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Impfschutz - Gegen Dummheit kämpfen Götter selbst vergebens / Der Schutz durch die Impfstoffe ist enorm hoch Diese Berechnungen sind schlicht und einfach falsch

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Zum Leserbrief „Eine eigene Meinung bilden“ in der Ausgabe vom 27. März haben uns zahlreiche Reaktionen erreicht. Hier lassen wir drei Leser, die dazu Stellung nehmen wollen, zu Wort kommen: In diesem Leserbrief lässt sich Peter Machurich über Sinn und Zweck sowie über die Wirksamkeit einer Covid-19-Schutzimpfung aus. Ich möchte an dieser Stelle nur auf seine Ausführungen zur Wirksamkeitsstudie des Biontech-Impfstoffs eingehen.

Peter Machurich hat recherchiert, dass während der Studie in der Placebogruppe 0,746 Prozent und in der geimpften Vergleichsgruppe 0,037 Prozent der Probanden infiziert wurden. Daraus leitet er folgende Interpretation ab: Falls keine Impfung erfolgt, werden 99,254 Prozent (100 Prozent minus 0,746 Prozent) der Bevölkerung vor einer Covid-19-Infektion geschützt; nach erfolgter Impfung wären dies dann 99,9963 Prozent. Eine Differenz von circa 0,7 Prozent zugunsten einer Impfung. Um die Ergebnisse der Biontech-Studie auf diese irrige Weise zu interpretieren, genügt es nicht, nur Querdenker zu sein, dazu muss man schon hochgradiger Verquerdenker sein.

Auf die glorreiche Idee, die Infektionsergebnisse der Studie richtigerweise ins Verhältnis zueinander zu setzen, ist Machurich nicht gekommen. Dann wäre ihm aufgefallen, dass in der Placebogruppe sich circa Zwanzigmal mehr Probanden infiziert hatten als in der geimpften Vergleichsgruppe (0,746 geteilt durch 0,037 ist gleich 20,162). Dass heißt, in der geimpften Gruppe wurde nur ein Zwanzigstel beziehungsweise fünf Prozent der Probanden im Vergleich zur Placebogruppe infiziert. Damit wurden 95 Prozent der wahrscheinlichen Covid-19-Infektionen durch die Impfung vermieden.

Ich habe mir meine Meinung dahingehend gefestigt, dass eine Impfung gegen Covid-19 äußerst sinnvoll ist. Auch bin ich in meiner Gewissheit bestärkt worden, dass die alte Binsenweisheit „Gegen Dummheit kämpfen Götter selbst vergebens“ in Zeiten der Covid-19-Pandemie nach wie vor ihre Gültigkeit nicht verloren hat, sondern dass sie sich eher noch verstärkt präsentiert.

Dr. Wolfram Speck, Brühl

Die falsche Richtung

Der Leserbrief von Peter Machurich kann nicht ganz unkommentiert bleiben, da die Meinungsbildung möglicherweise in die falsche Richtung geht. Warum „scheint“ es nur so, dass durch Impfung 95 Prozent ein zusätzlicher Vorteil wären? Die erwähnten 0,709 Prozent ist der Unterschied zwischen Erkrankungen bei Nicht-Impfung und bei Impfung. Der zusätzliche (prozentuale) Schutz ergibt sich aus dem Verhältnis und nicht der Differenz der beiden Werte, nämlich 0,037 Prozent von 0,746 Prozent, das sind 0,037 Prozent durch 0,746 Prozent, ist gleich 4,96 Prozent, eine Reduzierung der Erkrankungen auf 4,96 Prozent oder um 95,04 Prozent (sic)! Das ist kein scheinbarer, sondern ein tatsächlicher Vorteil. Klarer wird der Sachverhalt, wenn man nicht mit Prozenten, sondern mit absoluten Zahlen rechnet. Bei einer Bevölkerung von 80 Millionen würden ohne Impfung 597 000 Menschen (0,746 Prozent) erkranken. Mit Impfung nur noch 30 000 (0,037 Prozent) und die noch dazu mit milderen Verläufen. Der suggerierte „geringe zusätzliche Schutz“ von 0,709 Prozent ist der Unterschied zwischen 597 000 und 30 000, nämlich 567 000 (95 Prozent) weniger Erkrankungen. Meiner so gebildeten Meinung nach ist das nicht gering.

Noch ein Wort zum Begriff „Schutz der Placebogeimpften“. „Placebogeimpfte“ stehen bei der Studie für die Gruppe von Nicht-Geimpften. Man untersucht nicht den Effekt eines Placebos, sondern mag in der Studie herausfinden, wie viele mit beziehungsweise ohne Impfung erkranken.

Dass man Placebos verimpft, hängt mit dem Doppelblindversuch zusammen, bei dem die Impfenden nicht wissen dürfen, welches das wirksame oder das Placebopräparat ist. 0,746 Prozent ist nicht allein das „Risiko der Placebogeimpften“ und damit nicht ein Schutz von 99,254 Prozent für „Placebogeimpfte“, sondern 0,746 Prozent ist das Risiko (also die Wahrscheinlichkeit) zu erkranken, wenn man nicht geimpft wird – für alle.

Eine „placebogeimpfte“ Person hat gegenüber einer nicht geimpften faktisch keinen zusätzlichen Schutz. Dr. Hans-Dieter Wehe, Altlußheim

Das sind Fake News

Peter Machurich verknüpft Wahrscheinlichkeiten miteinander, die nur über Multiplikation und Division nicht aber über Addition und Subtraktion verknüpfbar sind: Das Risiko, sich mit Corona zu infizieren, beträgt bei der Placebogruppe 0,746 Prozent und bei der Geimpftengruppe 0,037 Prozent. Das Erkrankungsrisiko eines Geimpften ist also 0,037 geteilt 0,746, ist gleich 0,05 mal geringer als das eines Ungeimpften. Ich wundere mich, dass Sie Machurichs Rechnung nicht als Fake News eingestuft haben und ihn auf seinen Fehler hingewiesen haben.

Martin Gassner, Plankstadt

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