Neubaugebiet an den Ortsgärten - Die alte Leuchte umgefahren und zwei neue mit ungesundem Licht installiert / Gemeinde muss was tun Blau leuchtende LED-Laterne, die uns Anwohner belasten

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Zum Leserbrief „Schlafraubende Pumpen“ in der Ausgabe vom 16. Januar wird uns ergänzend geschrieben: Das Bauunternehmen hat nicht nur für die Lärmbelästigung durch die zu lauten Wärmepumpen, sondern auch für eine große Lichtverschmutzung gesorgt.

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Vormals war eine Straßenlaterne in herkömmlicher Art mit Natriumdampflampen und gelblichem Licht montiert, einer Beleuchtung wie sie jeder kennt. Sicher entspricht diese Art von Straßenbeleuchtung nicht den Ansprüchen der Energieeffizienz. Also wurde die störende Laterne vor der Baustelle gleich zu Beginn der Baumaßnahme eliminiert, in dem sie umgefahren wurde.

Erst kurz vor dem Einzug der Bewohner wurde wieder für eine Beleuchtung gesorgt. Wo vormals eine Straßenlaterne stand, sind jetzt zwei Laternen in energiesparender LED-Technik montiert, eine davon direkt gegenüber unserer Schlafzimmerfenster. Nicht nur, dass wir jetzt die Fenster wegen der Lärmbelästigung durch die Wärmepumpen nachts immer geschlossen halten müssen, wir müssen auch für eine zusätzliche Verdunkelung sorgen.

Das grelle blaue Licht dieser LED-Laternen mit einer Lichtfarbe von 4000 Kelvin (K) wird zu einer zusätzlichen Strapaze und Belästigung. Die DIN 13201 der Europäischen Union soll die Beleuchtung von Straßen und Plätzen regeln und lässt doch den Planern einen großen Spielraum. Für Wohnstraßen hat sich ein Planungswert für die Beleuchtungsstärke von einem Lux bewährt.

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Bei uns vor dem Haus messe ich unter der Leuchte 32 Lux in einer Höhe von zirka einem Meter. Das ist also ungefähr 30 mal höher als der empfohlene Wert für Wohnstraßen! Sicher nimmt das Licht mit zunehmender Entfernung ab. Mein Schlafzimmerfenster ist etwa zehn Meter entfernt und noch so hell erleuchtet, das man Zeitung lesen kann. Muss das sein, sollte nicht das minimal Notwendige die Obergrenze sein?

Ein Schreiben an das Bauamt der Gemeinde Oftersheim mit der Bitte um Abhilfe ergab, dass die Installation auf Antrag und Kosten des Antragstellers des Neubauvorhabens „Hinter den Ortsgärten“ geschah. Ausgeführt wurde sie dann durch die Firma Netze BW, auch um die neu entstandenen privaten Parkplätze zu beleuchten.

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Der Energieeinspareffekt durch jetzt zwei LED-Leuchten dürfte so entfallen sein. Aber egal, der Strom darf ja für die Zukunft eh die Gemeinde bezahlen. Die Gemeindeverwaltung zieht sich so auch hier wieder aus der Affäre.

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Der Einsatz von derartigen LED- Straßenlaternen mit 4000 K (hoher Blauanteil, Wellenlängen unter 500 Nanometer (nm) und Farbtemperaturen über 3000 K) ist gegenüber LED-Leuchten mit der Lichtfarbe Warmweiß, also unter 3000 K, überhaupt nicht mehr zu rechtfertigen.

Die negativen Einflüsse des blauen Lichts – nicht nur auf den menschlichen Schlaf, sondern auch auf unsere Insektenwelt – sind hinlänglich belegt. Nicht ohne Grund hat jedes Tablet und Smartphone einen zuschaltbaren Blaufilter, um nach der abendlichen Benutzung das Einschlafen nicht zu stören.

Blaues Licht übt ebenso wie UV-Licht eine hohe Attraktion und Anlockwirkung auf die meisten Fluginsekten aus. Künstliches Licht in der Nacht kann Populationen lichtempfindlicher Arten erheblich beeinträchtigen, Lebensräume verschlechtern und Ökosysteme und Ökosystemfunktionen verzerren.

Das Oftersheimer Naturschutzgebiet und der Waldrand sind keine zwei Kilometer entfernt! Bauern beschweren sich in diesem Punkt zu Recht, dass sie immer mehr Auflagen zum Insektenschutz erhalten – aber die Gemeinde Oftersheim lässt Lampen durch die Netze BW aufstellen, durch die auch noch die letzten Insekten sterben.

Hervorzuheben ist aus Umweltschutzgründen die Vermeidungs- und Minimierungspflicht. Die Gemeindeverwaltung Oftersheim, die ihre Naturschutzanstrengungen im Hardtwald und in den Dünen ja gerne in den Vordergrund stellt, versagt hier auf ganzer Linie, dabei wäre es eigentlich so einfach: Die Planung der öffentlichen Straßenbeleuchtung sollte von professionellen Lichtplanern durchgeführt werden, die das Wohl von Mensch und Tier im Auge haben und nicht von Firmen, deren große „Mutter“ den Strom verkauft.

Nach und nach ist geplant, alle vorhandenen Straßenlaternen in herkömmlicher Art gegen diese LED-Leuchten auszutauschen. Wie das dann aussieht, können sich die Oftersheimer jetzt schon in der Gerhard-Hauptmann-Straße am Messplatz anschauen und sich dann überlegen, ob man solche Leuchten vor seinem Schlafzimmerfenster stehen haben will.

Silvana Kiesinger, Oftersheim