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Grundstücksvergabe in Plankstadt fragwürdig

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Ein Leserbrief zum Artikel „Gemeinde bekommt gut 300 Neubürger“ (SZ, 23. Juli, Seite 13, Plankstadt):

Danke für den erhellenden Artikel! Man versteht nun als Anwohner viele Steine besser, an denen man sonst Anstoß hätte nehmen können. Wenn man über viele Jahre in Mannheim eine Praxis betrieben hat, kennt man die MVV. Jetzt weiß man, warum die Erschließungsarbeiten so lange dauern, obwohl schon morgens ab 6 Uhr gebaggert und gerüttelt wird: Am besten jede Leitung und jedes Kanalrohr einzeln einlegen, nach jedem Arbeitsgang alles wieder planieren und dann erneut aufreißen. Davon können allerdings auch die Anwohner der Wilhelmstraße ein Liedchen singen.

Da die meisten Neubürger aus Mannheim kommen sollen, können sie sich problemlos einleben. Sie können sich beglückwünschen, sind nicht auf der Hochstätt, dem Lutzenberg oder der Schönau gelandet. Das muss ihnen doch ein paar Hunderttausend Euro mehr wert sein?! Oder habe ich mich verrechnet, wenn im Bieterverfahren 750 Euro angesetzt und als Durchschnittspreis 1150 Euro erzielt wurden? Wohlgemerkt: Die Inflation galoppiert bei der Energie ebenso wie bei Baumaterialien, selbst Dachlatten, und die Zinswende ist eingeläutet. Erste Rücktritte soll es ja bereits gegeben haben.

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Die Gemeinde verteilte früher ihre Grundstücke nach anderen Kriterien. Viele Familien kamen zum Zuge und konnten hier bauen. Meine Kinder hatten ringsum Spielkameraden, mit denen sie zum Kindergarten und in die Schule gingen. Dabei hatten wir großes Glück und bekamen unser Grundstück als Nachrücker. Ich bin den früheren Bürgermeistern und Entscheidungsträgern sehr dankbar, wie auch die Nachbarn, die fast ausnahmslos zugeben, sie wären bei einem Bieterverfahren garantiert nicht hier zu Grund und Boden gekommen. Insofern ist das Umschwenken nicht nur eine Ohrfeige für die früheren Verantwortlichen, sondern auch die damaligen Bauherren, die nach den Modalitäten der jetzigen Vergabe als zu pover durchgefallen wären.

Kleiner Tipp an die Gemeinde: Bei der nächsten Ausschreibung sollte sie sich bei „Dandy von Dünkel“ erkundigen, was er für ein Grundstück bezahlt hat, und das Mindestgebot ein bisschen anpassen, wenn man ein richtiges Schnöselghetto auf der Gemarkung haben will.

Das Ganze hat freilich nicht nur komische Seiten: Traurigerweise sind viele junge Familien aus Plankstadt wahrscheinlich gezwungen, die Gemeinde zu verlassen und ihr Glück im Odenwald oder der Hinterpfalz zu suchen. Sie können sich damit trösten, dass von den Mehreinnahmen, die die Neubürger im Gegensatz zu ihnen in die Kassen spülen, „Kultur und Sport profitieren“.

Dr. Andreas Gabel, Plankstadt

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