„Dauerbrenner“ fehlende Fachkräfte

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Zum Thema Fachkräftemangel wird uns folgender Leserbrief zugesandt:

Unter den 5,2 Millionen Sozialleistungsempfängern befinden sich etwa 3,7 Millionen arbeitsfähige Menschen. Bisher ist es nicht gelungen, sie ins Arbeitsleben zu integrieren. Unsere Regierung setzt stattdessen auf mehr Personal aus dem Ausland und einfachere Anwerberegeln. Sie will die Auswahl von Bewerbern künftig den Arbeitgebern selbst überlassen, denn Unternehmen wissen am besten, was ihre Mitarbeiter können müssen. IT-Spezialisten brauchen keine Deutschkenntnisse mehr, englisch können sie ohnehin und Programmiersprachen sind im internationalen Wettbewerb wichtiger. Gut so!

Ein bisschen mehr Pragmatismus und weniger Bürokratie werden den Mangel aber nicht beheben können. Denn Deutschland ist kein modernes Einwanderungsland, sondern ein Zuwanderungsland, ein weltweit geschätzter Zufluchtsort für Armutsflüchtlinge, Abenteurer und politisch Verfolgte jeder Art. Die bisherige lockere Politik hat faktisch Leistungsempfänger angelockt und Leistungsträger abgeschreckt, Ergebnis siehe oben. Das Land mag noch die größte Volkswirtschaft Europas sein, aber ist längst nicht mehr so leistungsstark und attraktiv wie früher.

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Für qualifiziertes Personal ist es schwieriger geworden, neben der beruflichen Karriere auch eine gute Bildung für Kinder und eine standesgemäße Wohnung zu bekommen. Die Steuerlast ist so hoch wie in kaum einem anderen westlichen Land und sie wird wohl weiter steigen. Immobilien sind extrem teuer und die Qualität zumindest der öffentlichen Schulen ist vielerorts gesunken.

Mobile junge Experten meiden Deutschland, stattdessen kommen ungeregelt die Minderqualifizierten. Millionen Migranten, die in den vergangenen Jahren aus dem Orient und Afrika übers Asylsystem nach Deutschland zugewandert sind, sind überwiegend nicht diejenigen, die das Land dringend braucht, also Ingenieure, Handwerker, Pflegekräfte oder Programmierer. Von den vielen Syrern leben beispielsweise, je nach Schätzung, zwei Drittel bis drei Viertel ganz oder teilweise von Hartz IV (künftig „Bürgergeld“). Ernst gemeinte Anstrengungen, diesen Zulauf in die Sozialsysteme zu begrenzen oder abgelehnte Asylbewerber ohne Perspektive wieder loszuwerden, sind in der Ampelkoalition nicht ersichtlich. Das liegt vor allem an SPD und Grünen. Die beiden linken Regierungsparteien stellen Migration unkritisch und einseitig als Segen dar. Denn je „bunter“ das Land wird, desto besser, auch für den eigenen Stimmenertrag bei Wahlen.

Dass die große Mehrheit der Deutschen gegen diese Art Neubürgerimport und gegen fast bedingungslose Einbürgerung ist, scheint Rot-Grün-Gelb nicht zu stören. Nur die Wähler der Grünen sind mehrheitlich dafür. Aber selbst diese müssten sich angesichts der Misere langsam fragen, ob grüne Migrationspolitik wirklich überzeugend ist. Denn mehr Zuwanderung bedeutet zwangsläufig mehr Emissionen, mehr Verbrauch an Energie, Aufwand für Wohnungsbau, Straßen und Infrastruktur und immer mehr Flächenfraß (siehe SZ vom 5. und 7. Dezember). Das Ziel einer nach ökonomischen und ökologischen Kriterien begrenzten und gesteuerten Einwanderung wird so jedenfalls nicht erreicht. Es bleibt bei der bisherigen Lebenslüge der Merkel’schen „Wir-schaffen-das-Politik“ der offenen Grenzen für jedermann: teuer, sicherheitsgefährdend und ineffizient.

Eine erleichterte Staatsbürgerschaft wollen SPD und Grüne künftig unter dem schönen Titel „Chancen-Aufenthaltsrecht“ anbieten. Gerne auch als Doppelpass, niemand muss seinen alten abgeben, selbst wenn er ihn plötzlich wiederfinden sollte. Kanzler Scholz findet es „sehr gut, wenn diejenigen, die schon lange bei uns leben, sich auch dafür entscheiden, die deutsche Staatsbürgerschaft zu erwerben“.

Welch peinliche Botschaft! Deutschland fragt nicht wie jedes normale Land der Welt: Passt Du zu uns – und kannst Du das durch Deine Arbeit, Deinen Spracherwerb, Dein soziales Engagement, Dein Interesse an unserer Geschichte und Kultur belegen? Scholz-Deutschland fragt: Sind wir für Dich genehm? Kleiner kann man sich wohl kaum machen. Der deutsche Pass im Sonderangebot – ein toxisches Weihnachtsgeschenk von Lobbygruppen und Profiteuren des selbst geförderten demografischen Wandels.

Winfried Wolf, Plankstadt