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Tiefengeothermiepläne der MVV und EnBW - Zielführend bei der Risikoeinschätzung ist die qualitative Risikobewertung Geschädigte werden Schuldige

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EnBW und MVV planen im Rhein-Neckar-Gebiet die großflächige Nutzung von Erdwärme durch Tiefengeothermie. Sie soll im Verbund mit anderen Anlagen das Großkraftwerk Mannheim (GKM) ersetzen. Betroffen ist das Gebiet zwischen Mannheim, Heidelberg und Reilingen.

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Bei der Tiefengeothermie wird in Tiefen von 2000 bis 4000 Metern gebohrt und unterirdisches wässriges Medium an die Oberfläche gefördert, um dort für die Energieerzeugung genutzt zu werden. Das entnommene und abgekühlte Wasser wird durch ein zweites Bohrloch unter hohem Druck wieder dem Untergrund zugeführt. Ziel ist dabei eine Fluidisierung des Untergrundes, um einen quasi geschlossenen Kreislauf zu erzeugen. Faktisch ist das nichts anderes als ein Fracking-Verfahren. Der Begriff Fracking leitet sich aus dem Englischen „to frackture“ ab, was so viel heißt wie aufbrechen, aufreißen. Das ist das, was im Untergrund vorgesehen ist.

Die Geothermie ist nicht unumstritten. „Die Risiken der Geothermie sind beherrschbar“, so die Aussage von EnBW und MVV. Wenn man die Medienberichte zurückliegender Jahre liest, entsteht allerdings ein ganz anderer Eindruck. So wurde immer wieder von schwerwiegenden Schäden, verursacht durch Geothermie, berichtet:

In Staufen (Breisgau) kam es 2007 durch Geothermie zu schwersten Schäden in der gesamten Altstadt.

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Ein ähnliches Bild zeigte sich in Böblingen 2009. Bei 80 Häusern traten immer größer werdende Risse auf, als Folge der Erdwärmenutzung.

In Schorndorf (Rems-Murr-Kreis) wurden 2009, verursacht durch Geothermie, mehrere Häuser beschädigt.

2011 wurden durch Geothermie in Leonberg 25 Häuser teils schwer beschädigt.

In Basel kam es als Folge von Geothermie-Bohrungen 2006 zu Erdbeben. Jahre später, 2014, bildeten sich Risse in Straßen und der Bahndamm sackte ab.

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In Landau (Pfalz) traten 2009 Erderschütterungen durch Geothermie auf.

Das sind beispielhaft einige Fälle überwiegend aus unserem Land. In Verbindung mit Geothermie sind ganz allgemein folgende Risiken bekannt:

Blow Out (Gasaustritt)

Grundwasserverunreinigungen, Trinkwasserverunreinigungen

Seismische Geschehnisse wie Beben und Erschütterungen, Bodenhebungen und Senkungen

Wasseraufnahme von Anhydriten (zum Beispiel Calciumsulfat) und damit verbundene Quellungen und Bodenhebungen

Freisetzen von Radioaktivität in Folge von Radon Emissionen

Menschliche Risikofaktoren (Fehlbedienungen, Fehleinschätzungen, Fehlentscheidungen).

Auch wenn in Bruchsal seit einiger Zeit eine Anlage ohne größere Probleme betrieben wird, ist das kein Garant für den störfallfreien Betrieb der vorgesehenen Groß- geothermie. Die Wärmeversorgung von 160 000 Haushalten erfordert groß dimensionierte Anlagen und das im seismisch aktiven Oberrheingraben. Das bedeutet neue und größere Risiken.

Zurück zu den Erfahrungen aus Staufen. 260 Gebäude wurden schwer beschädigt. Der reine Sachschaden belief sich auf 50 Millionen Euro. Lange Zeit hat man die Menschen mit diesen Problemen alleingelassen. Das beteiligte Geothermieunternehmen war schnell zahlungsunfähig und der Staat erklärte sich für nicht zuständig. Es folgten Gutachten über Gutachten, an denen nur die Gutachter verdienten. Bis heute ist der Immobilienmarkt in Staufen beschädigt. Lange Zeit konnten sie dort kein Haus mehr verkaufen. Und der Boden in Staufen hebt sich noch immer.

Die Beweislastumkehr, mit der EnBW und MVV argumentieren, ist auch kein Garant. Im Zweifelsfall kommt es bei der Komplexität der Thematik zu einem Gutachterstreit und den gegen ein großes Unternehmen zu gewinnen, ist aussichtslos. Und wie sieht es mit den Versicherungen aus? Zahlen die im Schadensfall? Als Deckungssumme der Haftpflicht für Bohrfirmen wurden vor zehn Jahren fünf Millionen Euro gesetzlich vorgeschrieben, für verschuldensfreie Haftung eine Million Euro. Diese Zahlen muss man nicht kommentieren. Wer dann am Ende die Rechnung zahlt, sagen ihnen die Betroffenen aus Staufen.

Bei den Energieunternehmen baut man unterdessen schon einmal vor, indem gesagt wird, die in der Vergangenheit von Schäden betroffenen Häuser hätten schon vorher Risse gehabt. So macht man vorsichtshalber mal die potenziell Geschädigten zu Schuldigen. Man schaut nun nicht unter die Erde, schon gar nicht in diese tiefen Erd- und Gesteinsschichten von bis zu 5000 Meter. Letztendlich bleibt die Geothermie eine Technik mit hohem Risiko, weil es problematisch ist, vorherzusagen, ob Störfälle auftreten können und wenn ja, welche und in welchem Umfang. Und wenn sich die ersten Vorfälle ankündigen, kann es schon zu spät sein. Auch angrenzende Gebiete sind vor Schäden nicht gefeit.

Die Grünen setzen trotz aller Risiken unbeirrt auf Geothermie. „Wir wollen den Anteil der erneuerbaren Energien in der Wärmeerzeugung bis zum Jahr 2020 auf rund 21 Prozent verdoppeln. Dies gelingt nur, wenn wir die Geothermie weiterhin nutzen“, so seinerzeit der damalige Umweltminister Franz Untersteller.

Natürlich kann man nicht vorhersagen, ob im Einzelfall Schäden auftreten oder nicht. Und auch das Argument der Grünen, die nur allzu gern das pro Geothermie argumentierende Karlsruher Institut für Technologie (KIT) zitieren, ist nicht zielführend. Denn der BUND und die TU Darmstadt sagen genau das Gegenteil. Und die Genehmigungsbehörde handelt nach dem veralteten, aber immer noch gültigen Bergbaurecht. Darin heißt es unter anderem „Schäden müssen hingenommen werden.“

Zielführend bei der Risikoeinschätzung ist die qualitative Risikobewertung, so wie sie sich seit langem bei störfallbezogenen Anlagen bewährt hat.

Ulrich Völker, Rauenberg

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