Begrifflichkeiten - Rassismus, Toleranz und Wertschätzung in unserer Gesellschaft bedingt immer auch ein entsprechendes Verhalten Gesund bleiben – positiv denken

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Um es gleich vorweg zu sagen. Ich bin vom Alter her ein auslaufendes Modell mit manch leicht antiquierten Ansichten. Meine ersten Lebensjahre verbrachte ich im beschaulichen Niederbayern, was natürlich auch noch ein bisserl nachwirken kann. Anfang November 1945 befreiten uns weiße und schwarze Amerikaner von Nazideutschland. Im Nachhinein betrachtet blieben mir die freundlichen, dunkelhäutigen GI in bester Erinnerung. Sie beschenkten uns Kinder mit Schokolade, Kaugummi und Cornedbeef. Wir revanchierten uns mit frischen Eiern und Obst. Eine Runde im Jeep, daneben ein freundliches, schwarzes Gesicht mit strahlend weißen Zähnen, das war für uns Kinder das Höchste der Gefühle. Das heute verbotene N-Wort war noch in aller Munde.

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Mama sah etwas ängstlich von weitem zu. Opa verzehrte noch unbeanstandet sein Zigeunerschnitzel. Etwas später, Ende der 1960er Jahre, erfreuten wir uns an der Schokoladen-Marke „Sarotti“, die mit ihrem Mohr eine mehr als populäre Werbefigur erschaffen hatte. Heute wird diese Figur des Dieners stark kritisiert, als rassistisch eingestuft und verboten. Paradebeispiel war die Diskussion um die Figur im Mannheimer Capitol.

Etwa zur gleichen Zeit kamen die Fremdarbeiter in unser Land, besser bekannt unter dem Namen Gastarbeiter. 1972 wurde dann der Begriff des „ausländischen Arbeitnehmers“ ausgelobt. Meine Generation hatte für die damaligen Gastarbeiter aus Italien, Spanien, der Türkei oder Jugoslawien mehr als grenzwertige Ausdrücke, die so nicht sein mussten, aber unbestraft durchgingen.

Heute hat jeder vierte Mitbürger einen Migrationshintergrund. Wir sprechen von einer integrierten Einwanderungsgesellschaft. Diese Begriffe, so lese ich, sollen nun wieder abgeschafft werden und durch die Formulierung „Eingewanderte und ihre Nachkommen“ ergänzt werden. Was haben wir für Probleme.

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Und nun zum eigentlichen Thema Rassismus, Toleranz und Wertschätzung. Vorab: Es gibt keine allgemein akzeptierte Definition von Rassismus. Was jedoch heute in jeder Sportschau, Fernsehübertragung, in den Printmedien, auf Facebook, Instagram oder Twitter verbreitet wird, ist schon erschreckend. Jedes Wort, jede Silbe muss dreimal durchdacht werden, bevor es das Licht der Welt erblicken darf, um nicht in eine absurde Ecke abgestempelt zu werden.

So der spontane Ausspruch „Jungtürken“ in der Sendung bei Sport1 und den sich ergebenen Shitstorm oder beim Spiel Union Berlin gegen Borussia Mönchengladbach. Kann der Ausruf eines gefoulten Spielers „Chill mal, wir sind hier in Deutschland“ als rassistisch eingestuft werden? Was haben überhaupt Mikrofone während des Spiels auf dem Platz zu suchen? Wer bei körperbetonten Teamsportarten Kraftausdrücke überbewertet, stand niemals auf einem Sportplatz.

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Ich spreche von Kraftausdrücken, nicht von Beleidigungen. Wir leben insbesondere beim Sport in einer multikulturellen Gesellschaft. Ich lese und höre immer wieder, dass hoch dotierte Sportler Respekt und Wertschätzung einfordern. Eins sei diesen Leuten gesagt: Wer, egal welcher Nationalität, Hautfarbe oder Religion, Respekt einfordert, muss sich sagen lassen: Respekt kann man nicht einfordern, Respekt muss man sich erarbeiten, verdienen.

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Ein Spucker bleibt ein Spucker, ob Deutscher, Holländer, Franzose, Afrikaner oder Asiat. Hautfarbe und Herkunft sind dabei uninteressant. Dunkelhäutige Sportler aber mit Affenlauten zu begrüßen oder Bananen aufs Spielfeld zu werfen, ist unsäglich.

Ich wünsche mir generell mehr Respekt und Toleranz anderen gegenüber. Eins aber darf auch gesagt werden, alle die in der Bundesrepublik Deutschland beheimatet sind, müssen unsere Gesetzgebung und die Prinzipien unseres demokratischen Rechtsstaates anerkennen.

Verbrecherclans – welcher Nationalität auch immer – haben hier nichts verloren.

Dem Coronavirus Covid-19 oder sich den daraus ergebenden Mutationen ist die Nationalität, Hautfarbe oder Religion vollkommen egal.

Bleibt gesund und denkt positiv.

Ludwig Wocheslander, Brühl