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Papstbesuch im Irak - Religionsfriede überwindet Rassismus, Kriege und Elend / Das Zusammenleben erleichtern Gläubige sollen sich schätzen lernen

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Alte weiße Männer haben derzeit eine schlechte Presse. Wenn jedoch in diesen Märztagen Papst Franziskus den Irak besucht, mit Gläubigen betet und einen schiitischen Ajatollah trifft, weckt er Hoffnungen. Bisher gab es nur Begegnungen mit dem Imam der Al-Azhar-Universität in Kairo, einem Sunniten also. Die Gesprächspartner verfügen freilich über keine Macht. Sie haben nur Einfluss, wie es heißt. Und da können wir auf eine Rückkehr des Friedens hoffen.

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Im Irak, wo der Anteil der Christen auf ein Zehntel gefallen ist. Und im Jemen, wo Sunniten und Schiiten, Saudi-Arabien und der Iran, einen Stellvertreterkrieg führen, der zum schlimmsten Elend unserer Gegenwart geführt hat.

Wir sind aber auch als europäische Christen angesprochen. Wer in der Türkei eine kunsthistorisch wertvolle Moschee besucht, ist überrascht von der großen Zahl bescheiden gekleideter, auf Teppichen sitzender Männer. Sie lassen mit geschlossenen Augen eine Perlenkette (Tisbah) durch ihre Finger gleiten und beten dabei, unhörbar murmelnd, die „100 schönsten Namen Gottes“. Ein Ideal an „Volksfrömmigkeit“, denkt da mancher und fühlt sich wehmütig an den in seiner Kindheit üblichen Rosenkranz erinnert. Zwischen diesen beiden Lang-Gebeten besteht, was manche wundert, ein historischer Zusammenhang. Kreuzritter haben vor 800 Jahren die Gebetsketten nach Europa gebracht und dem Ordensgründer Dominikus gezeigt. Der erkannte darin einen Ersatz für die 150 Psalmen, die seine Geistlichen sangen.

Er formulierte je fünf „Geheimnisse“ für einen freudenreichen (Geburt Jesu), schmerzensreichen (Tod am Kreuz) und einen glorreichen (Auferstehung) Rosenkranz und fügte sie in zehn Ave Marias ein. Manche Beter setzen jedes Ave einem Jahr gleich, beten für Verwandte und Freunde. Mit ihnen gehen sie durch die Jahre, erleben die gemeinsame Zeit noch einmal, freuen sich über gutes Miteinander und versöhnen sich mit dem weniger Gelungenen. Diese 150 Ave Marias sind leichter zu lernen als das 100-Namen-Gebet, das über keine leicht erkennbare Struktur verfügt. Es preist Gottes Güte, seine Würde, Heiligkeit und Kraft, rühmt ihn als Friedensbringer und Spender, nimmt aber auch hin, dass er manches verweigert.

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Diese Fülle enthält freilich auch Gebete, die ein Christ ablehnen würde, etwa der 22. Name: „Der Erniedriger der Hochmütigen und zu Unrecht Stolzen.“ Jesus hat seinen Jüngern zwar erklärt, dass der Erste der Diener aller sein soll, aber er würde niemanden erniedrigt haben. Das hätte dem Geist seiner Nächstenliebe widersprochen.

Abwertendes finden wir freilich in den jüdischen Psalmen, die auch in christlichen Gottesdiensten gebetet werden. Ein Beispiel: Die Schlussverse des ersten Psalms: „Denn der Herr kennt den Weg der Gerechten, der Weg der Frevler aber führt in den Abgrund.“ Muslime wiederum finden in Jesu „Vater unser“ kein sie schockierendes Wort.

Im Rosenkranz hingegen ist ihnen Maria als Gottesmutter fremd und damit auch das Ave Maria. Fast noch wichtiger: In Jesus sehen sie nur einen Propheten.

Es gibt also bei allen Unterschieden auch Gemeinsamkeiten zwischen den Gebeten. Sie sind einfach zu verstehen und in weiten Kreisen verbreitet. Man darf sie also durchaus als Elemente der „Volksfrömmigkeit“ hoch schätzen. Da die drei Religionen in der deutschen und europäischen Gesellschaft nebeneinander leben, scheint es plausibel, sie jungen, aber auch älteren Christen, Juden und Muslimen näherzubringen. Vermutlich ließe sich damit der Islamophobie, dem Antisemitismus und dem Islamismus leichter den Boden abgraben als mit Gesprächen der Spitzenvertreter.

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Deshalb die abschließende Empfehlung: Machen wir junge Christen, Juden und Muslime miteinander und mit ihren Gebeten vertraut. Es wird ihre Religionen stärken und ihr Zusammenleben erleichtern.

Helmut Mehrer, Brühl

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