Empathisches Verhalten gefragt

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Zur Schwetzinger Verkehrssituation schreibt uns dieser Leser mal wieder:

Wieder ist ein Jahr vergangen. Am 5. Januar gibt es mit unserem OB Dr. Pöltl wieder einen Neujahrsempfang. Da hätte ich einige Weihnachtswünsche vorzutragen, die dieses Jahr leider liegen geblieben sind.

Am Rondell wurde von Verkehrsplanern eine Straßenbemalung aufgebracht, die an Paranoia, aber nicht an übersichtliche und sinnvolle Gestaltung erinnert. Dass es noch zu keinem Crash kam, ist der komplizierten Wegführung zu verdanken, wo alle Radfahrer und Autofahrer erst mal langsam tun, um sich zu orientieren.

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Warum fehlt den Stadtoberen der Mut, die innere City von Schwetzingen zu Radstraßen und Shared-Space-Zonen zu erklären? Dann erübrigen sich die halsbrecherischen Radwegmarkierungen und vereinzelte Radstraßen. Im gesamten Innenraum gilt dann gleiches Recht für alle. Die Radfahrer bestimmen die Geschwindigkeit und die Autos passen sich an. In der Karlsruher Straße klappt es doch auch schon gut. Dann fragt man sich immer wieder, warum an der stark befahrenen Kreuzung Carl-Theodor- und Nadlerstraße nicht längst die Ampeln demontiert worden sind und ein Minikreisel gebaut wurde. Jetzt zur Weihnachtszeit können es alle wieder erleben, dass sich die Autos und Linienbusse bis zum Bahnhof zurückstauen. Das gibt neben überflüssigem Lärm und Schadstoffe eine Tonne CO2-Mehrverbrauch pro Tag.

Zur Frage vom Sinn für Ampeln haben wir dieses Jahr leider einen tragischen Fall erlebt. Eine Seniorin hatte bei Fußgängergrün den Gehweg in der Ketscher Landstraße auf Höhe des Stadions überquert und ist vom Auto erfasst und tödlich verletzt worden. Leider ist die genaue Unfallursache immer noch nicht bekannt gemacht worden. Ich vermutet mit einiger Wahrscheinlichkeit, dass das Auto zu schnell fuhr oder der Fahrer auf dem Handy herumgedaddelt hat und so die rote Ampel übersehen hat. Wäre es nicht besser, ganz auf solche Ampeln zu verzichten, die uns in der falschen Sicherheit wiegen, dass der andere sich an die Regeln hält. Man muss Kindern schon früh klarmachen, dass Fußgängerrot an der Ampel nie bedeutet, dass sie gleich losrennen dürfen. Erst müssen sie sich durch Blicke nach links und rechts überzeugen, ob die Straße frei ist.

Genau da setzt Shared Space an, weil es von den Verkehrsteilnehmern empathisches Verhalten fordert. Einander in die Augen zu schauen und sich Handzeichen geben, wie man es im Restaurant oder Theater macht. Die verunglückte Frau würde wahrscheinlich noch leben, wenn sie der Fußgängerampel misstraut und so den Wagen bemerkt hätte. Wir alle sind nur Menschen und machen Fehler. Da freuen wir uns, wenn wir uns auf die Umsicht anderer verlassen können.

So wünsche ich unserer Stadtregierung den Mut der spanischen Stadt Pontevedra – eine Stadt ohne Autos. Dafür dürfen die außerhalb des Stadtkerns kostenlos parken.

Ulrich Pfeiffer, Schwetzingen