AdUnit Billboard

Für das Gemeinwohl – oder nur eine Posse?

Lesedauer

Zur öffentlichen Gemeinderatssitzung in Neulußheim vom 21. Juli wird uns geschrieben:

Im Hopplahopp-Verfahren bringt der Neulußheimer Gemeinderat am Donnerstag den Antrag der Freien christlichen Schule Neulußheim (FCSN) auf die Tagesordnung, auf dem Gelände der Alten Schule Neulußheim einen Neubau zu errichten . Nun wird die Gemeindeverwaltung beauftragt, einen „vorhabenbezogenen Bebauungsplan“ zu erstellen.

Wo bleibt da die Öffentlichkeitsarbeit? Wo der runde Tisch? Gab es einen Aushang über das Bauvorhaben im Rathaus? Veröffentlichungen in der Presse? Informationen der FCSN an die hiesigen Anwohner und Anwohnerinnen? Wo ist die viel gepriesene Bürgernähe, das Zuhören, Eingehen auf die Belange der Bürger von einzelnen Parteien? Alles längst vergessen!

Seit Wochen bemühen sich Neulußheimer Bürger und Bürgerinnen mit den Parteien ins Gespräch zu kommen. Es geht darum, für die jetzt schon problematische Verkehrssituation in und um die neue Ortsmitte Lösungen zu finden. Durch den Bring- und Abholvorgang mit Autos der Schuleltern, die vorwiegend von außerhalb kommen, werden die engen Zubringerstraßen zu einem Nadelöhr, Einfahrten werden zugeparkt und Kinder gefährdet.

Man macht konstruktive Vorschläge, spricht die einzelnen Ortsvertreter, ebenso den Bürgermeister im persönlichen Gespräch immer wieder an, macht Ortsbegehungen, um auf die unerträgliche Verkehrssituation hinzuweisen. Die eine oder andere Partei ignoriert die Fakten, der Bürgermeister teilt nicht die Wahrnehmung seiner Bürger. Andere Fraktionen sind bereit einen zur öffentlichen Sitzung einzuladen.

Mitten in diesen Prozess hinein erreicht uns Anwohner dann per Zufall am 12. Juli im Internet die Nachricht von einem geplanten Neubau der FCSN auf dem Gelände des alten Schulhofs. Der Antrag der FCSN war am 26. Mai im Rathaus eingegangen. Für den 21. Juli war die öffentliche Gemeinderatssitzung angesetzt, auf der das Vorhaben verhandelt werden sollte. Ein reiner Verwaltungsakt? So kurz vor den Ferien?

Durch diesen oben genannten projektierten dreistöckigen Neubau, der für Fachräume deklariert ist, aber jederzeit vier weitere Schulklassen, also 80 weitere Schüler und Schülerinnen fassen könnte, wird sich die unerträgliche Verkehrssituation massiv verschärfen. Da die FCSN sich seit 25 Jahren erlaubt, ihre Versprechen und Zusagen nicht einzuhalten und auch ihr Geschäftsführer Weißer am 19. Juli öffentlich von einem 20-prozentigen Zuwachs an Schülern sprach, ist unsere Befürchtung realistisch.

Natürlich darf und soll diese Schule wachsen! Aber nicht, auch für sie selbst nicht, dicht eingezwängt in dieser Ortsmitte, die aus allen Nähten platzt und offensichtlich nicht mehr Mitte unseres Ortes sein soll! Weshalb wählt die FCSN nicht einen anderen Standort, der ihr von Neulußheim schon oft angeboten wurde, um alle Funktionen ihrer Einrichtung unter einen Hut bringen zu können? Auch die Lusshardtschule hat das so getan! Viel Ärger bliebe so allen Beteiligten erspart.

In der öffentlichen Sitzung erging dann der Appell der Bürgerinnen und Bürger an die Gemeinderäte, nicht über die Bedürfnisse und Anliegen der Neulußheimer hinweg für die Partikularinteressen eines privaten Trägers zu entscheiden. Der Appell verhallte bei einer Pattmehrheit (mittels Stimme des Bürgermeisters), Argumenten gegenüber waren die Befürworter des Neubaus nicht zugänglich. Stattdessen durften wir Bürger Zeugen von Wortmeldungen einzelner Gemeinderäte werden, die bar jeder Professionalität mit vorgefertigten Meinungen ihrem Lobbyismus frönten.

Schade eigentlich. Denn dieser Abend hat auch gezeigt, dass Bürger sich politisch engagieren können. Das Hauptargument für die Unterstützer und Unterstützerinnen im Gemeinderat, die FCSN sei „eine Bereicherung“ für Neulußheim, müsste noch eingelöst werden. Ansonsten geht die Entwicklung nur auf Kosten des Dorfes. Denn „bereichern“ kann ich einen Ort nur, wenn ich hier lebe und mitwirke.

 

Versandform
Von
Claudia Hager-Beil, Neulußheim
Ort
Datum
AdUnit Content_1
AdUnit Mobile_Pos2

Mehr zum Thema

Kommentar Scholz' großen Worten müssen große Taten folgen

Veröffentlicht
Kommentar von
Frank Schumann
Mehr erfahren

AdUnit Footer_1
AdUnit Mobile_Footer_1