Der gute Wille fehlt – leider

Lesedauer

Das Scheitern Europas bei der Welt-klimakonferenz betrachtet ein Leser:

Die Weltklimakonferenz im ägyptischen Scharm-el-Scheich liegt hinter uns. Sie gilt als die unbefriedigendste, denn sie endete ohne einen Beschluss gegen den Klimawandel durch den CO2-Anstieg, die drängendste aller Bedrohungen der Menschheit. Man hat sich lediglich darauf geeinigt, einen Fonds einzurichten, in den Industrieländer einzahlen sollen, um bei Katastrophen den ärmeren, vor allem afrikanischen Ländern sofort helfen zu können. Aber bei Weitem nicht alle Staaten beteiligen sich. Unter ihnen der weltweit größte Umweltverschmutzer China ebenso wie Saudi-Arabien, dessen Öl die Atmosphäre aufheizt.

Wären die Europäer nicht energisch aufgetreten, hätte es nicht einmal diesen Klimafonds gegeben, heißt es. Warum hat der alte Kontinent ein weiteres Mal guten Willen gezeigt und sich in die Bresche geworfen? Es hat den Anschein, als läge es an der Freiheit der demokratischen Staaten und seiner Bürger, die auf den Straßen für den Klimaschutz demonstrieren und sich auch in Ägypten lautstark zu Wort gemeldet haben. So ist wenigstens das bescheidene Teilziel der EU erreicht worden. Offenkundig verbinden sich die Verantwortung für das Klima und ein der Menschenwürde entsprechendes Leben der Ärmsten miteinander. Zehntausende von ihnen sind inzwischen aus ihrer Heimat geflohen und suchen ein neues Leben in dem sich wegen der Ukrainer überfordert fühlenden Europa.

Mehr zum Thema

WM in Katar

Der skurrile Auftritt des FIFA-Präsidenten Gianni Infantino

Veröffentlicht
Von
Frank Hellmann
Mehr erfahren

Die gesamte Erde gegen Europa! Vielleicht auch noch die USA, fragt man sich? Ganz so krass ist es glücklicherweise nicht. ASEAN, ein Staatenbündnis in Südostasien, hat sich auch zu Wort gemeldet. Es will sich gegen die Großmacht China behaupten und setzt sich gleichzeitig für die Wiederherstellung der Menschenrechte bei ihrem Mitglied Myanmar ein. Bislang ohne Erfolg. Dessen frühere Präsidentin, die Friedesnobelpreisträgerin Aung san suu Kyi, befindet sich immer noch in einem Militärgefängnis. Dennoch, die Demokratien des Westens verfügen so über einen weiteren potenziellen Partner in Asien.

Und wie steht es mit den Afrikanern? Niemand weiß, wie viele Zehntausende Flüchtlinge schon beim Versuch ertrunken sind, das Mittelmeer zu überqueren. Die sich für das Schicksal anderer mitverantwortlich fühlenden „Gutmenschen“ Europas geraten dadurch in Gewissensnöte, die von dem Klimafonds kaum gemildert werden. Denn auf dem Landweg über Serbien werden die Ankommenden rücksichtsloser zurückgedrängt, als es mit den Menschenrechten vereinbar ist.

Das einzige, was ihnen aus ihrer seelischen Klemme hilft, ist ein emotional nahes, möglichst direktes Engagement. Das gelingt zum Beispiel an der Seite von Menschen, die von Ost- bis Westafrika über Burkina Faso mit ihrem Leben für das einstehen, was ihre europäischen Freunde für sie anstreben: Allen die Welt zur Heimat zu machen.

Helmut Mehrer, Brühl