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Bewertung der Corona-Strategie - Welcher Kritiker hätte sich denn getraut, im Sommer 2020 die Impfstoffproduktion in Marburg aufzubauen? Bundesregierung hat sogar viel Mut bewiesen

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Zum Leserbrief „Versagen der Volksvertreter“ vom 17. April wird uns geschrieben: Der Inhalt ist meines Erachtens so populistisch geprägt, dass man den Verdacht haben könnte, ein AfD-Anhänger sei der Verfasser des Briefes.

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Beleuchten wir mal die Fakten: Tatsache ist, dass wir eine weltweite Pandemie haben, und das Coronavirus weder Freund noch Feind und schon gar keine Grenzen kennt. Das Fatale ist, dass wir es nicht sehen können und es oftmals gar nicht mitbekommen, dass sich viele unserer Mitbürger damit infiziert haben.

Tatsache ist auch, dass zwischenzeitlich mehr als 80 000 Menschen hier in Deutschland daran gestorben sind und das ist wohl nicht die übliche Anzahl von Grippetoten, die wir jährlich zu beklagen haben. Keiner von uns möchte derjenige sein, der – sofern er sich infiziert – am Ende des Tages kein Intensivbett bekommt.

Daher ist es unvermeidlich, dass durch Maßnahmen das Infektionsgeschehen unter Kontrolle gehalten werden muss. Nachdem anfangs fast alle die Maßnahmen mitgetragen haben, ist nach mehr als einem Jahr Pandemie eine Müdigkeit eingekehrt. Ich muss gestehen, auch mir geht das auf den „Geist“. Dennoch werde ich mich – wie immer noch die Allermeisten – an die Maßnahmen halten.

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Wenn wir nicht mehr darauf vertrauen, dass unsere gewählten Volksvertreter ihre Entscheidungen im Sinne der Bevölkerung treffen, dann gleiten wir ab in Richtung Anarchie. Dort macht jeder gerade das, wonach er meint, dass es für ihn richtig ist. Was mit Nachbarn, Mitbewohnern und Mitmenschen geschieht, ist den Leuten völlig egal.

Ein Großteil der derzeitigen Infizierten stammen meines Erachtens aus Kontakten, die es nicht so genau nehmen, die meinen, die da oben haben ja keine Ahnung. Sie verkennen die Situation, dass das Virus, das sie mit ihrem egoistischen Handeln verbreiten, vielleicht nicht sie aber einen Dritten trifft, der an den Folgen sein Leben lassen muss.

Und noch ein Wort zur Impfstrategie: Ich bin der Meinung, dass die Bundesregierung es gar nicht so schlecht gemacht hat. Die Entscheidung, die Impfstoffbeschaffung über die europäischen Institutionen zu organisieren, finde ich richtig, auch wenn dadurch die Schnelligkeit gelitten hat. Es wird immer wieder berichtet, dass andere Staaten (Israel, Großbritannien und USA) es viel besser als wir gemacht hätten.

Wenn man die aktuellen Zahlen in Nordamerika und Europa (nehmen wir Israel noch dazu) anschaut, sind wir auf Platz drei der aktuell verimpften Dosen. Lediglich die USA und UK haben mehr Impfdosen verimpft als wir in Deutschland.

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Die Mär, dass es Israel, UK und USA besser gemacht hätten als wir in Deutschland, wird nicht damit besser, dass man sie ständig wiederholt. Israel hat mit der Pharmaindustrie einen Deal gemacht, damit man priorisiert Impfstoffe erhält und im Gegenzug die Gesundheitsdaten der Bevölkerung zur Verfügung stellt. Israel hat überschaubare neun Millionen Einwohner. Wenn sie bevorzugt beliefert wurden, stellt sich bei mir die Frage, warum sind sie noch nicht fertig mit ihrer Impfkampagne? UK hat drei Wochen vor uns mit den Impfungen mit einer Notfallzulassung begonnen. Man habe eigene Produktionsstätten für die Impfstoffe, die sie erst mal für sich verwenden. In den USA gibt es den „War Act“. Das heißt, dass unter kriegsrechtlichen Bedingungen alle Impfstoffe, die in den USA produziert werden, das Land nicht verlassen dürfen. Und was hatten wir bis Februar in Europa? Eine Produktionsstätte von Biontech/Pfizer in Belgien, die für Europa produziert hat. Dank der vorausschauenden Entscheidungen der Bundesregierung wurden im August 2020 die Weichen gestellt, dass in Marburg eine weitere Produktionsstätte entsteht. Also innerhalb eines halben Jahres wurden für diese Produktion alle erforderlichen Genehmigungen und Zulassungen beantragt und erteilt. Seit Februar produziert das Werk. Von dort kommt überwiegend die hohe Zahl von Impfdosen, die derzeit täglich verimpft wird.

Für alle Kritiker ein Hinweis: Wer von Ihnen hätte im August 2020 den Mut gehabt, ein Impfstoffwerk in Marburg in Auftrag zu geben, ohne zu wissen, welcher Impfstoff das Rennen macht und bis wann er zur Verfügung steht? Hinterher große Sprüche machen, das ist keine große Kunst. Ich bin daher nicht der Meinung, dass unsere Volksvertreter versagt haben.

Manfred Döring, Brühl

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