Das ist Basta-Kommunikation

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Im Nachgang der Entscheidung ums Rokokotheater schreibt uns dieser Leser seine Einschätzung:

Der verblüffende Vorgang der angestrebten Rokokotheater-Umbenennung – und deren Nachwehen – lässt mich immer noch staunen. Zum einen das fachliche Herumwinden, à la Erstnennung im Jahre 1937 bedeutet zwingend kausal ein zugrundelegendes Agieren von Nationalsozialisten – soweit ich das sehen kann, wurde kein profunder Gesinnungsnachweis bei den Erstnennern erbracht. Des Weiteren die vermeintlich beweiserheblichen, sauber gezählten und sichtbar verbliebenen Rokoko-Elemente am betreffenden Gebäude: Eines?

Die Deckenübermalung bedeutet ja keineswegs, dass die ursprüngliche Ausmalung „weg“ ist – sie ist nur für das menschliche Auge nicht mehr unmittelbar sichtbar. An diesem Punkt hatte ich noch vertiefendes Versteigen von Fanatikern erwartet, handelt es sich doch möglicherweise um einen Fall sogenannter kultureller Aneignung bereits im Jahre 1770?

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Natürlich kann man in einer Amtsleitung oder großen Institution nicht einfach so abwinken und das angestrebte Marketingziel, die Würdigung des großartigen Nicolas de Pigage in anderer nachhallender Weise tätigen – nein, auch dort muss man sich herauswinden.

Man habe zwar fachlich Recht (sic!), aber man habe sich bei der massiven Mehrheit und Empörung der hiesigen Bevölkerung doch mal gnädigerweise dazu entschlossen, dem Volke aufs Maul zu schauen – und sogar deren geäußerten Inhalte zu erfassen und ernst zu nehmen. Schade – ich hätte mich gerne live am sicherlich mit außerordentlichem Verve geführten Disput am 13. Dezember vor Ort erfreut.

Vor über einem halben Jahrhundert kannte ich als Walldorfer (auf der anderen Seite vom Wald gelegen) bereits das Gebäude unter jenem Namen – und mir bekannte, sehr alte Schwetzinger, welche zu Kriegszeiten zum Teil im Schloss wohnten und dort aufgewachsen sind, noch deutlich vor mir.

Der Name ist mindestens in der Region seit sehr vielen Jahrzehnten in Bevölkerung und Kulturbetrieb verankert; wenn die weit überwiegende Mehrheit bei uns das Theater mitfinanziert, damit betreibt, pflegt und es besucht – aber dieses mit Leidenschaft „Rumpelstilzchen Bühne (mit klassizistischer Ausstattung)“ würde nennen wollen – so stellte es keine vordringliche Aufgabe einer Institutionsleitung dar, die Betreffenden vor Ort zu bevormunden und ihnen einen anderen Begriff vorzuschreiben.

Auch nicht auf Konstruktbasis zugunsten von akuten und basal verständlichen Marketingbestrebungen seitens der Staatlichen Schlösser und Gärten.

Wie der gesamte Vorgang von Institutionsseite kommunikativ angegangen wurde, kann man – diplomatisch artikuliert – als Rohrkrepierer bezeichnen.

Zu guter Letzt muss ich noch Schmunzeln über den vermeintlichen Verhinderungserfolg seitens der hiesigen CDU, respektive ihres Landtagsabgeordneten Andreas Sturm; tatsächlich handelt es sich vielmehr um einen parteiübergreifenden, breit vorgetragenen Protest der hiesigen Bevölkerung – sowie maßgeblich um ein Einschreiten des Staatssekretärs Dr. Andre Baumann, der sich postalisch wie auch persönlich ans Ministerium für Finanzen in Stuttgart gewendet hat.

Die dortigen Gespräche mit der für derartige Vorgänge zuständigen Staatssekretärin Dr. Gisela Splett führten letztlich zum Einbremsen der übereifrigen Marketingbestrebungen seitens der Schlösser und Gärten Baden-Württemberg.

Gemäß den Wünschen des Visionärs und zukunftsbegeisterten Kurfürsten Carl Theodor kann nun hoffentlich die Aufmerksamkeit wieder der Schauspiel- und Musikrezeption im Rokokotheater zugutekommen.

Stefan Behme, Schwetzingen