopp unterwegs sind.

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Winnetous Frisur sitzt

Veröffentlicht
Von
Marco Brückl
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Seit Tagen läuft um Winnetou eine absurde Debatte und mündet in dem Vorwurf, die Darstellung indigener Völker sei kulturelle Aneignung und rassistisch. Ich sehe diesen Vorwurf als kulturelle Anmaßung, denn Deutsche haben nicht das Recht, Indianern vorzuschreiben, wofür sie sich diskriminiert fühlen sollen. Selbst in den USA und Kanada spricht man von „American Indians“, auch bei den „Indians“.

Nur bei uns meinen neunmalkluge Kleingeister, wieder einmal bestimmen zu müssen, wie wir zu reden haben und unterstellen Karl May Rassismus. Leute, geht‘s noch? Seine Romanhelden stehen für Toleranz und Weltoffenheit und seine Sympathie galt immer der indigenen Bevölkerung – im Gegensatz zu manch alten Hollywoodstreifen.

Im Übrigen reden wir von einer Romanfigur! Winnetou hat es nie gegeben. Großes Indianerehrenwort! Ursprünglich bedeutet Rassismus, Menschengruppen aufgrund ihrer äußerlichen Merkmale zu bewerten und daraus Nachteile für eine bestimmte Gruppe abzuleiten, was bewusste Absicht voraussetzt.

Allerdings haben wir es immer öfter mit der These des strukturellen Rassismus zu tun, wo weiße Menschen gar nicht anders können, als Rassisten zu sein. Dass also nur „Nichtweiße“ Opfer sind, ist das nicht auch rassistisch?

Und was ist das, wenn die (aller-) letzte Generation, die niemals Kohlen zum Heizen in den fünften Stock geschleppt hat, sich auf Straßen festklebt und bei einem „Coffee to go“ das Liedchen „meine Oma ist ne alte Umweltsau“ vor sich hinträllert?

Rassismus hat viele Facetten und hört nicht damit auf, indem man einfach das Wort Rasse aus dem Grundgesetz streicht. Man erreicht eher das Gegenteil, wenn man Menschen, die man nicht kennt, immer wieder reflexartig in Schubladen steckt, in die sie nicht gehören.

Herbert Semsch, Brühl

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