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Israel Arabischer Minister in der Regierung

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Ein Araber wird Minister in Israel. Unter einem national-religiösen Regierungschef. Und die deutschen Medien haben es, wenn überhaupt, nur kurz gemeldet, es behandelt, als wäre das völlig banal. Dabei ist es eine absolute Sensation! So atemberaubend wie die Aufnahme eines farbigen Bürgerrechtlers in eine Trump-Regierung.

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Ist das übertrieben? Nein! Die Juden haben 70 Jahre nicht mit, sondern neben einer Minderheit gelebt, ohne sie wahrzunehmen und noch weniger als gleichberechtigt wertzuschätzen. Das muss eine emotionale Kluft geschaffen haben! Die an den Rand gedrängte Minderheit konnte nicht anders, als sich missachtet zu fühlen. Wie die Afroamerikaner in den USA, die von der Polizei strenger beobachtet und härter angegriffen werden als die weiße Mehrheit. Die Juden haben den Arabern viel zugemutet. Mal wurden sie an Kontrollstellen, mal beim Zugang zum Tempelberg blockiert, mal sind Jugendliche mit Fahnen durch ihre Straßen marschiert. Da haben sich auch Deutsche gefragt, ob, wann und wie junge Araber auf solche israelische Unfreundlichkeiten reagieren.

Immerhin haben die Araber eine eigene Partei, die Einheitsliste „Ra’am“. Ihre Hauptforderungen kennt man seit Jahrzehnten, vor allem von erfolglosen Anträgen im Sicherheitsrat der Uno: die Anerkennung Ostjerusalems als Hauptstadt der Palästinenser und die Räumung der jüdischen Siedlungen im Westjordanland. Ihr derzeitiger Vorsitzender Mansour Abbas muss sie zwar verteidigen. Vermutlich denkt er aber nicht mehr, dass sie einen politischen Streit wert sind.

Den Bevölkerungsanteil von 21 Prozent als Hebel einzusetzen, ist den Arabern wohl noch nicht eingefallen. Dabei könnte „Ra’am“ mit einer starken Wahlbeteiligung die drittstärkste Fraktion in der Knesset bilden – 25 von 120 Abgeordneten. 2015 hatte sie immerhin 13 Sitze im Parlament gewonnen. Aber 2021 nur vier. Dass sie gerade in diesem Augenblick zahlenmäßiger Schwäche national bedeutend würde, hängt mit der Riesenkoalition von acht Parteien zusammen, die Naftali Bennet und sein liberaler Mitstreiter Jair Lapid zusammenschmieden mussten. Und denen fehlten diese vier Stimmen, für die „Ra’am“ mit einem Ministeramt belohnt wurde.

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Dass nun Abbas in die Regierung aufgenommen wurde, hängt eher damit zusammen, dass er vertrauenswürdig ist. 2018 wurde er von einem Radiosender in der Frage der Versöhnung zum „Mann des Jahres“ gewählt. Und in der letzten Knesset hat er die Debatte über Gewaltbekämpfung geleitet. Gleichzeitig gehört er einem Wissenschafts- und Bildungszentrum an, das fordert, „in jedem Punkt des Lebens eine goldene Mitte zu suchen, eine ausgewogene Nachbarschaft mit Vertretern anderer Religionen und Anschauungen“. Einem solchen Friedensboten und Hoffnungsträger ein Ministeramt zu übertragen, weist auf neue Ziele der Regierung hin. Im Innern wird sie die beiden Völker Israels motivieren, einander wahrzunehmen und in guter Nachbarschaft zusammenzuleben.

Wenn dies gelingt, stärkt das die kriegsmüden Bewohner der Westbank in ihrem Willen, einen Ausgleich mit Israel zu suchen. Es könnte auch die unterdrückten Araber in Gaza ermutigen, sich von Hamas zu befreien und die Gängelung durch den Iran abzuschütteln.

Israel würde seine Friedensbereitschaft der ganzen Welt beweisen. Auch und vor allem den Deutschen, unter denen es Antisemiten gibt, die behaupten, die Araber würden derzeit so schlecht behandelt wie einst die Juden von Hitler. Es wird Zeit, diesen Hetzern den Schneid abzukaufen und sie der Verachtung Israels anzuklagen. Das Land ist auf dem Weg des Friedens. Ein freundschaftliches Klima in Palästina hilft dabei.

Was derzeit noch fehlt, ist die Aufmerksamkeit unserer Medien. Alles, was Juden und Araber näher bringt, fördert auch den Frieden bei uns und auf unserer Erde.

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Helmut Mehrer, Brühl

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