Eine Kerwe – bitte traditionell

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Zur Kerwe in Brühl am vergangenen Wochenende wird uns geschrieben:

Was hat sich der liebe Petrus eigentlich dabei gedacht, uns zwei Tage lang mit Regen zu überschütten? Es dürfte sein Geheimnis bleiben. Aber als fröhlicher, eingebürgerter Kurpfälzer muss man das wohl nicht verstehen.

Die Lärmbelästigungen hielten sich in Grenzen. Größere Streitigkeit, Rüpeleien, Randalierer oder Sachbeschädigungen blieben, soweit mir bekannt, weitestgehend aus. Ich möchte mich bei allen aktiven und passiven Mitgliedern der Chorgemeinschaft Brühl Baden (CGBB) und deren Angehörigen für die erbrachte Arbeitsleistung bedanken. Für diese fünf Tage inklusive Auf- und Abbau waren zirka 90 Personen in drei Schichten im Einsatz, manche mehrmals. Ich gestehe, stolz auf unsere Mitglieder zu sein, für die Bereitschaft sich bei solch einem verregneten Event einzubringen und den Verein positiv zu repräsentieren.

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Mein Dank geht darüber hinaus an das Organisationsteam, der Gemeinde Brühl und den Mitarbeitern der Firma Krusig für eine gelungene Organisation. Dass dieses Fest einen friedlichen, harmonischen Verlauf nahm, ist sicher auch der Präsenz der Ordnungskräfte zu verdanken.

Ich bedauere, dass sich nur sechs Brühler Vereine an der Kerwe beteiligten. Ich bin mir sehr wohl bewusst, dass die Pandemie, die Überalterung der Mitglieder in den Vereinen, Spuren hinterlassen hat. Das zudem die Großvereine mit ihren Aktiven nebst Betreuern am Wochenende im sportlichen Wettkampf eingesetzt sind, ist mir auch bekannt. Aber dass sich weniger als zehn Prozent der Brühler Vereine bei unserer Straßenkerwe einbringen, stimmt mich schon etwas traurig.

Auch wir, die CGBB, haben diese Probleme, aber wir stellen uns (noch) dieser Herausforderung. Samstag und Sonntag waren wir Dank des ständigen Regens fast alleine auf dem Platz und hatten somit viel Zeit zum Nachdenken und Philosophieren. Leider mussten wir feststellen, dass leere Zelte schlechte Ratgeber sind.

Es gilt immer noch das Motto: „Heit wie damals, Kerwe in Brühl.“ Ich aber sage Euch: „Nix ist mehr wie es früher einmal wahr.“ Alleine der „Leitfaden für den Umgang mit Lebensmitteln auf Vereins- und Straßenfesten“ und der geforderte Verbraucherschutz ist ein Kostenkiller und ein Risikofaktor für jeden Vereinsvorstand. Dass sich feste Kosten für Standmiete, Leihgebühren et cetera trotz fehlender Einnahmen nicht reduzieren lassen, ist Berufsrisiko. Aber das hatten wir ja schon beim Sommerfest in der Grillhütte beschrieben.

Ich aber möchte dennoch behaupten, dass die Bereitschaft der Vereine trotz aller Widrigkeiten sich an der Kerwe einzubringen, doch einiges bewegen würde:

1. Eine Beteiligung der Vereine an der Kerwe brächte mehr Vielfalt auf die Gaß.

2. Mitglieder, die ihrem Verein die Aufwartung machen, beleben die gesamte Kerwe.

3. Werbung in eigener Sache, Vorstellung der Aktivitäten des eigenen Vereins.

4. Jeder Euro, der über Feste generiert wird, muss nicht über Zuschüsse oder Beitragsanpassung eingefordert werden.

Die Gemeindeverwaltung und Vereinsverantwortlichen machen sich sicherlich darüber Gedanken, wie die Kerwe (andere Gemeinden haben sicher die gleichen Probleme) in Zukunft gestaltet werden kann. Straßenkerwe sollte Brauchtumspflege sein. Man kann natürlich auch abwarten, bis sich traditionelles Kulturgut von selbst auflöst.

Der diesjährige Kerwemontag, ein Feiertag (Tag der Deutschen Einheit), war wie früher: „ein Tag wie damals, Kerwe in Brühl“. Volle Stände und Buden, Lebenslust über Generationen hinweg, hervorragender Ab-, ja Ausverkauf – so sollte die Brühler Straßenkerwe sein.

Sollte sie jedoch zum reinen, kommerziellen „Ballermann“, ja zur Partymeile werden, auch gut, aber dann muss das Motto lauten: „Leben und Feiern im Wandel der Zeit“ und nicht mehr: „Heit wie damals, Kerwe in Brühl.“

Ludwig Wocheslander, Brühl