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Pandemie - Einfache Lösungen werden der Komplexität nicht gerecht Bitte die Fakten nicht ignorieren

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In ihrem Leserbrief teilt uns die Verfasserin mit, dass man im Zusammenhang mit der Geimpft-Ungeimpft-Problematik eine Entlastung der Krankenhäuser langfristig erreichen könne, indem sich die Politik insbesondere mit dem Thema Rauchen befasse. Immerhin, so die Schreiberin, sterben jährlich landesweit mehr als 127 000 Menschen an den Folgen des Rauchens gegenüber 98 278 an Corona Verstorbener in 2020 und 2021.

Angesichts der derzeitigen Situation in den Kliniken mutet ein solcher Vergleich – selbst für mich als passionierte Nichtraucherin – mehr als zynisch an. Suggeriert dieser doch, dass solange die Sterblichkeit aufgrund einer Corona-Erkrankung niedriger sei als diejenige infolge des Rauchens, die Welt in Ordnung sei.

Ganz abgesehen davon, dass in dieser Logik dann auch Übergewicht, mangelnde Bewegung, ungesunde Ernährung, übermäßiger Alkoholkonsum und etliches mehr an Zivilisationskrankheiten in den Katalog der „unnötigen“ und quasi mehrheitlich selbst verschuldeten Erkrankungen aufgenommen werden könnten, ist doch offensichtlich: Keines der genannten Leiden ist bekanntermaßen ansteckend und für die Gesamtgesellschaft so gefährdend wie das SARS-CoV2-Virus. Geschweige denn, dass die Intensivstationen jemals durch entsprechende Patientenzahlen in derart kurzer Zeit an ihr Limit und damit unter Triage-Druck geraten wären.

In ihrem Buch mit dem Titel „Dummheit“ zeigt sich die österreichische Psychiaterin Heidi Kastner immer wieder erstaunt, in wie vielen Bereichen sich Menschen Wissen und Fähigkeiten zuschreiben, die sie gar nicht haben. Dummheit als Tendenz, Fakten zu ignorieren und langfristige negative Folgen für sich und andere auszublenden, hat Hochkonjunktur, so Kastners Fazit. Das gilt im Umgang mit dem Coronavirus für den politischen Entscheidungskontext genauso wie für das alltagsbezogene Handeln jedes Einzelnen.

Petra Schmidt-Ullmann,

Schwetzingen

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