Produktion - Kapazitäten in Europa schaffen – aber langfristig Den Plan nachjustieren

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Zum Kommentar von Julia Emmrich „Es lohnt sich!“ in der Ausgabe vom 28. Januar) wird uns geschrieben: Ich habe den Kommentar aufmerksam gelesen. Ihre Meinung, dass wir in gemeinsamer Anstrengung einen tollen Zwischenerfolg erzielt haben, kann ich voll und ganz unterstützen. Die Infektionszahlen haben sich so in etwa halbiert, wobei die Todeszahlen immer noch auf einem hohen Niveau sind. Diesen Kraftakt müssen wir noch etwas länger durchhalten, bis die Zahlen soweit runtergekommen sind, damit weitere Infektionen für die Gesundheitsbehörden realistisch nachverfolgt werden können.

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Nun geht es darum, den Impfplan nachzujustieren. Hier hat sich gezeigt, dass das angepeilte Ziel, genügend Impfstoff für alle zu beschaffen, schwerer ist, als es sich die Chefeinkäufer der EU vorgestellt haben. Dass man bei einem solchen Vorhaben mit Lieferengpässen rechnen muss, erscheint mir nachvollziehbar. Dass aber namhafte Pharmafirmen mit einer hohen Produktionserfahrung sich auf einmal um 50 Prozent oder mehr irren, scheint meines Erachtens doch unseriös. Hier liegt der Verdacht nahe, dass zugunsten der höheren Verkaufserlöse bei anderen Abnehmern die Liefermengen an die EU gekürzt werden, mit dem Argument von unvorhersehbaren Engpässen oder Produktionsschwierigkeiten.

Da sollte die EU die vertraglichen Möglichkeiten ausschöpfen, damit die vereinbarten Leistungen erfüllt werden. Ein entscheidender Mangel liegt meines Erachtens daran, dass es in Deutschland und in den übrigen EU-Ländern keine oder nur sehr wenige leistungsstarke Impfstoffproduzenten beziehungsweise Arzneimittelhersteller gibt. Das sollte dringend geändert und entsprechend aufzubauende Kapazitäten auch nach der Pandemie aufrecht erhalten werden. Es hat sich schon im Frühjahr gezeigt, dass wir mangels eigener Produktion keine oder nur sehr wenig Schutzausrüstung und Masken zur Verfügung hatten. Es ist daher wichtig, innerhalb von Deutschland und in der EU eigene Kapazitäten zu schaffen, und diese auch auf Dauer zu unterhalten, auch wenn dadurch das eine oder andere Medikament oder Schutzausrüstung gegebenenfalls den einen oder anderen Euro mehr kostet.

Das anzupacken, sollte nicht auf die lange Bank geschoben werden.

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Manfred Döring, Brühl