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Bürgerkrieg - Die Flüchtlinge müssen neue Freunde gewinnen Ein demokratisches Syrien

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Wie viele Syrer leben zurzeit in Deutschland? Zirka 600 000. Sie stören selten, fallen weniger auf als andere Flüchtlinge, werden aber von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen. Sie haben auch keine Fürsprecher, noch nicht mal einen Zentralrat wie die 100 000 deutschen Juden. Da sie aus einem Bürgerkriegsland stammen, genießen sie „sekundären“ Schutz. Das heißt, sie haben keinen (primären) Anspruch auf Asyl, das sie möglicherweise erkämpfen müssten.

Auf der Grundlage der Genfer Konventionen verfügen sie über ein problemloses Aufnahmerecht – solange der Krieg in ihrer Heimat dauert. Doch für dessen Beendigung setzen sich die demokratischen Staaten nur zögerlich ein und, wenn überhaupt, allein mit Worten. Ob er je beigelegt wird, ist ungewiss. Bis dahin werden auch Assads Verstöße gegen die Menschenrechte weitergehen und ungesühnt bleiben: die Morde und Vertreibungen, das Foltern in den Polizeikellern.

Und die Europäer nehmen all das hin. Seit elf Jahren lassen sie zu, dass die Grundrechte der Syrer missachtet werden. Ihre Passivität deutet Assad als Einladung, den Druck auszuweiten. Derzeit stößt er in einer Region nahe Damaskus 50 000 Bürger der Stadt Dar’ä, sunnitische Muslime, in Angst und Not. Assads Armee, iranische Söldner und Terroristen der Hisbollah haben sie eingekesselt, blockieren die Lieferung von Lebensmitteln und beschießen eine der letzten selbstbestimmten, demokratischen Inseln im zerstörten Syrien. Russland beteiligt sich nicht an diesem Übergriff, ergreift aber auch keine Initiative zugunsten der Opfer. Sein Alliierter, Baschar al-Assad, droht, sie ins Flüchtlingslager Idlib zu vertreiben, um die EU vor einem Eingreifen abzuschrecken.

Und wir Deutsche? Wir informieren uns noch nicht einmal über sein menschenverachtendes Vorgehen. Es findet kein Echo. Ein exemplarischer Fall von Vogel-Strauß-Politik. Derweil nimmt weltweit der Druck auf uns zu. 82 Millionen Menschen sind auf der Flucht, vor allem Richtung Europa. Der UN-Hochkommissar für Flüchtlinge spricht neben den ersten beiden Motiven, von einem neuen, dritten, der lebensfeindlicher werdenden Umwelt.

Wie können die Zielländer reagieren? Die Deutschen sollten sich selbst und die Syrer informieren und sie ermutigen, Partner zu suchen. Israel etwa, das von der Hisbollah mit iranischen Waffen angegriffen wird, nun aber mit einem Muslim in der Regierung Freundschaft bei Arabern findet. Eine Unterstützung der demokratischen Syrer wäre ein Schritt zum Frieden, wirksamer als Bomben auf Gaza abzuwerfen.

Auch im Kampf gegen die Klimakatastrophe wären die Syrer gute Verbündete: Ihr Land verkommt, während Millionen Menschen verhungern. Die menschlich und technisch erfolgreichsten Projekte der Industrieländer in Afrika fördern die Landwirtschaft und bremsen die Erwärmung. Wälder werden gepflanzt. Sie senken, wie klein sie auch sein mögen, die Temperatur, halten Wasser zurück und verbessern die Fruchtbarkeit. Mit deutscher Hilfe könnten die Syrer Vorbilder werden.

Aiham Attabarrah und

Helmut Mehrer, Brühl

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