Gleiches Recht heißt nicht Gleichmacherei

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Zur Bildungspolitik im Bundesland wird uns Folgendes geschrieben:

Die Ergebnisse der baden-württembergischen Schulpolitik lassen aufhorchen. Der Lehrerverband – Verband Bildung und Erziehung (VBE) – schlägt Alarm, die Lesekompetenz der Grundschüler ist schwach, Kenntnisse in Deutsch und Mathe sind unter Mindeststandard. Das Ländle ist in der Rangliste der Länder nur noch unteres Mittelfeld (Quelle: IQB-Studie „Bildungstrend 2021“).

Dabei hatte man einmal große Hoffnungen in den „inklusiven Weg“ in der Schulpädagogik gesetzt, ein Weg in eine gerechtere Gesellschaft. Wer alle mit einbezieht, schließt niemanden aus, niemand wird diskriminiert. Und benachteiligt fühlt man sich heute als Minderheit ganz schnell – als übersehen und missachtet.

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Mehr als alles andere soll diesem Gefühl die genderinklusive Sprache abhelfen. Sie befördert die Inklusion mit allen und alles umarmenden Zeichen: mit Sternchen, Doppelpunkt und Doppelnennungen. Inklusion durchdringt inzwischen jeden Lebensbereich. Das Problem dabei: Es gibt offenbar Unterschiede, die sich nicht ignorieren lassen. Jeder Jeck ist anders, weiß der Kölner nicht nur zur Karnevalszeit. Werden Unterschiede geleugnet, führt dies zur Missachtung von spezifischen Bedürfnissen: Frauen wollen am Frauenbadetag oder in der Sauna unter sich bleiben und genießen die Freiheit ohne Männerblicke. Männer wollen an ihren Stammtischen oder beim Kicken mal unter sich sein und ihre Anliegen ohne missbilligende Frauenblicke bequatschen.

Warum müssen alle gleich sein und sich anpassen? Gibt es nicht gar ein Recht auf Unterschied und Distanz? Gleichberechtigung ist nicht dasselbe wie Gleichheit. Gleiche Rechte garantieren die Freiheit des Einzelnen, Demokratie schützt Minderheiten, aber sie macht nicht alle gleich.

Bevor Inklusion zum Modewort wurde, war sie als Begriff geläufig für Menschen mit einer Behinderung, denen damit ein hindernisfreier Zugang zu allen Bereichen des öffentlichen Lebens garantiert und gesellschaftliche Teilhabe ermöglicht wird. Dann verbreitete sich Inklusion in den Schulen. Lernschwache Schüler werden in Regelklassen unterrichtet und behandelt wie alle anderen. Sie sollen sich nicht anders fühlen, sondern „ganz natürlich dazugehören“, wie das inklusive Konzept es vorsieht.

Inzwischen wird der heilpädagogische Ansatz aber auch als romantisierende Gleichmacherei kritisiert. Besondere Eigenschaften lassen sich nicht weginkludieren und das Abitur für alle als Ziel lässt andere Begabungen außer acht. Das kann sich für das betroffene Kind sogar kontraproduktiv auswirken, es mindert die Lernbereitschaft und fördert Schulversagen.

Bei der Inklusion geht es um das Versprechen, dass die unterschiedlichsten Menschen eines Tages rechtlich und ganz praktisch nichts mehr unterscheidet. Alle sollen sich gerecht behandelt fühlen. Das, wovon man ausgeschlossen bleibt, wird als persönliche Ablehnung erlebt, als verweigerte Achtsamkeit. So wird das „sozialistische Projekt Inklusion“ zum Dogma, und oft ist nicht ersichtlich, wer vom „Einschluss“ wirklich profitiert.

Genderaktivisten sind dabei, die Geschlechtsunterschiede abzuschaffen, Hochschulen gehen voran. So sollen in einem Leitfaden für inklusive Sprache die Bezeichnungen „Herr“ und „Frau“ aus der Anrede verschwinden. Der Cannabis-Joint für alle und der Plan der Ampelregierung, jeder Mensch könne einmal jährlich durch persönliche Erklärung ohne ärztliche Expertise ab 14 Jahren sein Geschlecht wechseln, ist keine Verschwörungsmythe, sondern surreale Realität. Fazit: Wer sich ans Absurde gewöhnt hat, findet sich in unserer Zeit bestens zurecht.

Winfried Wolf, Plankstadt