Decathlon und die Inklusion

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Zum Artikel über die Firma Decathlon mit dem Titel „Eine unglaubliche Erfolgsgeschichte“ (SZ-Ausgabe vom 11. September) wird uns geschrieben:

Es scheint sehr erfreulich für unsere Stadt Schwetzingen zu sein, dass sich die Firma Decathlon hier vor Jahren niederließ und seither kontinuierlich erfolgreich zu expandieren scheint. Auch gewerbesteuertechnisch ist das doch sicher ein großes Plus für Schwetzingen. Keine Frage. Was für ein Gewinn!

Eine Riesenhalle nach der anderen wird gebaut, Arbeitsplätze werden geschaffen. In der Presse und in den sozialen Medien bekommt der Leser das Gefühl vermittelt, es handele sich bei Decathlon um eine „große Familie“, eine kooperative Gemeinschaft, in der jeder jeden duzt, jeder sportlich, locker und immer gut drauf zu sein scheint – beziehungsweise nach außen hin zu sein hat. Man kennt sich, man mag sich. Ganz wunderbar. So zumindest der Eindruck.

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In der Hoffnung, Decathlon würde einen kleinen Teil des großen wirtschaftlichen Erfolges für ein kleines Sponsoring in die inklusive Sportart „Goalball“ verwenden können, schrieb ich die Firma vor einiger Zeit an. Wer nachliest, was „Goalball“ eigentlich ist, findet die Erklärung in Wikipedia, dass es sich hierbei um die weltweit beliebteste Ballsportart für Menschen mit Sehbehinderung handelt, die bereits seit 1976 paralympisch ist. Das Ziel des Spiels besteht darin, einen 1250 Gramm schweren Klingelball in das gegnerische Tor zu werfen.

Nun gibt es einen recht neu gegründeten Blinden- und Sehbehindertensportverein in Ilvesheim, der durch diese inklusive Sportart sehende und nichtsehende Menschen zusammenbringt. Das gefällt mir persönlich sehr gut, die persönlichen Trainingsbesuche beeindruckten mich sehr.

Für diesen jungen Verein schrieb ich spontan an Decathlon in der Hoffnung, es würde vielleicht die Möglichkeit einer finanziellen Zuwendung oder auch einer „sportlichen“ Zuwendung in Form von Trainingsklamotten oder Sportbällen geben können.

Ich kann mir natürlich vorstellen, dass Decathlon sicher von vielen Seiten diesbezüglich Anfragen erhält. Aber Inklusion wollen doch in unserer Gesellschaft immer mehr Menschen leben. Für Inklusion wollen sich doch immer mehr Institutionen stark machen. Nicht nur gesellschaftliche und politische, sondern auch sportliche Institutionen. So dachte ich, sei ich bei der immer weiter expandierenden Firma Decathlon in unserer Stadt mit Sicherheit an der richtigen Adresse.

Schade, aber ich wurde eines anderen belehrt: Man bedankte sich anonym als „Team Decathlon“ für das durch die Anfrage „verbundene Interesse an einer Kooperation mit Decathlon, bedauerte aber gleichzeitig, dass man derzeit keine Kooperationsmöglichkeit habe“ und verabschiedete sich mit „sportlichen Grüßen“.

Auf meine zweifachen Nachfragen, welche konkreten Gründe die Firma von einer etwaigen Kooperation mit einem inklusiven Verein abhalten würden, erhielt ich leider keinerlei Antworten mehr.

Mir stellt sich deswegen die Frage: Wie steht Decathlon zum Thema Inklusion? Es wäre interessant zu erfahren, wie viele Menschen mit einem Grad der Behinderung in Schwetzingen in der Logistik bei der Firma Decathlon beschäftigt sind?

Auf einer Schweizer Decathlon-Website ist zu lesen, dass Decathlon sich für Inklusion und Nichtdiskriminierung einsetze und täglich zugunsten von Behinderten handle. Ist das tatsächlich so oder nur eine Werbebotschaft?

Raquel Rempp, Schwetzingen