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Zur Klimakonferenz in Glasgow - Von Kriegen zum Umweltschutz – welche Opfer sind die Menschen bereit zu tragen? Denken und Tun an Gewissen koppeln

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Die Geschichte des vergangenen Jahrhunderts wirkt wie zwei Seiten einer Medaille. Die eine, ab 1918, zeigt den Aufstieg Hitlers, seine Macht, seine Verbrechen und die Katastrophe, in die er Deutschland gestürzt hat. Anschließend hatten unsere Vorfahren und wir Verluste, Trauer und Scham zu bewältigen. Wie gelang das?

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Wir haben uns von den Verbrechen Hitlers und seiner Zeitgenossen abgewandt, uns um Zusammenarbeit mit Nachbarn bemüht und uns angeeignet, was wir lernen mussten, um unser Elend zu überwinden. Und heute stehen wir Ländern bei, die unter Kriegen leiden.

Beginnen wir mit 1918. 100 Jahre sind das her. So nah. Aber wie haben sich die Gefühle seitdem geändert! Damals galten Kriege als Konkurrenzkämpfe, als unvermeidbare Formen der Politik. Mit Gewinnern und Verlierern. Wie Konferenzen – nur mit Waffen. Und in Friedenszeiten wurden die nächsten Konflikte vorbereitet.

Dass dieses Muster umkehrbar war, ahnten Franzosen und Deutsche, als 1926 ihre Außenminister, Briand und Stresemann, den Friedensnobelpreis erhielten. Europa entspannte sich. Doch sieben Jahre später kam Hitler und mit ihm ein für unmöglich gehaltener Umbruch. An die Stelle eines bedächtigen Staatsmanns trat ein gewissenloser Verbrecher. Seine ihm hörigen Parteigänger hatten mit Morden schon früh Angst und Schrecken gesät. So schafften sie es, die Deutschen, ein angesehenes, christliches Kulturvolk, zu beeindrucken und sich zu unterwerfen.

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Und mit welchen Methoden? Völlig legale, die aber die demokratische Verfassung in ihr Gegenteil verkehrten und sie zum Fahrplan in eine Diktatur machten. Dabei half es Hitler, dass eine absolute Garantie der Grundrechte fehlte. Durch ein einfaches Gesetz konnte er alle Rechte aufheben. Am Ende machte er sich zum obersten Gerichtsherrn. Ein Blick oder ein Kopfschütteln von ihm reichte. Alles wurde ausgeführt.

Dass es einen höchsten Richter über ihm gab, war freilich der Menschheit bewusst. Tausende Jahre zuvor hatten sie Gott gefunden und in ihre Religionen aufgenommen, die jüdische, christliche und die islamische. Doch auch die waren nicht vollkommen. Die fünf Bücher Mose, das „Gesetz“ der Juden, verhinderten nicht einmal, dass Propheten drangsaliert, ja sogar getötet wurden. Wer wirklich wissen wollte, was Gott erwartete, fand in den Psalmen die Verurteilung von Heuchelei, Betrug, Ehebruch und egoistischem Streben nach Besitz und Ansehen. Und zugleich Verse, die Gott anriefen, die Schwachen, die Alten und die Frauen zu beschützen. Diese Appelle richten sich an das Gewissen und Jesus hat sie in einem universalen Gebot zusammengefasst: „… was ihr von anderen erwartet, das tut auch ihnen!“, forderte er. Es verlangt von den Menschen, füreinander Vorbilder zu sein und hat als „goldene Regel“ Jahrhunderte überdauert. Vor einigen Jahrzehnten hat der Friedensnobelpreisträger Albert Schweitzer es noch zugespitzt: „Das gute Beispiel ist nicht eine Möglichkeit, andere Menschen zu beeinflussen, es ist die einzige.“

Wer das Tun und Denken der Menschen an ihr Gewissen bindet, stellt sie vor die härtest mögliche Anforderung: Sie müssen Beispiel und damit Gesetzgeber für die Welt werden. Bei allen denkbaren Aufgaben. Ohne Ausnahme. Selbst wenn noch niemand ahnt, wie sie sich erfüllen lassen. So wie derzeit bei der Erderwärmung, über die 200 verunsicherte Staaten in Glasgow beraten.

In einer solchen Situation genügt es nicht, Regierungen diskutieren zu lassen wie die G 20 in Rom über den Frieden und die Pandemie. Möglicherweise reicht dort eine attraktive Belohnung: Handelsvorteile oder Gleichberechtigung in föderalen Bündnissen. So wie Deutschland zu seiner großen Freude nach 1945 in Westeuropa aufgenommen wurde.

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Im Kampf um ein das Leben sicherndes Klima wird die gesamte Menschheit benötigt. Sie muss auf der Klimakonferenz in Glasgow glaubhaft machen, welche Opfer sie bereit ist, auf sich zu nehmen, um die Klimaerwärmung auf ein möglichst niedriges Niveau zu begrenzen. Wer etwas fordert, muss auch bereit sein, es selbst zu tun. Der gute Wille reicht nicht. Jeder muss sich auch persönlich einbringen. Nur so wird die Konferenz ihr Ziel erreichen. Zudem braucht sie nicht nur Mut wie das 1945 besiegte und zerstörte Deutschland, sondern auch Erfindungen. Viele Lösungen sind noch in Köpfen verborgen und müssen entdeckt werden wie nach 1945 die europäische Einigung.

Helmut Mehrer, Brühl

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