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Lärmbelästigung - Drei sehr unterschiedliche Sichtweisen / Bauland statt Parkplätze / Gewerbeflächen im Motodrom Ein Ring, sie zu knechten, sie alle zu finden, ins Dunkel zu treiben

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Viele Leserbriefe der letzten Zeit hatten sich ja, aus gegebenem Anlass und zu Recht, mit der Lärmbelästigung durch den Hockenheimring befasst. Und eigentlich müsste man dazu auch nichts mehr sagen. Allerdings zeigt diese „Fatzebugge -Umfrage“, die am Dienstag veröffentlicht wurde, dass einige Leute immer noch nicht den Schuss gehört haben. Ich möchte gleich darauf hinweisen, dass ich kein Anhänger der sogenannten sozialen Medien bin. Man sieht ja, was dabei rauskommt. So eine Umfrage kann nie repräsentativ sein. Hätte man so auch nicht durchführen sollen, wenn man an einem richtigen Ergebnis interessiert gewesen wäre!

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Ich stelle mir die Frage, wie viele dieser Personen sich bei einer Gemeinderatssitzung, Bürgerinformationsveranstaltung oder sonstigen Gelegenheiten informiert oder eingebracht haben, wenn es um die Belange von Hockenheim ging? Denn es geht hier nicht um den Hockenheimring alleine. Es geht einfach um die weitere Entwicklung von Hockenheim und wie wir in dieser Stadt in Zukunft leben werden.

Man mag berechtigt über die großen Zeiten des Hockenheimrings sprechen und stolz darauf sein. Ich bin gebürtiger Hockenheimer und habe in diesen großen Zeiten über den Verein so manchen Einsatz auf Campingplätzen, beim Reinigen der Tribünen et cetera verbracht. Somit den Verein unterstützt, als auch selbst Nutzen gezogen. Aber diese großen Zeiten sind eben vorbei und da hilft es auch nicht, wenn man wie in einem Mantra ständig wiederholt, wie toll sie waren, wie stolz man auf den Ring sein kann und wie bekannt er Hockenheim in der Welt gemacht hat. Dafür konnten und können wir uns nichts kaufen! Was geblieben ist, ist ein Damoklesschwert. Leider.

Diese größenwahnsinnige Idee, den Ring umzubauen, hat ihn von den Hockenheimern und von den Nachbargemeinden mindestens so weit entfernt, wie den Mond von der Erde. Man kann ihn sehen, er hat einen Einfluss auf die Umgebung, aber man weiß nicht, was darauf und was intern passiert. Es verschlingt Unsummen finanzieller Mittel, um dort etwas auf die Beine zu stellen.

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Im Rahmen von europäischen Vorgaben und Bundesgesetzen mussten die Kommunen sogenannte Lärmkartierungen erstellen und daraus Lärmaktionsplanungen ableiten. In Hockenheim ging man den Weg einer Bürgerbeteiligung. Was sich ab 2014 zunächst gut darstellte, endete aus meiner Sicht desaströs, obwohl sich hier sehr viele Bürger gut eingebracht hatten.

In der Endrunde stellt man praktisch fest, dass man gegen den Bahnlärm als auch gegen den Lärm vonseiten der Autobahn mehr oder weniger machtlos ist. Im gleichen Atemzug wurden zwei Notizwände mit negativen Bemerkungen, aber auch Anregungen und Ideen zum Hockenheimring von der Liste gestrichen oder auf die Seite gestellt und nie wieder hervorgeholt.

Was blieb, war der Lärm, der durch den normalen Straßenverkehr verursacht wird. Den wollte man in den Griff bekommen und daran arbeiten. Nur durch die Hartnäckigkeit der Bürgerinitiative „Biss“ konnte in Zusammenarbeit mit der Verwaltung wenigstens in Bezug auf den Bahnlärm ein Fortschritt erreicht werden! Danke dafür.

Die Stadt Hockenheim hat – Stand 31. Dezember 2020 – einen Schuldenstand von 28,579 Millionen Euro (Quelle: Statistisches Landesamt). Die Hockenheimring GmbH hat laut Bilanz 2019 Verbindlichkeiten von 29,181 Millionen Euro zu Buche stehen. Hierfür bürgt be-kanntlich die Stadt. Unbestreitbar dürfte sein, dass auch nach dem Interview vom 19. Februar in der HTZ für 2020 ein weiterer Verlust ausgewiesen wird. Denn aufgeschoben, ist ja nicht aufgehoben.

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Hinzu kommt, dass sowohl in der Stadt Hockenheim als auch beim Ring jeweils Investitionsstau besteht. Diese auf beiden Seiten fehlenden Mittel und anstehenden Investitionen sind die Hauptlast. Deshalb wird so (re-)agiert.

Laut letzter Gemeinderatssitzung ist hier zwar ein Teil der zu tätigen Investitionen für die Stadt gedeckt –wird aber trotzdem in den nächsten Jahren zu einer weiteren Verschuldung der Stadt führen. Die Investitionen am Ring dürften ebenfalls im oberen zweistelligen Millionenbereich liegen. Wie oft hier Ed Sheeran singen müsste? Das bringt mich dazu zu fragen, welches Konzept verfolgt man am Ring? Leider konnte ich am Treffen vor Ort nicht teilnehmen. Geht es weiter mit der E- Mobilität? Besinnt man sich nur auf die Vermarktung der Strecke für Renn-, Lauf- und Privatevents? Welche neuen Ansätze hat man hier? Hier möchte ich, auch wenn das Oberbürgermeister Zeitler nicht gerne lesen wird, noch mal an sein Wahlversprechen erinnern, Transparenz über den Ring zu schaffen.

Meine Vorschläge und Ideen habe ich der Verwaltung schon im Rahmen des Gesamtstädtischen Entwicklungskonzeptes (GEK) gesendet. Denn eine Entwicklung Hockenheims, bei der man den Ring außen vor lässt, funktioniert nicht. Diese Vorschläge beim GEK zu berücksichtigen und den Ring mit ins GEK einzubinden, wurden aber vonseiten der Verwaltung abgelehnt.

Man stelle sich mal vor, wenn man keine oder viel weniger Flächen, die zurzeit für das Parken ganzjährig vorgehalten werden, in Baugrund umlegen könnte. Baugrund, welcher der Stadt gehört und somit zur Sanierung der Finanzen beitragen könnte. Neue Bürger würden sich ebenfalls positiv auf den Stadtsäckel auswirken. Man könnte endlich mal einen vernünftigen dezentralen sozialen Wohnungsbau betreiben. Ich gehe noch weiter, da in spätestens fünf, maximal zehn Jahren das Renngeschehen ganz zu Ende sein dürfte. Hockenheim ist am Ende mit seinem Industriegebiet Talhaus. Warum nicht hier Flächen des Motodroms für neue Betriebe ausweisen? Man könnte ja die Innentribüne und Teile der Südtribüne weiter nutzen, um im Innenbereich Konzerte abzuhalten. Die Dächer der Tribünen könnte man nach und nach durch Solarzellen ersetzen. Im hinteren Bereich könnte man weitere Solaranlagen erstellen oder Windkraftanlagen stellen. Hierzu wäre es nicht notwendig, weitere Bäume zu fällen, um Zufahrtsstraßen oder Standorte zu erschließen. Die Entfernung zur Wohnbebauung sollte hier auch den gesetzlichen Abständen entsprechen. Diese Technologie ist auf jeden Fall sicherer als irgendwelche Geothermiekraftwerke! Investoren für Windkraftanlagen sind bestimmt schnell zu finden. Arbeitsplätze würden auch geschaffen.

Ich weiß, dass hier jetzt einige der „Fatzebugger“, ganz tief Luft holen werden, mir die Pest an den Hals wünschen und noch vieles mehr. Aber vielleicht denken Sie erst einmal darüber nach. Wir werden, jeder ab September, egal wer an die Regierung kommt, noch höhere finanzielle Belastungen bekommen. Um der Klimakrise wenigstens noch ein bisschen die Stirn bieten zu können.

Ich habe mir Gedanken zu meiner Heimatstadt Hockenheim gemacht. Und Sie?

Uwe Wacker, Hockenheim

Überhaupt nicht repräsentativ

Vor Kurzem habe ich den Artikel „Ringlärm für viele Befragte nicht störend“ von Matthias Mühleisen gelesen, wobei man durch die Überschrift zu der Meinung gelangen könnte, es handle sich um eine mehr oder weniger repräsentative Umfrage unter der Bevölkerung. Allerdings nehmen Sie hier Bezug auf eine Umfrage in einer Facebook-Gruppe, die tatsächlich, wie Sie auch in Ihrem Kommentar äußern, weit entfernt von repräsentativ ist. Auch ich habe bereits von der Umfrage gehört und diverse Meinungen gelesen, von denen einige Ihrerseits zitiert werden. Ich bin dafür, dass jeder seine Meinung äußern kann und dies tun sollte, jedoch sollte dabei auf ein gewisses Maß an Anstand geachtet werden, was nicht immer der Fall war.

Es entbehrt auch nicht einer gewissen Komik, wenn jemand behauptet, dass es klar sein müsse, dass es in Hockenheim lauter sei und den Satz anhängt: „Man kann ja nicht am Bahnhof wohnen und denken, ich höre keinen Zug.“ Offensichtlich hat die Verfasserin noch nichts davon gehört, dass Mitglieder der BI „Stille Schiene“ und die Hockenheimer Stadtoberhäupter ein Verfahren gegen die Bundesbahn wegen mangelndem Lärmschutz angestrengt haben. Die denken doch hoffentlich nicht, man könne am Bahnhof leben, ohne einen Zug zu hören.

Auch kann ich nicht die Logik hinter dem Satz „Lärm heißt Leben in Hockenheim“ erkennen, wenn daran die Erkenntnis „da stört mich der Fußballplatz vor meiner Tür mehr“ angehängt wird. Leben heißt meiner Meinung nach, dass zwei oder mehrere Menschen zusammen Sport ausüben oder sich austauschen, aber nicht, dass man aus der Ferne Motoren von Leuten dröhnen hört, die hier ein paar Euros auf den Tisch legen, um mal so richtig, ohne Rücksicht auf Mensch oder Natur, Gas zu geben. Meist kommen diese Leute aus Gegenden, wo derartige Aktivitäten verboten sind. Und ziehen sich auch anschließend wieder dahin zurück, während in Hockenheim tausende Tonnen CO2 nur zum Spaß einiger betuchter Herrschaften in die Atmosphäre geblasen werden.

Überhaupt scheint der Umweltgedanke in Hockenheim nicht so richtig angekommen zu sein. Südeuropa brennt, in der Mitte gibt es verheerende Überschwemmungen und in Sibirien taut der Permafrostboden. Aber Klima findet ja nicht in Hockenheim, sondern woanders statt. Angesichts der Tatsache, dass so viele Menschen Hab und Gut und ihre Existenz verloren haben, hoffe ich sehr, dass oben erwähnte Umfrage nicht die repräsentative Meinung der Hockenheimer Bevölkerung widerspiegelt. Zum Schluss möchte ich noch anmerken, dass Lärm, egal wie und wo er entsteht, Stress und Krankheiten auslöst.

Claus Güppner, Hockenheim

Rächer der Lärmwaisen

Robin Hood, der Bundesvorsitzende von „Bled“, also der „Bürgerinitiative der Lärmgeplagten, Entnervten und Dreiviertelverrückten“, betonte kürzlich das unabdingbare Grundrecht eines jeden Bürgers, Lärm auch dort zu hören, wo keiner ist. Hood, der den Beinamen „Rächer der Schallwitwen und Lärmwaisen“ trägt, bemerkte, dass die Kosten durch Überbelegung psychiatrischer Einrichtungen mit Lärmgeschädigten die Einnahmen der Stadt durch den Hockenheimring um ein Vielfaches übersteigen.

„Bled“ war vor vielen Jahren gegründet worden, nachdem der Ferrari von Michael Schumacher durch ein Reilinger Wohnzimmer gefahren war. Derzeit häufen sich bei „Bled“ berechtigte Beschwerden lärmgestresster Bürger aus Oftersheim, Schwetzingen, Stuttgart, Frankfurt und Berlin, deren Gesundheit durch die Rennstrecke in vollkommen inakzeptabler Weise Schaden nehme, so Hood weiter.

Ein besonders krasser Fall wurde ihm aus England berichtet, wo die Bogenschützen vom Sherwood Forest durch den Hockenheimring in ihrer Konzentration gestört werden. Entschuldigung, aber wie soll man bei dem Krach sorgfältig zielen können? Hood forderte die Errichtung von mindestens 20 Lärmschutzwällen aus Stahlbeton rund ums Motodrom, jeder fünf Meter dick und 50 Meter hoch, um die Lärmbelastung wenigstens auf ein halbwegs erträgliches Maß zu reduzieren. Außerdem verlangte er, die Tribünen durch Rollläden abzudecken, damit sie nicht mehr wie Spiegelreflektoren für den Lärm wirken können und Autorennen nur noch bei Windstille zu erlauben.

Jürgen Hanselmann,

Hockenheim

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