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Die pure Selbstvergessenheit

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Zum Artikel „Ferda Ataman neue Beauftragte“ in der Ausgabe vom 8. Juli wird uns geschrieben:

Die skandalgeplagte katholische Kirche ernennt einen pädophilen Priester zum Missbrauchsbeauftragten. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace macht einen Rennfahrer mit Privatjet zum Klimaschutzbeauftragten. Die deutsche Bundesregierung ernennt eine Deutschen-Hasserin zur Antidiskriminierungsbeauftragten. Von den drei genannten totalen Fehlbesetzungen stimmt nur die letzte – eine Realsatire und Posse unserer reformeifrigen Fehlfarben-Regierung.

Während sich alle mit dem selbstverschuldeten Energiemangel beschäftigen, treiben Grüne und ihre Ampelverbündeten den gesellschaftlichen Umbau voran. Ob Genderfragen oder Migration – die ehemalige Umweltpartei konzentriert sich umso mehr auf die Identitätspolitik, als ihr Putins Krieg und die Folgen Kompromisse abverlangen: Kohle statt Russengas, Waffen statt Pazifismus und anderes mehr.

In Identitätsfragen hingegen polarisiert die Partei munter weiter und fördert extreme Positionen. Die Werkstatt für ihr Umerziehungsprogramm ist das neue Ministerium für „Wokeness“, früher bekannt als Familienministerium. Als „geframte“, verfälschend eingerahmte Nachricht berichtet die Zeitung über eine neue Amtsträgerin, Ferda Ataman, über die vor ihrer Wahl „viel diskutiert“ worden sei. Wobei das „Worüber“ verschämt verschwiegen wird. Und das aus bösem Grunde: Die türkischstämmige Publizistin, deren bisherige Wortmeldungen mehr von der Lust an der Diskriminierung als vom Gegenteil geprägt waren, hat jetzt hurtig Hunderte von Tweets mit Hohn und Spott über die Deutschen aus ihren sozialen Netzwerken gelöscht.

Von einer „fatalen Fehlbesetzung“ sprach denn auch Ahmad Mansour, ein bekannter Kritiker der Integrationsunfähigkeit von Muslimen in Deutschland. Die frühere Generalsekretärin der FDP, Linda Teuteberg, hatte in einem Interview ihre Partei vor einer spaltenden Identitätspolitik gewarnt. Vergebens. „Kartoffeln“ nannte Ataman alteingesessene Deutsche mehrfach. Und wer das nicht lustig fand, war ein „dünnhäutiger Emodeutscher“. Journalisten, die unter hohem persönlichen Risiko über Clankriminalität hierzulande berichteten, wurden von ihr und ihrem Verein „Neue deutsche Medienmacher und Macherinnen“ mit einer „Goldenen Kartoffel“ bedacht, die Recherche selbst in perfider Weise als „rassistisch“ denunziert.

Vorurteilsbeladenes Schwarz-weiß-Denken als Qualifikation? Dass die Grünen, die Ataman nominiert hatten, mit dieser Hetze kein Problem hatten, überrascht nicht. Das identitäre Denken, für das Ataman und ihr Verein eintreten, ist in Deutschlands tonangebender linker früherer Umweltpartei fest etabliert: Gruppenzugehörigkeit und Hautfarbe sind für die politische Karriere wichtiger als Qualifikation; je benachteiligter eine Person erscheint, desto größer ist ihr ideologisch-propagandistischer Wert.

Ein merkwürdiges Ergebnis deutscher Integrationskunst ist die Dame allemal, lehnt sie doch diejenigen ab, die ihre Bildung und den gesellschaftlichen Aufstieg finanziert haben. Über die FDP kann man sich dabei nur wundern: Bringt da doch eine Partei, die eigentlich vorgibt, an den Wert des Individuums zu glauben, eine Frau in ein Staatsamt, deren bisheriges Wirken nur um die angeblichen Schandtaten der „weißen“ Deutschen kreist! Ein Widerspruch zu den Grundwerten dieser Partei und eine Provokation für deren Wähler.

Was für die Profis im Bundestag ein Kuhhandel von vielen ist, kann aber beim Publikum als wiederholter Umfaller hängenbleiben. Wird die Staatsbeauftragte Ataman nun ihr neues Amt ernstnehmen und sich besonnener verhalten als die frühere Agitatorin und Aktivistin?

Möglich ist es, wahrscheinlich aber nicht. Mit der üblichen Masche, Kritik an ihrer abartigen Publizistik als rechte oder frauenfeindliche Kampagne abzutun, wird sie jedenfalls nicht durchkommen. Falls Ataman weitermacht wie bisher, wird neben den roten und grünen „Ampelisten“ auch die gelbe Partei am Ende den Schaden haben, deren Grundüberzeugung im Widerspruch zur Rot-grünen Identitätspolitik steht. Dann wird die FDP mit ihren Wahlergebnissen knapp oberhalb der Todeszone von fünf Prozent daran erinnert werden, dass auch sie diese Fehlbesetzung mitgetragen hat. Und jeder Versuch der Partei, die Einteilung von Menschen in Privilegierte und Unterdrückte allein über die Herkunft zu kritisieren, wird im Hohngelächter enden. Ferda Ataman hat jetzt nicht nur ein gut bezahltes Regierungsamt, sie hat auch den Ruf der FDP in ihrer Hand.

Winfried Wolf, Plankstadt

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