Ketscher Friedhof - Die aggressiven Ameisen haben es geschafft Hell wach? Nicht wirklich!

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Die SZ nahm noch einmal das große Krabbeln in Ketsch in den Fokus! Für mich war indes das Thema beendet, nachdem ich das Familiengrab meiner Eltern vorzeitig aufgelöst hatte. Ich wurde den aggressiven Ameisen in und um die Grabstätte einfach nicht Herr. In einem Leserbrief nannte ich einst den Friedhof das Stiefkind der Gemeinde, worauf mich der Bürgermeister beleidigte, ich hätte noch nie im Leben etwas Richtiges geschafft.

Auf eine Entschuldigung wartete ich vergebens. Auf dem Friedhof fragte ich einmal seinen Stellvertreter, den Gärtnermeister Seitz, ob man nicht was dagegen unternehmen könne. Er erklärte mir, dass es sich bei den Ameisen um eine geschützte Art handle. Hätte die Gemeinde „richtig geschafft“, wäre es nicht zu einer solchen superinvasiven Kolonie der Gattung Tapinoma magnum gekommen!

Hätte man frühzeitig reagiert, den Anfängen Einhalt geboten, wäre das Problem nicht so groß geworden. Wir Bürger werden von der Obrigkeit ständig aufgefordert, Missstände zu melden. Wie man aus der SZ liest, war die Seuche der Gemeinde schon 2016 bekannt – laut Fachgutachten unseres Umweltbeauftragten. Seitdem hatten die Viecher fünf Jahre Zeit, sich unter dem Pflaster Heimstätten zu bauen?! War man hellwach? A wo! Man hat sie gewähren lassen, sodass sie nun als unbezwingbar gelten. So unwirtlich wie in 2000 Metern Höhe in der Sierra Nevada wird es in Ketsch niemals. Doch auch das überleben sie!

Nun haben sie es geschafft, sich auf einem Gebiet von acht bis zehn Hektar zu verbreiten – 300 Meter im Umkreis! Plötzlich entdeckt man, dass sie nicht nur den Grabstätteninhaber nerven und schädigen, sondern auch heimische Arten verdrängen, was man auch bei anderen zugewanderten Arten konstatiert. Ihr Biss oder die verspritzte Säure mag nicht gesundheitsgefährdend sein, doch wer hat Lust, unter diesen Umständen ein Grab zu pflegen! Etwa in Schutzmontur? Wobei die Instandsetzung unterhöhlter, wackelnder Waschbetonsteine doch wohl Sache der Gemeinde wäre.

Auf ein Happy End warten, bis die Natur für sich selber sorgt, ist keine Lösung für einen Friedhof. Ein Friedhof ist ein kultureller Ort, den man nicht einfach sich selbst überlassen kann. Eine Vernachlässigung ist sträflich und rächt sich, wie man sieht. Klaus Tremmel, Ketsch