Den Leidenden aus ihrem Teufelskreis heraushelfen

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Zum Thema Sterbehilfe und deren Legalisierung schreibt man uns:

Das Leben ist einzigartig und kostbar. Wir lernen bis zum letzten Atemzug, haben aber vergessen mit dem Leid, das aus der Krankheit hervorgehen kann, umzugehen, handeln eher aus Mitleid, anstatt aus Mitgefühl. Wir schwingen uns zum Richter über andere auf, indem wir entscheiden: Wer darf leben, wer sterben? So wird aktuell in Frankreich darüber diskutiert, die Sterbehilfe oder Beihilfe zur Selbsttötung zu legalisieren.

Das Leben ist uns von Gott gegeben, damit wir lernen und wachsen, auch wenn uns die Lebensumstände nicht immer gefallen. Aber es in Form von Beihilfe zu beenden, würde nicht nur diesen Lerneffekt unterbinden, sondern zeigt auf, wir leiden mit. Versuchen wir hierüber nicht eher, unser Mitleid zu beenden, weil wir das Leid des anderen nicht mehr mit ansehen und ertragen können?

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dpa
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Doch der Mensch soll mitfühlen, er nimmt an den Schmerzen oder an der Situation des anderen teil, er versteht dessen Situation und ist in seinem Herzen berührt, aber es führt ihn nicht in die Emotion, was eine leichtere Basis ist, um dem Hilfebedürftigen Unterstützung und Beistand geben zu können.

Sollten wir uns nicht in Demut darum bemühen, dem anderen, der sterbewillig ist, sein Leben zu erleichtern, wo es nur geht? Ihn auf positive Gedanken bringen, die immerhin, so ist sich die Wissenschaft einig, positive Auswirkungen auf Körper, Geist und Seele haben und den Gesundheitszustand fördern?

Die Betroffenen sind in der Regel so sehr mit ihrem Schmerz, der Pein, der Hilflosigkeit beschäftigt, dass sich durch dieses beständige Gedankenkreisen ein Teufelskreis ergibt, aus dem sie aus eigener Kraft nicht mehr herausfinden – der Schmerz verstärkt sich. Denn worum kreisen die Gedanken? Doch immer wieder um die körperliche Missempfindung. Der Betroffene ist wütend, traurig darüber, enttäuscht, fühlt sich ohnmächtig, hat starke Schmerzen. Das Gedankenkreisen ist nur auf diese Pein gerichtet.

Hilfreich wird sein, sich von solchen Dingen abzulenken, etwa mit Musik, mit Erinnerungen an freudvolle Zeiten, über das, was uns im Herzen berührt, um Linderung zu erfahren. Oder der Schwerstkranke und dessen Anverwandte könnten mit ihm gemeinsam oder für ihn in das Gebet treten, um Schmerzlinderung, Schmerzbefreiung bitten und darum, dass ihm dieses Lebensthema erlassen wird – oder dass Gott den Kranken nach Hause holt. Gott ist doch Liebe, das ist unser christlicher Glaube. Warum also sollte dem Kranken nicht Hilfe zuteil werden?

Keiner von uns ist hilflos, aber oft gefällt uns der Lebensumstand nicht, dass wir nicht in die Heilung finden, die wir uns für uns selbst oder andere wünschen. Wir haben vergessen, das Leben zu achten und zu schätzen. Und wenn es zu spät ist, wollen wir die Konsequenzen dessen nicht tragen, lieber in einen selbstbestimmten Freitod flüchten.

Letzten Endes muss das jedoch jeder für sich selbst entscheiden.

Vera Hanßen, Brühl