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Schwetzinger Gemeinderat - Von dicken Hälsen und geplatzten Kragen / Ein Rückblick auf die Wurzeln der Freien Wähler Es war einmal . . .

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Es war einmal eine Gruppe kluger, kritischer Bürgerinnen und Bürger, die es sich zur guten Gewohnheit machte, den Schwetzinger Stadtoberen bei ihrem Tun und Lassen etwas genauer auf die Finger zu schauen. Die Menschen in Schwetzingen wunderten sich ob der gewonnenen und veröffentlichten Erkenntnisse manchmal, wie Dinge jahrelang unbesehen hatten geschehen können.

Die Gruppe bekam mehr und mehr Zulauf von Bürgern, die nicht mehr angelogen werden wollten. Von Menschen, die ihre Vorstellungen in der praktischen Politik realisiert sehen wollten. Man versammelte sich und diskutierte, suchte gemeinsam nach der besten Zukunft für unsere schöne Stadt. Höhepunkt der Geschichte war die fulminante Abwahl des Oberbürgermeisters, desjenigen, der bislang mit Macht die Fäden in der Hand gehalten hatte. Wird so irgendwann einmal ein Märchen erzählt werden, das Märchen von den mündigen Schwetzinger Bürgerinnen und Bürger? Oder wird es gar Teil der Geschichtsschreibung?

Womöglich denkt der geneigte Leser, da überschätze wohl jemand das Potenzial eines kleinen Häufchens unbeirrbarer Idealisten, deren Vordenker gerne im Hintergrund bleibt und die sich vom Zorn derer ernähren, die sich ungerecht behandelt fühlen. Aber nein, das gab es wirklich in Schwetzingen. Die Gruppe hieß „Schwetzinger Wählerforum“.

Nachdem die Gruppe den Oberbürgermeistersessel neu besetzt hatte, gab es wieder Hoffnung in der Stadt. Die Hoffnung, dass es anders weitergehen könnte als bisher, gerecht, mit echter, direkter Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger an allen wichtigen Entscheidungen. Die Hoffnung, dass Entscheidungsprozesse künftig transparent gemacht würden. Die Hoffnung, dass sich die Stadt kulturell öffnen würde in Richtung Vielfalt und echter Weltoffenheit. Die Hoffnung, dass diejenigen, die niemanden in der Verwaltung oder im Stadtrat kannten und die vielleicht aus einem anderen Land hergekommen waren, die gleichen Chancen haben sollten wie der, der aus dem jahrhundertealten Schwetzinger Ackerbürgertum stammte und mit dem einen verwandt, mit der Zweiten verschwägert und dem Dritten befreundet war.

Alle diese Hoffnungen wurden enttäuscht. Der neue Oberbürgermeister sah sich Beharrungskräften ausgesetzt, deren Wucht sich niemand in seiner Umgebung hatte vorstellen können. Er warf das Handtuch und machte einem Nachfolger Platz, der die Fäden wieder in die Hand nahm. Der wieder die Unterstützung der konservativen Kräfte hatte, in der Stadt und darüber hinaus.

Und was machte das Wählerforum? Dort suchte man – aus Angst, in der Bedeutungslosigkeit zu versinken – nach Berührungspunkten mit der allererzkonservativsten Truppe in der Stadt. Und fand sie. Schnell war der Ballast aus früheren Zeiten abgeworfen und die Schwetzinger Freien Wähler aus der Taufe gehoben. Ironie der Geschichte: Genau die Freien Wähler, denen jetzt ob der klugen, kritischen Fragen aus den Reihen der Aktiven Bürger zuerst der Hals dick wird und dann der Kragen platzt, waren seinerzeit Mitglieder des Wählerforums, das dem Schwetzinger Klüngel erfolgreich den Kampf angesagt hatte.

Es war einmal . . .

Manfred Kern, Schwetzingen

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