Fehlanzeige bei der Kuba-Resolution

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Fehlende Berichterstattung über einen Beschluss der UN bemängelt dieser Leser in seinem Brief an uns:

In der UN-Vollversammlung aller Staaten dieser Welt vollzieht sich einmaliges – und die Politikredaktion vom Mannheimer Morgen beschließt, dieses Ereignis ihren Lesern vorzuenthalten? Was hat sich ereignet? 185 Staaten gegen zwei, das heißt, fast die ganze Welt gegen ein Land!

185 Staaten haben in einer Resolution die seit 60 Jahren andauernde Wirtschafts-, Handels-, und Finanzblockade der USA gegen Kuba verurteilt und ihre sofortige Beendigung gefordert! Auf die Seite der USA stellte sich nur Israel, das nach Lust und Laune seine Nachbarstaaten terrorisiert (Gaza, Libanon, Syrien, Irak) und das Dutzende iranischer Wissenschaftler umbrachte sowie demnächst wohl eine Regierung unter Einschluss rassistischer und faschistischer Parteien bekommt!

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Wie kam es zu dieser wirklichen Weltgemeinschaft? Während der ersten Pandemiewelle mit den furchtbaren Bildern zum Beispiel aus Bergamo, wo die Särge in Latswagen weggebracht und in Massengräbern verscharrt wurden, schickte Kuba medizinisches Personal nach Italien, während die deutsche Bundesregierung unter der „schwäbischen“ Kanzlerin auf gut schwäbisch verlauten ließ: „Mir gebbet nix!“

Während die deutsche Bundesregierung unter Merkel und Scholz den Patentschutz für Biontech-Impfstoffe bis zuletzt verteidigten, sodass diese Impfstoffe für die ärmeren Länder unerschwinglich blieben, gab Kuba, das trotz des US-Boykotts mehrere Impfstoffe entwickelte, diese an die ärmeren Länder kostenfrei ab – gemäß der wunderbaren Aussage Che Guevaras „Solidarität ist die Zärtlichkeit der Völker!“ Dass reichere Länder für die medizinische Unterstützung durch Kuba zahlten, ist nur gerecht und angebracht!

Wie Kuba leiden viele ärmere Länder unter den neokolonialen Praktiken der westlichen Wertegemeinschaft (Profit), wenn auch in nicht so extremem Ausmaß wie Kuba, da die USA sie nicht nur mit ihren eigenen Waren boykottieren, sondern diesen Boykott zum Beispiel auch europäischen Firmen und Banken aufzwingen, indem sie Firmen, die mit Kuba handeln, vom US-Markt ausschließen. So weigern sich europäische Banken, Überweisungen nach Kuba zu transferieren. Und die EU, die doch auch Weltordnungsmacht sein will, lässt es sich gefallen, dass auf ihrem Territorium fremdes, exterritoriales Recht exekutiert wird. So etwas nennt man eigentlich ein „Vasallenverhältnis“.

Zu fragen bleibt noch warum nahezu alle Massenmedien (Tagesschau, Heute, überregionale Zeitungen) ihre Leser nicht über diese Abstimmung und ihr Ergebnis informiert haben. Zum einen vermute ich ein Sprachproblem: Wenn man nach der Abstimmung in der Generalversammlung am 12. Oktober über die Resolution zu den Volksabstimmungen im Donbass das Ergebnis mit 143 gegen fünf Stimmen und 35 Enthaltungen mit folgenden Worten kommentierte: „Putin hat nur noch vier Unterstützer“ (Stern), „Moskau international klar isoliert“ (Tagesschau online), N-TV sprach gar von „einer historischen Mehrheit der Weltgemeinschaft“ – tja, was soll man dann schreiben, wenn 185 Staaten sich wirklich zu einer Weltgemeinschaft verbünden und es die USA sind, die so isoliert sind, wie man isolierter gar nicht sein kann?

Die andere Antwort ist das „Narrativproblem“: In einer Zeit, in der sich die westliche Wertegemeinschaft, bestehend aus USA, EU, Kanada, Australien und Japan, für den Nabel der Welt hält und beansprucht, für die ganze Weltgemeinschaft zu sprechen, passt eine solche Nachricht überhaupt nicht, die die totale Isolation des selbsternannten Welthegemons USA offenlegt. Und offensichtlich haben die meisten Journalisten das abschreckende Beispiel, das an Julian Assange exekutiert wird, schon internalisiert.

Günter Pfisterer, Hockenheim