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Befremdlicher Zeitgeist - Toleranz wächst niemals aus Intoleranz / Wir sollten uns nicht gegeneinander aufbringen lassen Der Ton macht halt immer die Musik

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Als vor genau zwei Jahren die Klimadiskussion beleidigende Formen annahm – speziell gegen die Sprecherinnen von „Fridays for Future“, zitierte ich „Käpt’n Kirk“ vom Raumschiff Enterprise, der in einer Star-Treck-Episode bekundete: „Junge Köpfe – frische Ideen, seien wir alle mal ein wenig toleranter.“ Doch wie sieht es in den jungen Köpfen mit der Toleranz aus?

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Im gleichen Jahr, direkt nach Weihnachten, trällerten junge „Rotznasen“ im TV das Kinderchorlied: „Meine Oma ist ne alte Umweltsau.“ Für mich ist das keine Satire, sondern unterste Schublade und eine Verhöhnung bestimmter Personengruppen.

Die heutige „Generation Zentralheizung“, die glaubt, Wärme komme einfach aus der Wand, die nie Kohle aus dem Keller in die Wohnung geschleppt hat, um es warm zu haben, konnte oder wollte die heftigen Reaktionen darauf nicht verstehen.

Es ist die gleiche Generation, die zwar den Rassismus anprangert, aber gleichzeitig ihre Abneigung gegen alte weiße Männer (und Frauen) inbrünstig vor sich her trägt und sie in Schubladen steckt, wo sie nicht hingehören!

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Ich komme aus einer Generation, für die Toleranz selbstverständlich war, die Elvis, Beatles, Frank Zappa und David Bowie hörte. Wir hinterfragten nicht, was für sexuelle Vorlieben diese hatten. Es war uns egal, wir waren zufrieden und selig, weil die Musik uns berührte! Wie auch von den Stones, Elton John, Freddy Mercury, Bee Gees und John Miles, für den „Music“ seine erste große Liebe war.

Wir erlebten die Flower Power Zeit mit Janis Joplin, Melanie (Safka) und Joe Cocker. Und unser Friedensengel hieß Joan Baez. Wir sind auch die Generation, die Led Zeppelin, Deep Purple, Neil Young oder die Eagles liebte. Ohne, dass sich je das Problem mit ihren Texten stellte, die heute als sexistisch oder rassistisch angesehen werden könnten, wie beispielsweise Toto‘s „Africa“.

Letzteres allein schon wegen dem Titel, den einst auch Kekse von Bahlsen Jahrzehnte innehatten und die nach Rassismuskritik aus Afrika in Perpetum umbenannt wurden.

Und wir hörten Leonard Cohen, schon lange bevor sein „Halleluja“ zum Gassenhauer erniedrigt wurde, in dieser „Wild World“, wie Cat Stevens den Zustand unserer Gesellschaft in einem Song beschreibt und der sich heute wohl dafür rechtfertigen müsste, dass sein Lied „Father & Son“ nicht gendergerecht, sondern eher machomäßig daher kommt.

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Und als Bruce Springsteen in „My Hometown“ uns seine Geschichte als Kleinstadtjunge erzählte, haben wir mitgesungen, wie bei Neil Diamonds „Sweet Caroline“ oder seinem „I am I said“, das von einer inneren Zerrissenheit handelt.

Es gab keinen gruppendynamischen Zwang, der uns nötigte, solidarisch zu sein oder zumindest an einem „Zeichen gegen…“ was auch immer teilzunehmen. Kurzum: Es gab keine Drohungen von verbissenen selbsternannten Wächtern.

Bei Sting‘s „Fields of Gold“ dachten wir an goldene Gerstenfelder und an ein junges Paar und ihre Kinder, die zwischen den Feldern herumtollten, aber bestimmt nicht an Diskussionen, ob man an unseren Schulen eine Toilette für das dritte Geschlecht braucht. Und erst recht nicht an Elend, was es schon immer gibt, so wie es kein Leben ohne Leid gibt.

Aber ihr denkt, ihr müsstet uns ein schlechtes Gewissen einreden! Ich würde gerne verstehen, was da passiert ist, denn meiner Meinung nach haben all diese Zensoren die einzige Wirkung, nämlich das zu erzeugen, was sie zensieren.

In dem sie uns ein vermeintlich sittliches Versagen, eine moralische Verfehlung aufzwingen und uns so gegeneinander aufbringen. Kommt zur Vernunft, und zwar allesamt.

Toleranz wächst niemals aus Intoleranz, sondern mündet in Hass und Spaltung!

Es wird Zeit, dass wir diesen befremdlichen Zeitgeist, der schon viel zu lange in zu vielen Köpfen spukt, endlich hinter uns lassen!

Herbert Semsch, Brühl

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