Gütertrasse eine Fata Morgana?

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Zum Artikel „Dialogforum war nur ein Monolog“ (SZ-Ausgabe vom 24. September) wird uns geschrieben:

Die leidigen Erfahrungen der Bürgerinitiative mit der Planungsgruppe gegen die Gütertrasse Mannheim-Karlsruhe kann ich nur voll bestätigen.

Bereits im Februar ersuchte ich um Auskunft bei der PR-Abteilung und bekam dann auf mehrmaliges Nachfassen im Mai einen Videochat mit dem stellvertretenden Planungsleiter.

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Auf meine Frage, ob auch alternativ der Gütertransport per Schiff auf dem Rhein untersucht würde, bin ich nur auf den Bundeswegeverkehrsplan verwiesen worden. Tatsächlich bietet der Transport auf dem Rhein noch großes Potenzial. Es gibt auch genügend Umschlagkapazitäten in den Rheinhäfen Rotterdam, Mannheim und Karlsruhe. Der Schiffstransport ist wegen des hohen Fassungsvermögens nicht nur ökologischer, sondern auch schneller als auf der Schiene. Man muss dafür nur mit vergleichsweise geringem Aufwand die kritischen Rheinstellen zwischen Bingen und Koblenz ausbaggern.

Mein Eindruck ist, dass die geplante Gütertrasse eine reine Fata Morgana ist und lediglich als Arbeitstherapie für unterbeschäftigte Bahnplaner dient. Keine der 40 Varianten werden je gebaut, weil sie schlicht überflüssig sind. Auf den bestehenden Gleisverbindungen gibt es nur in den Köpfen der Planer Engpässe, weil sie noch in überholten „Blockabständen“ denken und noch keine Digitalisierung des Bahnbetriebs schaffen. So könnte die Zugfolge mit GPS problemlos verdoppelt werden.

Der Bahnlärm wäre kein Problem mehr, weil moderne Güterzüge mit Kunststoffbremsen nicht lauter als S-Bahnen sind. Vielleicht ist es sogar gut, dass die Bahnplaner nur Beschäftigungstherapie betreiben, denn welche immensen Schäden sie bei Realisierung ihrer Ideentrassen anrichten könnten, zeigen zum Beispiel die Projekte Stuttgart 21 und die zweite Stammstrecke in München. Die Kosten haben sich verzehnfacht und die Fertigstellung wird immer weiter auf den St. Nimmerleinstag verschoben.

Bei Stuttgart 21 ist den Planern jetzt noch eingefallen, dass zusätzlich ein zehn Kilometer langer Tunnel gebaut werden muss, um Zürich zügig erreichen zu können.

Ulrich Pfeiffer, Schwetzingen