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Experten und ihre Expertisen im öffentlichen Fokus

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Über das Zeitalter der Krisen und die zu Wort kommenden Experten schickt uns dieser Leser seine Meinung:

Als ob Finanzkrise, Flüchtlingskrise, Wirtschaftskrise, Klimakrise und schließlich die Corona-Krise noch nicht Belastung genug wären, trifft uns das seit sechs Monaten andauernde Kriegsgeschehen in der Ukraine auf brutalste Weise, mit dem Resultat einer nicht kalkulierbaren Energie- und Nahrungsmittelkrise.

Und all diese Ereignisse haben eines gemeinsam, sie offenbaren nichts Gutes. Man wähnt sich mittlerweile ja fast schon in einem Zeitalter der Krisen. Betrachtet man die globalen Tendenzen der fortschreitenden Ausbreitung autoritärer Regime, so haben wir es mit einer massiven Veränderung der politischen Systemkonstellationen zu tun, weg von freiheitlich und demokratieorientierter Ausrichtung hin zu totalitär-diktatorischen Regierungen mit skrupellosen, egomanen Protagonisten an der Spitze.

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Hier lässt sich unschwer erkennen, dass bereits die nächste Krise auf dem Vormarsch ist, die unser aller Leben nachhaltig beeinflussen wird. Ob diese Krise dann Informations-, Propaganda- oder einfach nur als Systemkrise bezeichnet werden wird, bleibt dabei unerheblich.

Zurückblickend kann man sagen, all diesen Krisen ist inhärent, dass sie stets von Fachleuten, den sogenannten Experten, maßgeblich begleitet wurden. Die Verantwortlichen der Ministerien in Bund und Ländern haben immense Millionenbeträge an Berater für Fachexpertisen bewilligt und ausgegeben. Die Expertisen dieser Experten und deren Statements dienten schließlich als Handlungsbasis mit leider oft fragwürdigem Ergebnis. Denn viele dieser sogenannten fachspezifischen Spezialisten kamen nach eingehender Sachanalyse zu ganz unterschiedlichen, ja zum Teil fast konträren Bewertungen der jeweiligen Situation und Sachlage.

Die Corona-Pandemie hat uns darüber hinaus überdeutlich vor Augen geführt, wozu Uneinigkeit und fehlende Strategie in essenziellen Fragen führen kann, was schließlich die Querdenker, Verschwörungstheoretiker, Haber und auch die Impfgegner beflügelte. So stellt sich die Frage nach dem Wert und der Sinnhaftigkeit einer solchen Vorgehensweise, wo trotz gebündeltem Fachwissen deren Glaubwürdigkeit in weiten Teilen auf der Strecke bleibt und viel Vertrauen verloren geht – die Krisenherde dieser Welt offenbaren dies letztlich mehr als deutlich.

Was soll oder kann man noch glauben und lässt sich die täglich neu hereinbrechende Informationsflut überhaupt noch verifizieren und objektiv beurteilen?

Leider sind Unrechtsbewusstsein und Eingeständnisse von Fehlverhalten und Fehlentscheidungen bei den entsprechenden Verantwortungsträgern nicht sehr ausgeprägt, denn wie sonst lässt sich die bisher einzige Stellungnahme der Ex-Kanzlerin deuten, wenn sie sagt, dass sie in ihrer Amtszeit ohnehin alles richtig gemacht habe und daher auch keine verbale Korrektur für notwendig erachte. Wie eindrucksvoll und souverän sie als Kanzlerin reüssierte, war schon bemerkenswert, was schließlich auch von vielen Wählern über einen sehr langen Zeitraum positiv bewertet wurde. Doch das ist auch wieder nur die halbe Wahrheit.

Fakt jedenfalls bleibt, dass sie in ihrer Amtszeit auch eine abgrundtiefe Abhängigkeit von russischem Gas, Öl und Kohle geschaffen und zu verantworten hat, was uns jetzt ganz bitter und sehr teuer auf die Füße fällt. Das hätte man, auch ohne Expertenrat, spätestens nach der Krim-Annexion 2014 besser wissen müssen. Hier stellen sich dann erneut Fragen: Wo waren bei diesen Entscheidungen die Regierungsberater, die Experten und Spezialisten? Waren deren Synapsen vielleicht nicht aktiviert oder zu was haben sie wirklich geraten? Die Expertisen dieser Experten darf man daher auch hinterfragen und sogar in Zweifel ziehen, denn so ganz richtig kann ihre wertende Einschätzung und Beurteilung wohl nicht gewesen sein.

Umso bemerkenswerter ist allerdings, wenn genau dieselben Fachleute und Experten mit ihrem geballten Fundus an Fachwissen, sich nun medienwirksam in Talkrunden und Livesendungen präsentieren und uns erneut die Weltlage erklären. „Errare humanum est“ (Irren ist menschlich) – kann ja mal passieren, möchte man denen zugutehalten, wenn da nicht die fatalen Folgen wären. Ein „weiter so“ mit der Maxime „höher – schneller – weiter“, immer nur auf permanente Wachstumssteigerung und Gewinnmaximierung ausgerichtet, das darf es nicht mehr geben.

Ein Aufbrechen alter und verknöcherter Strukturen, die Systemveränderung sowie neues, wertfreies und viel mehr altruistisches Denken und Handeln sind jetzt gefragt, wenn wir unseren Kindern und Enkeln eine lebenswerte Zukunft auf diesem Planeten ermöglichen wollen. Die Zeit drängt.

„Wenn wir Dinge erreichen wollen, die noch nie erreicht wurden, müssen wir Methoden anwenden, die noch nie zuvor versucht wurden.“ Das hat Francis Bacon, ein englischer Philosoph, geschrieben. Gerhard Kiermeier, Hockenheim

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