AdUnit Billboard

Generalvikar Sturm und das öffentliche Echo

Lesedauer

Das Bistum Speyer, zu dem einst auch unsere Region gehörte, ist nicht zu beneiden. Andreas Sturm, ein führender Kleriker, in der Hierarchie vergleichbar mit einem Landesminister, hat nicht nur sein Amt niedergelegt, er ist zugleich auch zu den Altkatholiken, einer kleinen Sekte, übergetreten.

Das geschah freilich nicht im Verborgenen. Im Juli soll sein Buch über sein Vorgehen und seine Motive erscheinen. Und verständlicherweise hat er bereits am 17. Mai bedeutenden Zeitungen in einem Interview erläutert, was ihn zu seinem Schritt bewogen hat. Als erstes Echo erschien schon am 21. Mai ein Leserbrief – sicher nicht der letzte.

Sturm hat den seit dem hohen Mittelalter für Priester gültigen Zölibat gebrochen und mehrfach in (sexuellen) Beziehungen gelebt. Das gilt unter den Katholiken als schwere Sünde. Obwohl er deshalb das Recht verloren hat, Sakramente zu spenden und Messen zu lesen, hat er öffentlich Eucharistie gefeiert.

Mehr zum Thema

Lange Tradition

Hochfest zu Ehren von Peter und Paul im Speyerer Dom

Veröffentlicht
Von
Zg
Mehr erfahren

Ein Sünder, denken da gewissenhafte Gläubige und fragen sich, ob Messen und Sakramente gültig waren. Beherrscht wird die öffentliche Debatte jedoch von den Fällen sexuellen Missbrauchs, die, wenn überhaupt, zu spät geahndet und unterbunden wurden.

Fraglos sind sie die schwersten Vergehen in dieser (Selbst-)Anschuldigung. Wie viel Leid dabei jungen Menschen zugefügt wurde, lässt sich nicht ermessen. Wer sie entdeckt, kann sein Gewissen nur auf einem Weg erleichtern: Er muss sie öffentlich anprangern und abstellen. Wie der Jesuit Thomas Mertes im Jahr 2010. Ob Sturm nicht energisch genug reagiert hat, muss er mit seinem Gewissen und seiner Verantwortung vor Gott abmachen.

Bei der Gültigkeit der Messen und der gespendeten Sakramente kann man ängstliche Katholiken beruhigen. Schon seit der Antike gibt es den Grundsatz „ex opere operato“, den das zweite Vatikanische Konzil bestätigt hat. Das heißt, entscheidend ist nicht die Würdigkeit des Spenders, sondern die Einhaltung der gültigen Vorschriften. Das heißt die Liturgie. Dazu aber hört man keine Vorwürfe.

Den dritten Punkt bilden die sexuellen Beziehungen. Sie dürfen auf keinen Fall mit einer Steinigung bestraft werden wie im Fall der Ehebrecherin (Johannes, 8). Jesus hat ihre Ankläger dadurch mundtot gemacht, dass er sie auf ihr Gewissen verwies: „Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein.“

Das Wort des Erlösers wirkte, die Ankläger zogen sich zurück. So sollen es auch wir alle im Fall Sturm tun und an das Gewissen unserer Zeitgenossen appellieren. Es würde in Anlehnung an die Predigt des Apostels Paulus eine Ermutigung sein, die Mitmenschen zu lieben, auch wenn sie einem die kalte Schulter zeigen.

Denn es steht geschrieben: „Wenn sie dich lieben, dann lass uns gemeinsam froh über deine Gegenwart sein. Wenn sie dich nicht kennen, dann lass uns glaubwürdig von deiner Liebe Zeugnis ablegen.“

Entscheiden wir uns für die Liebe, wie einst Paulus.

Helmut Mehrer, Brühl

AdUnit Footer_1
AdUnit Mobile_Footer_1