Öffentliches Grün - In Ketsch haben Bäume keine große Lobby, aber die SPD liebt Bäume / Widersprüche bei den Gemeinderäten Dabei ist ein Klimakonzept Pflicht

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Es ist ja kein großes Geheimnis, dass das Umweltbewusstsein bei Bürgermeister Jürgen Kappenstein nicht besonders ausgeprägt ist. Dies trifft aber ebenso auf die Mehrzahl der Gemeinderäte zu. Als treue Claqueure erweisen sich aus meiner Sicht CDU- und SPD-Fraktion. Ebenso die sogenannten „Freien Wähler“, die noch nie durch eine eigene Meinung aufgefallen sind.

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Von der landesweiten Klimaschutzaktion „1000 Bäume in 1000 Kommunen“ hat wohl von den Gemeinderäten noch niemand gehört. In den umliegenden Gemeinden finden Pflanzaktionen statt. Zum Beispiel will Schwetzingen im Stadtgebiet 200 Neupflanzungen vornehmen und die restlichen 800 Bäume für Privatgärten an die Schwetzinger Bürger verschenken. Und auch in Brühl konnte durch eine Sammelaktion für Weihnachtsbäume der Spendenerlös für Baumpflanzungen verwendet werden. Doch was passiert in Ketsch? Nichts!

In der letzten Gemeinderatssitzung wurde über drei Anträge der Fraktion der Grünen abgestimmt. In einem dieser Anträge ging es darum, dass für Baumpflanzungen 40 000 Euro in den Haushalt eingestellt werden. Erstaunt war ich über die Ablehnung durch Alexandra Keilbach (CDU). Nicht nur, dass ihre Parteikollegin Agrarministerin Julia Klöckner sich vehement für Baumpflanzaktionen einsetzt; der Keilbach’sche Familienbetrieb ist doch letztlich auch vom Holz abhängig.

Dass die SPD Bäume liebt, ist bisher außer Gemeinderat Tarek Badr noch niemandem aufgefallen. Warum hat dann die Fraktion alle Ketscher Baumfällaktionen mitgetragen? Ich erinnere nur an die schönen großen Platanen auf dem Marktplatz und die herrlichen Bäume am ehemaligen Enderlebrunnen. All diese Schandtaten wurden von der SPD unterstützt. Unter einer Liebschaft stelle ich mir was anderes vor. Die SPD liebt Bäume und hat bisher jeden Antrag der Grünen zu deren Schutz abgelehnt.

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Auch kann sich kein Mensch erinnern, dass die Genossen je Eigeninitiative in Bezug auf Umweltschutz gezeigt hätten. Warum sich SPD-Gemeinderat Ruppert so echauffiert, nur weil er sich angeblich erfolgreich für einen Klimaschutzmanager eingesetzt habe, bleibt mir ein Rätsel. Offenbar weiß er nicht, dass die Gemeinde verpflichtet ist, ein Klimakonzept zu erstellen. Mit der Einstellung eines Managers allein ändert sich an der Klimaschutzpolitik aber rein gar nichts, wenn dann weiterhin im Rat alle Vorschläge abgelehnt werden.

Wozu es dann im Rathaus einen Umweltbeauftragten gibt, versteht auch keiner. Gerade dieser „Fachmann“ sollte doch bei allen umweltpolitischen Fragen, dem Gemeinderat Rede und Antwort stehen. Leider glänzte er bei den Sitzungen bisher nur durch Abwesenheit.

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Der selbst ernannte Tourismusexperte Stang von den „Freien Wählern“ lehnte den Antrag für Baumpflanzungen ebenfalls ab. Ketsch habe viele Bäume, meinte der Experte. Und: Man solle sich doch für den Erhalt des Entenpfuhls einsetzen. Was der Entenpfuhl mit den innerörtlichen Baumpflanzungen zu tun hat, weiß wohl nur er.

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Letztlich wurde der Antrag der Grünen von allen anderen Fraktionen abgelehnt. Als Grund musste die angespannte Haushaltslage bedingt durch die Corona-Krise herhalten. Sparen ist angesagt.

Wer sich den Haushaltsplan betrachtet (ich unterstelle mal, die meisten Ratsmitglieder haben ihn nicht ausführlich gelesen), findet unter Investitionen Ausgabenansätze für Klimaanlagen im Rathaus und Bauhof in Höhe von 150 000 Euro. Damit es der Bürgermeister ja schön kühl hat, werden – in Worten – hundertfünfzigtausend Euro verbraten. Aber vierzigtausend Euro, um verdorrte Bäume zu ersetzen und ein paar neue zu pflanzen, sind dem Rat zu teuer.

Doch das ist man in Ketsch gewohnt, dass das Geld an falscher Stelle ausgegeben wird. Das Kackhäuschen im Bruch ist solch ein Beispiel. Kostete viel und ist nie offen.

Walter Rohr, Ketsch